Frankfurt-Vorstand Krösche

So tickt der neue Eintracht-Boss (1)

Markus Krösche hat mit Eintracht Frankfurt Großes vor. Foto: Imago

Seit dem 1. Juni ist Markus Krösche Sportvorstand von Eintracht Frankfurt. Den 40-Jährigen erwarten ein spannender Transfersommer, ein Umbruch im Klub und viele neue Gesichter. fussball.news stellt den gebürtigen Hannoveraner in einer mehrteiligen Serie vor. In Teil 1 geht es um das Arbeitsziel von Markus Krösche, das höchste Priorität genießt: alle Bereiche und Charaktere weiterzuentwickeln.

Von der Eintracht berichtet fussball.news-Reporter Benjamin Heinrich

Markus Krösche ist diesen Sommer als Funktionär von RB Leipzig zu Eintracht Frankfurt gewechselt. So ist es nachvollziehbar, dass Krösche regelmäßig danach gefragt wird, was er denn aus dem großen RB-Kosmos an Erfahrungen mitgenommen hat und was er davon bei der Eintracht einbringen kann. Für die Fußball-Öffentlichkeit überraschend dürfte sein, dass Krösche zwar Anerkennung für Ralf Rangnick, dem "Gründervater" des pressingorientierten RB-Fußballs ausdrückt, für ihn aber der eigentliche "Gründervater" des RB-Fußballs ein anderer Trainer ist: Sein Freund und langjähriger Weggefährte Roger Schmidt. Zunächst war Schmidt Trainer beim SC Paderborn, als Krösche noch im Mittelfeld des SCP den Takt vorgegeben hatte. 2012 wechselte Schmidt als Coach zu RB Salzburg, wo fast zeitgleich auch Ralf Rangnick als Sportchef startete. 

Zwischen 2015 und 2017 fanden dann Krösche und Schmidt bei Bayer Leverkusen zusammen. Krösche diente seinem Mentor als Assistenztrainer bei der Werkself. Die oftmals "wilden" Spiele der Leverkusener mit fünf Toren plus x boten den Fans großes Spektakel. Als die Ära Schmidt bei Bayer endete, kehrte Krösche zu seinem Stammverein SC Paderborn - er spielte von 2001 bis 2014 für die Ostwestfalen - zurück und packte als Manager erfolgreich an. Offenbar von Schmidt inspiriert, powerte Krösche sich mit Paderborn von der 3. Liga bis in die 1. Liga durch. 2019 ging es für Krösche dann als Sportdirektor zu RB Leipzig - und 2021 nun zur Eintracht. In seinen bislang sieben Jahren als Funktionär ist für Krösche sportlicher Erfolg natürlich eine bedeutende Komponente, doch die höchste Priorität genießt das Thema Weiterentwicklung.  

"Das finde ich spannend"

Wenn Krösche über Weiterentwicklung spricht, spürt man als Zuhörer, dass es sein Herzensanliegen ist, weil es seine Arbeit, aber auch seinen eigenen Lebenslauf prägt und geprägt hat. Auch im Gespräch mit fussball.news fällt der Begriff mehrfach, stets begleitet von einem begeisterten Lächeln im Gesicht des ehemaligen Mittelfeldspielers. "Mich reizt die Aufgabe, in leitender Funktion bei einem Traditionsklub mit großer Strahlkraft zu arbeiten. Ich kann meine Ideen zur Weiterentwicklung einbringen und umsetzen. Das macht mir Spaß, das finde ich spannend", betont Krösche. Den SC Paderborn hatte Krösche mit moderaten finanziellen Mitteln von der 3. Liga in die Bundesliga geführt, in Leipzig stellte er gemeinsam mit Trainer Julian Nagelsmann, der sich in dieser Phase zu einem Trainer von internationalen Format entwickelte, Vereins-Bestmarken auf. RB erreichte unter anderem erstmals das Halbfinale der Champions League. Auch wenn Paderborn und Leipzig sich auf den ersten Blick deutlich von ihrer Struktur her unterscheiden, eines blieb gleich: Beide Klubs nahmen unter Krösches Führung in kurzer Zeit eine rasante Entwicklung. 

