FCA und SCF

Seltenheitswert: Die 5 jüngsten Tauschdeals der Bundesliga

Bender kam per Tauschtransfer zum BVB. Foto: Getty Images
Bender kam per Tauschtransfer zum BVB. Foto: Getty Images

Der FC Augsburg und SC Freiburg haben am Freitag einen ungewöhnlichen Deal perfekt gemacht. Die Fuggerstädter verpflichten Ermedin Demirovic vom Europapokalteilnehmer, im Gegenzug stürmt Michael Gregoritsch künftig für die Breisgauer. Laut Medienberichten handelt es sich um einen reinen Tausch, Ablösesummen werden demnach nicht fällig.

Schon ohne diese Besonderheit handelt es sich bei Tauschdeals um solche mit absolutem Seltenheitswert, zumindest in der Bundesliga. In anderen Ligen mögen derartige kreative Lösungen öfter zum Tragen kommen. Vor allem die italienischen Erstligisten machen häufig Gebrauch davon, aber auch der FC Barcelona hat schon öfters zu diesem Instrument gegriffen. Einer der spektakulärsten Tausch-Transfers aller Zeiten brachte den Katalanen Zlatan Ibrahimovic ein, dafür ging Samuel Eto'o zu Inter Mailand. Ganz so große Namen sind in der Bundesliga nicht im Rahmen eines Tauschs gewechselt. fussball.news blickt auf die letzten fünf Deals zurück, bei denen Bundesligisten involviert waren.

2008: Mladen Petric zum HSV / Mohamed Zidan zum BVB

Petric hatte in seiner ersten Saison in der Bundesliga durchaus überzeugt, schoss 13 Treffer für Borussia Dortmund. Doch der Klub wirkte seinerzeit ohne eine Richtung, während der Hamburger SV der erweiterten Bundesliga-Spitze angehörte und durchaus regelmäßig im Europapokal dabei war. So zog es den Kroaten nach Norddeutschland, im Gegenzug sicherte sich der BVB den Ägypter Zidan. Maßgeblich zu tun hatte das auch mit der Verpflichtung eines neuen Cheftrainers, die sich als wegweisend herausstellen würde: Jürgen Klopp kannte Zidan schon vom FSV Mainz 05. Das bessere Ende hatte der BVB für sich, Zidan wurde mit den Schwarzgelben zweimal deutscher Meister. Obendrein kassierte Dortmund im Rahmen dieses Tauschs noch eine happige Ablöse von 4,8 Millionen Euro.

2009: Sven Bender zum BVB / Antonio Rukavina zu 1860

Nicht zu vergessen ist die angespannte finanzielle Lage beim BVB in der Anfangszeit von Klopp. Hohe Ablösen waren nicht drin, weshalb Sportdirektor Michael Zorc kreative Lösungen suchte. Eine solche brachte auch das damalige Top-Talent Bender nach Dortmund. Der defensive Mittelfeldspieler kam, Rechtsverteidiger Rukavina blieb bei seinem bisherigen Leihklub in München. Während der spätere deutsche Nationalspieler beim BVB eine tragende Rolle in der Klopp-Ära übernahm, wechselte Rukavina nach drei Jahren ablösefrei Richtung Spanien. Ablösen sollen seinerzeit übrigens nicht geflossen sein. 

2018: Daniel Ginczek zu Wolfsburg / Daniel Didavi zum VfB

Dass die Grenzen zwischen nur lose zusammenhängenden Transfers, der Verrechnung von Spielern und vollständigen Tauschdeals bisweilen verschwimmen, zeigt das Beispiel aus dem Jahr 2018. Didavi kehrte vom VfL Wolfsburg zum VfB Stuttgart zurück, je nach Quelle war die Rede von einem ablösefreien Transfer oder einer Ablöse von 4 Millionen Euro. Dem gegenüber stand der Abschied von Ginczek nach Niedersachsen, der entweder 10 oder 14 Millionen Euro gekostet haben soll. Letztlich bleibt festzuhalten: Der VfB hat Didavi bekommen und 10 Millionen Euro mehr in der Tasche gehabt als zuvor. Beide Spieler waren bei ihren neuen Klubs oft verletzt und sind inzwischen nicht mehr dort angestellt. Ginczek spielt bei Fortuna Düsseldorf in der 2. Liga, Didavi sucht derzeit noch einen neuen Verein.

2019: Andre Silva zur Eintracht / Ante Rebic zu Milan

Der Tausch zwischen dem heutigen Europa-League-Sieger und dem frischgebackenen italienischen Meister hielt die Besonderheit bereit, dass es sich um einen Tausch von Leihspielern handelte. Silva spielte für zwei Jahre bei Eintracht Frankfurt, im Gegenzug sicherte sich die AC Mailand Ante Rebic. Es ist wohl der seltene Fall, dass beide Seiten zufrieden mit dem Geschäft sein können. Silva war der Eintracht ein verlässlicher Torjäger und brachte einen Transfergewinn von geschätzten 20 Millionen Euro ein, nachdem die Hessen ihre Kaufoption geltend gemacht hatten und den Portugiesen an RB Leipzig verkauften. Rebic wiederum war in Mailand eine feste Größe, ehe in der Meistersaison viele Verletzungen dazwischen kamen. Der Kroate kostete die Rossoneri dem Vernehmen nach bis zu 4 Millionen Euro mehr, als Frankfurt für Silva veranschlagen musste.

2022: Ermedin Demirovic zum FCA / Michael Gregoritsch zu Freiburg

Nun also ist es mal wieder zu einem Tauschdeal innerhalb der Bundesliga gekommen. Für beide Spieler dürfte es Sinn ergeben: Demirovic winken beim FC Augsburg größere Spielanteile, der Bosnier sollte unter Neu-Trainer Enrico Maaßen als gesetzter Stürmer in die Saison gehen. Gregoritsch spielt mit dem SC Freiburg derweil in der Europa League und unter Trainer-Guru Christian Streich, der fast jeden Profi unter seinen Fittichen besser macht. Ob es so eindeutige Gewinner geben wird wie zum Beispiel im Fall Bender und Rukavina, bleibt abzuwarten.

(Angaben via Transfermarkt)

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Lars Pollmann  
09.07.2022