Bayern-Boss über Hoeneß-Haft

Rummenigge: "Gönnt man nicht mal seinem schlimmsten Feind"

Rummenigge (l.) und Hoeness (r.) sind langjährige Weggefährten.
Rummenigge (l.) und Hoeneß (r.) sind langjährige Weggefährten. Foto: Getty

2014 trat Ex-Bayern-Präsident Uli Hoeneß eine Freiheitsstrafe wegen Steuerhinterziehung an. Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern, spricht nun über die Zeit, in der sein langjähriger Kollege hinter Gittern war.

"Wenn ich ehrlich bin, habe ich das nicht als Chance, sondern als Aufgabe bezeichnet. Ich war der erste, der ihn damals in der JVA besucht hat und ich durfte zwei Stunden bleiben", verriet Rummenigge im Phrasenmäher-Podcast der Bild, wie er es nach der Inhaftierung von Hoeneß persönlich empfand und welche Herausforderungen er beim FCB auf sich zukommen sah.

"Es war für ihn unglaublich schwierig"

Der 65-Jährige bekam damals zu spüren, dass sein langjähriger Weggefährte weiterhin dahinter war, wissen zu wollen, was beim deutschen Rekordmeister, der 2014 das Double gewann, vorging: "Er war ein Stück weit abgeschnitten. Er konnte zwar Fernsehen schauen, aber er wusste nicht, was intern abläuft und hat mit mir zwei Stunden nur über Interna gesprochen und dann habe ich schon gemerkt, dass das für ihn unglaublich schwierig ist, vom Informationsfluss abgeschnitten zu sein."

Rummenigge dachte: "Wie kann man ihm helfen?"

Rummenigge sei im Anschluss an seinen ersten Besuch in der JVA, "nach Hause gefahren, unglaublich nachdenklich und empfand es schwierig." Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern erklärte weiter: "So etwas gönnt man nicht einmal seinem schlimmsten Feind. Das war schon ein Erlebnis, das bei mir nachträglich für Gedankengänge gesorgt hat."

Der Bayern-Boss dachte nach diesem seltsamen Gespräch mit Hoeneß: "Wie kann man ihm helfen? Wenn man schon reingeht in diesen Besucherraum, da kann ich nur eins sagen: Es war schwierig."

Nach Haft: Hoeneß kehrt zum FCB zurück

2016 wurde Hoeneß' Antrag auf vorzeitige Haftentlassung genehmigt. Im Anschluss übte der heute 68-Jährige bis 2019 erneut die Funktionen als Präsident des Vereins und als Vorsitzender des Aufsichtsrats bei den Münchnern aus.

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Adrian Kuehnel  
25.09.2020