2. Bundesliga

Roundup: St. Pauli stoppt Lautern, Darmstadt setzt sich ab

St. Pauli und Kaiserslautern boten sich in erster Linie einen Kampf. Foto: Getty Images
St. Pauli und Kaiserslautern boten sich in erster Linie einen Kampf. Foto: Getty Images

In den Sonntagsspielen der 2. Bundesliga ist der Erfolgslauf des 1.FC Kaiserslautern beim FC St. Pauli zuende gegangen (1:0). Gleichzeitig setzte sich der SV Darmstadt durch einen Heimsieg gegen Eintracht Braunschweig an der Tabellenspitze weiter ab (2:1), während auch Fortuna Düsseldorf gegen den SV Sandhausen spät erfolgreich war (2:0).

Am Millerntor standen sich zwei Teams gegenüber, die 2023 vor Anpfiff noch eine weiße Weste aufwiesen. Der FC St. Pauli gewann zuvor seine beiden Spiele des Jahres, der 1.FC Kaiserslautern nahm sogar fünf Siege am Stück mit in die Partie. Das große Selbstvertrauen beider Teams mündete in der ersten Hälfte allerdings nicht eben in Spektakel. Zumeist neutralisierten sie sich im Mittelfeld, Großchancen waren absolute Mangelware. Die erste Gelegenheit, die einem Führungstreffer vor der Pause nahe kam, vergab Marcel Hartel für die gastgebenden Kiezkicker mit einem Kopfball knapp über den Kasten (44.). Lautern kam indes über Aaron Opoku in der Nachspielzeit wenigstens mal zu einem konkreten Abschluss (45.+3).

Die Qualität der Partie konnte nach dem Seitenwechsel, jedenfalls in Sachen Offensivszenen, nur zunehmen. Tatsächlich intensivierte St. Pauli zu Beginn des zweiten Durchgangs die Bemühungen auf dem Weg nach vorn merklich. Ein abgefälschter Schuss von Leart Paqarada gereichte da schon zu einer der größten Gelegenheiten der bisherigen Partie (52.), der künftiger Kölner Bundesliga-Profi traf zudem nach der Stundenmarke mit dem schwächeren rechten Fuß ins Außennetz (61.). Richtig heikel wurde es für die Pfälzer fünf Minuten später, als Connor Metcalfe aber keinen Abnehmer fand, als er die Kugel an Andreas Luthe vorbei ins Zentrum gab (66.). Diese Druckphase sollte sich letztlich auszahlen: Eric Smith schickte Metcalfe per No-Look-Pass tief, der Australier ließ sich nicht zweimal bitten und überwand Luthe zum inzwischen durchaus überfälligen Führungstreffer (72.).

Das Gegentor schien die Roten Teufel sozusagen wach zu küssen, denn plötzlich zeigten sich auch die Gäste mehrfach in den gefährlichen Zonen des Spielfelds. Terrence Boyd etwa, bis dahin unsichtbar, kam dem quasi postwendenden Ausgleich per Aufsetzer nahe (74.). In der Schlussphase verpasste erst Robin Bormuth eine Kopfballchance zum 1:1, dann wurde Lex-Tyger Lobinger gerade noch geblockt (87.). Bis zum Ende der vierminütigen Nachspielzeit blieb dies allerdings die letzte Ausgleichschance.

Mit dem dritten Zu-Null-Sieg nacheinander gelingt dem FC St. Pauli ein weiterer Schritt aus dem engen Tabellenkeller. Der 1.FC Kaiserslautern ist mit der ersten Auswärtsniederlage der Saison auf Rang fünf gerutscht.

Darmstadt dreht das Spiel

Am Böllenfalltor war dem SV Darmstadt die Tabellenführung nach dem 20. Spieltag schon vor Anpfiff der Partie gegen Eintracht Braunschweig sicher. Die Lilien schienen gewillt, das Remis der Verfolger vom Hamburger SV und 1.FC Heidenheim am Samstagabend auszunutzen. Bereits der erste Warnschuss von Christoph Zimmermann bereitete Jasmin Fejzic im Tor der Gäste Probleme (4.), zehn Minuten später agierte er bei einer Doppelchance von Phillip Tietz und Marvin Honsak umso stärker. Zwischenzeitlich hatte auch Braunschweig in Person von Keita Endo die erste aussichtsreiche Schussgelegenheit (10.). Fabio Kaufmann ließ nach 20 Minuten eine weitere folgen, dann zog erneut Endo ab und fand in Marcel Schuhen seinen Meister (34.). Der optisch überlegene Favorit aus Hessen ließ nach gutem Beginn in der Offensive zu wenig Genauigkeit walten, hatte kurz vor der Pause aber doch noch eine Top-Chance: Honsak schlenzte an die Latte, der Kopfballtreffer von Marvin Mehlem im Nachsetzen zählte wegen eines zu robusten Einsatzes gegen Linus Gechter zurecht nicht (44.).