Persönliche Weiterentwicklung

Dabei ist Krösche ein Funktionär, der sich selber auch mal zurücknehmen und unterordnen kann. 2019 wählte er ganz bewusst den Schritt zu RB Leipzig, wo er im Vergleich zu seiner Funktion als Geschäftsführer Sport beim SC Paderborn zwar einen deutlich größeren Klub vorfand, plötzlich aber auch mit weniger Kompetenzen ausgestattet war und sich in komplexere Strukturen einfinden musste. Eine Entscheidung, die er zwecks der eigenen Weiterentwicklung wählte und die er auch zwei Jahre später nicht bereut. "Es war eine sehr erfolgreiche Zeit in Leipzig, in der ich viel gelernt habe", blickt er kurz zurück, macht aber auch deutlich, wie glücklich er ist, nun bei der Eintracht eine neue Herausforderung gefunden zu haben.

Ziel und Anspruch an alle im Klub

In Frankfurt will Krösche nun das komplette Umfeld motivieren, sich nicht mit dem status quo zufriedenzugeben. Sich weiterzuentwickeln, das ist auch der Anspruch, den er an Spieler und Mitarbeiter stellt. "Ich versuche, Mitarbeitern Vertrauen zu geben. Aus Vertrauen und Verantwortung entsteht Motivation, darüber Identifikation und darüber wiederum Weiterentwicklung", sagte er bereits 2019 auf der SPOBIS. Spieler wiederum wollen in der Regel selbst wissen, wie der Klub sie weiterentwickeln kann und will. Die Basis dafür ist laut Krösche ein hohes Maß an Kritikfähigkeit: "Wenn da jemand sitzt und sagt: 'Ich weiß nicht, der Trainer war schuld, die Mitspieler waren zu schlecht, ich habe immer Pech in meinem Leben, normalerweise bin ich eigentlich ein Nationalspieler', dann hat mein Trainer ein Riesenproblem, ihn weiterzuentwickeln. Es wird keine Weiterentwicklung geben, wie wir das wollen." 

Potential in Frankfurt nicht ausgeschöpft

Als es nun vor wenigen Wochen darum ging, Eintracht Frankfurt am vermeintlichen Höhepunkt mit Platz fünf in der vergangenen Bundesliga-Saison weiterzuentwickeln, schreckten einige Kandidaten, aber auch ehemalige Mitarbeiter wie Ex-Coach Adi Hütter oder auch Sportvorstand Fredi Bobic offenbar davor zurück. Sie sahen den Klub am Limit, Hütter sprach im Nachgang gar von einer "Überperformance" der Spieler. Krösche sieht das offenbar anders: "Die Eintracht hat am Limit gespielt und ihr volles Potential auf den Platz gebracht." Ein großes Entwicklungspotential ist für ihn in Frankfurt weiterhin vorhanden, die Ressourcen am Bundesliga-Standort Frankfurt noch lange nicht ausgeschöpft. "Ich sehe noch viel Potential, das im Umfeld schlummert", macht Krösche der Eintracht-Familie Hoffnung. Anders als Vorgänger Fredi Bobic sieht Krösche die Eintracht auch nicht als Projekt oder gar Zwischenstation, die Vertragsunterschrift bis zum Jahr 2025 kam nicht von ungefähr. "Ich möchte nachhaltige Entwicklungen vorantreiben", betont Krösche, der im Grunde als Spieler nur zwei Vereinen diente: In nahezu seiner kompletten Jugend dem SV Werder Bremen - und als Profi dem SC Paderborn. Womöglich ist er nun als Funktionär auch bei einem Verein angekommen, bei dem er eine ähnlich lange Zeit erfolgreich arbeiten kann.

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Benjamin Heinrich  
26.06.2021