2. Bundesliga

Roundup: Werder siegt nach Derby-Drama, Heidenheim patzt

Bremen und HSV trafen sich zu einem dramatischen Derby. Foto: Getty Images
Bremen und HSV trafen sich zu einem dramatischen Derby. Foto: Getty Images

Der Sonntag in der 2. Bundesliga stand ganz im Zeichen des Nordderbys, der Hamburger SV empfing Werder Bremen. Parallel spielte der 1.FC Heidenheim gegen den SV Sandhausen, zudem war Fortuna Düsseldorf bei Jahn Regensburg zu Gast.

Im Duell der norddeutschen Stadtstaaten ging es um die Tabellenführung, die dem Sieger in beiden Fällen sicher war. Den besseren Auftakt in eine oftmals hektische Begegnung erwischte dabei der Bundesliga-Absteiger. Werder drückte dem Spiel früh den eigenen Stempel auf und belohnte sich dafür auch rasch. Ein Treffer von Leonardo Bittencourt fand noch keine Anerkennung (7.), nach Videostudium gab es aber Elfmeter für die Gäste: Jonas Meffert hatte einen Schuss von Ömer Toprak mit der Hand auf den Kopf von Bittencourt abgefälscht. Eine harte, aber wohl vertretbare Entscheidung von Daniel Siebert, auf den Punkt zu zeigen. Marvin Ducksch trat zum Strafstoß an und versenkte ohne Probleme zum 1:0 (10.). 

In der Folge kam auch der HSV zu ersten Chancen und zum vermeintlichen Ausgleich, Moritz Heyer staubte nach einem Wackler von Jiri Pavlenka ab. Weil aber Robert Glatzel Toprak gefoult haben soll, wurde der Treffer weggepfiffen (19.). Insgesamt war aber Werder auf dem Weg nach vorn deutlich zwingender und erspielte sich einige Gelegenheiten auf ein 2:0, das nicht unverdient gewesen wäre. Hamburg-Schlussmann Daniel Heuer Fernandes rettete aber die beiden größten Chancen im Duell mit Bittencourt (30.) und Ducksch (33.) sehenswert. Einen Hochkaräter verzeichnete auch der Gastgeber vor der Pause noch: Bakery Jatta setzte sich über rechts durch, seine flache Hereingabe lenkte Glatzel unter Gegnerdruck am Kasten vorbei (44.). 

Die Werder-Führung zur Halbzeitpause war durchaus verdient, ein bisschen Glück bei den Schiedsrichterentscheidungen spielte aber auch eine Rolle. Nach dem Seitenwechsel stand gleich nach wenigen Sekunden die nächste Video-Überprüfung an: Ein schneller Abschluss von Glatzel landete bei Meffert, der aus fünf Metern einschieben konnte. Das Studium der Bilder im 'Kölner Keller' zeigte, dass der Mittelfeldmann denkbar knapp nicht im Abseits gestanden hatte, sodass der Ausgleich zählte (48.). Nur eine Minute später musste Siebert selbst an den Monitor treten, um diesmal ein Handspiel von Jatta zu überprüfen, der sich bei einem Schuss von Mitchell Weiser weggedreht hatte. Erneut zeigte der Unparteiische auf den Punkt, erneut schien es eine harte, aber nicht unbedingt falsche Entscheidung. Diesmal trat Niclas Füllkrug an, verzögerte seinen Anlauf und versenkte ganz cool ins linke Eck (51.)

Der kuriose Start der zweiten Hälfte hinterließ bei beiden Teams Wirkung, sie waren um Beruhigung bemüht. Dem HSV gelang keine schnelle Antwort, eine gute Chance von Heyer vereitelte Pavlenka mit einer Flugparade (69.). Werder empfing die Angriffe der Rothosen tief und wollte überfallartig kontern, dies gelang mit Eintritt in die Schlussphase vorentscheidend: Jatta verlor die Kugel im Vorwärtsgang gegen Ducksch, der die Umschaltbewegung auf Vorlage von Nicolai Rapp mit einem sehr präzisen Schuss aus rund 20 Metern selbst abschloss (76.). Der HSV schüttelte sich diesmal nur kurz und kam direkt zurück ins Spiel: Der eingewechselte David Kinsombi gab scharf vors Tor, dort hatte sich Glatzel von Milos Veljkovic gelöst (80.). Diesmal ärgerte sich Bremen über Siebert, weil Ducksch den gesamten Angriff unter Schmerzen auf dem Boden verbrachte, der Schiedsrichter die Szene aber nicht unterbrochen hatte.

Die Rothosen rochen durch den Anschlusstreffer wieder Morgenluft und schoben mit aller Macht nach vorn. Werder kam dabei durchaus ins Schwimmen, verteidigte aber mit Mann und Maus. An konkreten Abschlüssen mangelte es beim HSV, Giorgi Chakvetadze forderte Pavlenka mit einem Distanz-Schlenzer noch nicht zu Heldentaten auf (90.). In der Nachspielzeit jubelte der HSV nur kurz über den vermeintlichen Ausgleich von Manuel Wintzheimer, in der Vorbereitung hatte Sonny Kittel knapp im Abseits gestanden (90.+5). Danach parierte Pavlenka nochmal gegen einen Kopfball von Glatzel und hielt so den Derbysieg fest.