Tore hätte die Begegnung nach 45 Minuten durchaus verdient gehabt, das Remis ging für die insgesamt gut verteidigenden und Nadelstiche setzenden Gäste aus Niedersachsen aber auch in Ordnung. Im zweiten Durchgang ging Braunschweig sogar in Führung: Nachdem sich Zimmermann einen Blackout leistete und der Videobeweis einen definitiv berechtigten Handelfmeter für den Aufsteiger bewirkte, verwandelte Manuel Wintzheimer sicher ins rechte untere Eck (52.). Tobias Kempe versuchte die schnelle Antwort, schoss aber aus der Distanz knapp übers Tor (56.). Tietz traf zehn Minuten später ins Netz, der vermeintliche Ausgleich fand aber wegen einer Abseitsstellung in der Vorbereitung keine Anerkennung (66.).

Das Bemühen konnte man den Lilien nicht absprechen, ganz konsequent waren die Angriffsversuche der Gastgeber aber nicht. So dauerte es bis zur Schlussphase, bis der Druck für Braunschweig doch zu groß wurde: Frank Ronstadt flankte von rechts punktgenau, Honsak war per Kopf zur Stelle und besorgte das 1:1 (82.). Die Lilien drückten nun auf den späten Sieg, der kurz in weite Ferne zu rücken schien, als Schiedsrichter Robert Kampka nach einem Zweikampf von Keanan Bennetts mit Jan-Hendrik Marx auf den Punkt zeigte. Nach Videostudium nahm er seinen Entscheid aber wieder zurück (85.). In der Nachspielzeit erzielte Tietz dann den dritten Treffer, der zunächst nicht gegeben wurde. Diesmal aber war der VAR den Lilien hold, da die Bilder belegten, dass Filip Stojilkovic in der Vorbereitung nicht am Ball war und der Torschütze somit nicht im Abseits stand (90.+3).

Torchancen gab es anschließend nicht mehr, stattdessen flog Nathan de Medina bei den Gästen noch mit Gelb-Rot, wohl wegen Meckerns, vom Platz. Nach über 100 Minuten Spielzeit stand so ein hart umkämpfter Heimsieg für den SV Darmstadt, der nun acht Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hat. Eintracht Braunschweig liegt nun auf Rang 14.

Fortuna belohnt sich spät

Im Duell zweier im DFB-Pokalachtelfinale unglücklich unterlegener Teams legte Fortuna Düsseldorf gegen den SV Sandhausen einen druckvollen Start hin. Die Gastgeber kamen in der Anfangsphase zu zahlreichen Halbchancen, bei denen bisweilen nur Zentimeter fehlten, um richtig gefährlich zu werden. So dauerte es trotz streckenweise drückender Überlegenheit mit bis zu 75 Prozent Ballbesitz bis in die Schlussphase der ersten Hälfte für die erste ganz konkrete Gelegenheit aufs 1:0. Dabei ließ Daniel Ginczek, der früh für den verletzten Dawid Kownacki eingewechselt worden war, bei einem Kopfball aber auch die letzte Präzision vermissen (39.). 

Gemessen an den Spielanteilen wäre ein Führung für Fortuna absolut in Ordnung gewesen, jedoch hatte sich die Mannschaft letztlich doch größtenteils die Zähne an passiven Sandhäusern ausgebissen. In Halbzeit zwei schien sich dies früh zu ändern, denn Düsseldorf kam schnell zu zwei guten Chancen: Erst köpfte Andre Hoffmann freistehend neben das Tor, dann scheiterte Rouwen Hennings mit einer Direktabnahme an Patrick Drewes (je 47.). Hennings' nächster Abschluss nach starker Vorlage von Emmanuel Iyoha zischte knapp neben den Kasten (52.), der Versuch von Felix Klaus ging schon etwas deutlicher vorbei (59.). Langsam aber sicher musste sich Fortuna die Frage nach der Chancenverwertung gefallen lassen: Als Sandhausen in Person von Alexander Esswein erstmals auch nur in Richtung des Düsseldorfer Tores schoss, hatte der Hausherr schon 18 Abschlüsse gesammelt (70.).

Die ganz große Druckphase der Rheinländer war zu diesem Zeitpunkt aber doch vorbei, die Chancen kamen nicht mehr quasi im Minutentakt. Ein Freistoß von Hennings läutete die Schlussphase ein, ging aber einmal mehr knapp über den Kasten (81.). Kurz darauf belohnte sich Fortuna dann doch noch: Der aufgerückte Verteidiger Tim Oberdorf wurde von Ginczek halbrechts eingesetzt, seinen scharfen Schuss fälschte Kerem Calhanoglu unhaltbar für Drewes ins Netz ab (85.). Nur wenig später folgte die endgültige Entscheidung. Hennings verwertete dabei eine starke Vorlage des tragischen Helden aus dem DFB-Pokal, Jona Niemiec, aus kurzer Distanz zum 2:0 (88.).

Damit war die sprichwörtliche Messe gelesen. Fortuna Düsseldorf bleibt nach dem verdienten Heimsieg auf Rang sechs, hat aber nur noch fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Der enttäuschende SV Sandhausen beendet den Spieltag auf Abstiegsplatz 17.

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Lars Pollmann  
12.02.2023