Der Hamburger SV rutscht durch die erste Heimniederlage der Saison auf Platz vier ab, Werder Bremen festigt die Tabellenführung.

Heidenheim patzt

Um im Aufstiegskampf unter den ersten Favoriten zu bleiben, unterlag der 1.FC Heidenheim gegen den abstiegsbedrohten SV Sandhausen einem gewissen Erfolgsdruck. Nach ausgeglichenem Spielbeginn übernahmen die Hausherren auch mehr und mehr das Kommando, ohne allerdings zunächst ganz konkrete Torchancen zu kreieren. Ein individueller Bock von Erich Berko brachte die Führung ein: Der Sandhäuser blockte eine Flanke von rechts ohne erkennbaren Grund mit der Hand, den fälligen Strafstoß verwandelte Tobias Mohr kompromisslos (28.). Der Unglücksrabe machte seinen Fehler aber schnell wieder gut, indem er den Ausgleich aus dem sprichwörtlichen Nichts heraufbeschwor. Berko setzte Cebio Soukou ein, den die Heidenheimer Abwehr viel zu frei gewähren ließ. So marschierte der Angreifer in Schussposition und zielte exakt: 1:1! (32.). In der Nachspielzeit der ersten Hälfte hätte der SVS die Partie beinahe sogar ganz gedreht, Kevin Müller parierte aber stark gegen Janik Bachmann (45.+1).

Heidenheim hatte aus einer dominanten Phase zu wenig gemacht und konnte sich so nicht sonderlich beschweren, dass es mit einem Remis in die Kabinen ging. Im zweiten Durchgang übernahmen die Hausherren nach kurzer Drangphase von Sandhausen wieder das Kommando, Patrick Mainka kam per Kopf zu einer ersten guten Gelegenheit, die im Außennetz landete (52.). Für Sandhausen kam Soukou nach einem Konter zu einer Top-Chance aufs 2:1, die Müller stark parierte (61.). Auch Routinier Pascal Testroet verpasste die Führung nur knapp, als er per Kopf den Pfosten touchierte (67.). Auf Seiten von Heidenheim kam Christian Kühlwetter dem Tor nach starkem Einsatz gegen zwei Verteidiger ebenfalls sehr nahe (79.), insgesamt hatte das Spiel im zweiten Durchgang aber kein sonderlich hohes Niveau. So befand es sich bis tief in die Schlussphase im Bereich, in dem ein 'Lucky Punch' den Sieg einbringen könnte. Heidenheim schien sich den eher zuzutrauen als Sandhausen, auch die Schlussoffensive brachte aber keinen so wichtigen Siegtreffer mehr ein. Der SVS war dem plötzlich nochmal ganz nah, Ahmed Kutucu scheiterte aber frei vor Müller (90.+3)

Durch das Remis rangiert der 1.FC Heidenheim in der Tabelle nur noch auf Rang sieben, der SV Sandhausen klettert vom Relegationsplatz und liegt nun vor Hansa Rostock.

Düsseldorf unter Thioune weiter ungeschlagen

Nach zwei Siegen in den ersten beiden Spielen unter Daniel Thioune wollte Fortuna Düsseldorf bei Jahn Regensburg den jüngsten Aufwärtstrend bestätigen und weitere Luft zwischen sich und die Abstiegszone bringen. Das gesteigerte Selbstvertrauen war den Gästen dabei durchaus von Beginn an anzumerken. Daniel Ginczek verpasste allerdings die Chance aufs frühe 1:0, weil er von Scott Kennedy vor dem Abschluss entscheidend gestört wurde (6.). Auch Felix Klaus (13.) und Marcel Sobottka (14.) hätten die Anfangsoffensive der Rheinländer belohnen können, die in der Folge durch Ginczek und Jakub Piotrowski eine Doppelchance vergaben (23.), ehe Sobottka denkbar knapp verpasste (27.). Zwischenzeitlich hatte Andreas Albers erste offensive Ambitionen des SSV Jahn angemeldet (17.). Neun Minuten vor der Pause ging Regensburg sogar in Führung, weil die Fortuna einen Freistoß luftig verteidigte. Allerdings hatte Kennedy im Abseits gestanden, als er die Flanke auf Max Besuschkow verlängerte, sodass der Treffer nicht zählen konnte.

Es blieb der letzte Aufreger der ersten Hälfte, nach der sich Düsseldorf sehr ärgern musste, nicht mit mindestens einem Treffer in Führung zu liegen. In Halbzeit zwei gelang es Regensburg besser, Fortuna im Zaum zu halten. Dies war allerdings gleichbedeutend mit Langeweile, weil offensiv beim Jahn weiter wenig ging. Erst in der 58. Minute gab es wieder eine nennenswerte Offensivaktion, dabei kam Albers der Führung sogar recht nahe, vergab aber in Rücklage geraten über den Kasten. Es blieb bis tief in die Schlussphase hinein der einzige Hochkaräter einer schwachen zweiten Halbzeit. So endete die Partie mit einem torlosen Remis, das sich für die Heimmannschaft besser anfühlen musste als für die Gäste.

Jahn Regensburg ist durch die Punkteteilung Tabellenzehnter, Fortuna Düsseldorf liegt auf Rang 13.

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Lars Pollmann  
27.02.2022