2. Bundesliga

Roundup: St. Pauli erneut nur 0:0, FCN dreht Rückstand

Magdeburg war bei St. Pauli zu Gast. Foto: Getty Images
Magdeburg war bei St. Pauli zu Gast. Foto: Getty Images

In den Sonntagsspielen des 4. Spieltags der 2. Bundesliga ist der FC St. Pauli im Duell der Ungeschlagenen gegen den 1.FC Magdeburg erneut nicht über ein torloses Remis hinausgekommen. Gleichzeitig holte der 1.FC Nürnberg gegen den SV Wehen Wiesbaden nach wildem Ritt einen Dreier (2:1), während der Karlsruher SC gegen Eintracht Braunschweig einen ungefährdeten Heimsieg einfuhr (2:0).

FC St. Pauli vs. 1.FC Magdeburg

Am Millerntor wollte der gastgebende FC St. Pauli die jüngste Torlosigkeit nach zwei 0:0 beenden, während der 1.FC Magdeburg mit dem Selbstvertrauen eines guten Saisonstarts ins Spiel ging. Beide Seiten boten den Fans in der ersten Hälfte ein ansehnliches Spiel auf hohem technischen Niveau, dem allerdings die Torgefahr nahezu gänzlich abging. Während die Gäste keinen einzigen Schuss aufs Tor der Kiezkicker absetzten, wurde der Hausherr auch nur einmal so wirklich gefährlich.

Schon in der Anfangsphase hatte Magdeburg eine Ecke von St. Pauli durchrutschen lassen, Andreas Albers kam aus aussichtsreicher Position zum Schuss, setzte aber mehr auf Gewalt denn Präzision, sodass die Kugel in den Armen von Torhüter Dominik Reimann landete (7.). In der Folge tauchten die Hamburger zwar in deutlich größerer Regelmäßigkeit im letzten Drittel auf als ihr Gegner, mehr als Halbchancen sprangen dabei jedoch nicht heraus.

Chancenwucher am Millerntor

Zur Pause war das torlose Remis damit quasi vorprogrammiert. Anschließend drückte St. Pauli umso mächtiger auf das 1:0, das nach einer Reihe von Abschlüssen verdient gewesen wäre. Andreas Albers (46., 52.), Jackson Irvine (47.) und Marcel Hartel (51.) ließen in dieser Phase Gelegenheiten aus. Auch der FCM kam durch Luca Schuler zu einer ersten Chance, die er aber doch recht klar verzog (54.). Die Szene aber zeigte, dass St. Pauli bei Kontern gefährlich lebte.

An der klaren Spielrichtung änderte es wenig, vor allem Albers bekam Magdeburg überhaupt nicht mehr in den Griff. Der Däne blieb allerdings glücklos, köpfte nach einer Ecke an den Außenpfosten (64.) und drückte einen Volley wohl etwas überrascht zu zentral auf Reimann (66.). Zu diesem Zeitpunkt führten die Kiezkicker bei den Torschüssen mit 23:1, hatten bereits zehn Ecken gesammelt, die Kugel wollte aber einfach nicht den Weg ins Netz finden.

Das blieb auch bei einer Großchance für die Gäste so, als Schuler einen von Torhüter Robert Vasilj nach vorn abgewehrten Ball von Luc Castaignos eigentlich über die Linie hätte bringen müssen (71.). Anschließend rannte wieder vor allem die Heimmannschaft an und sammelte weiter fleißig Schüsse, wobei die Qualität nicht mehr auf höchstem Niveau war. So hätte Magdeburg nach einer Ecke die Verhältnisse auf den Kopf stellen können, Daniel Elfadli köpfte aber etwas zu zentral (88.). 

Dies blieb die letzte gute Gelegenheit einer Partie, bei der am Ende niemand so genau wusste, wie sie in einem torlosen Remis enden konnte. Für den FC St. Pauli ist es das dritte 0:0 in Folge, die Kiezkicker warten auch weiter aufs erste Erfolgserlebnis am Millerntor. Der 1.FC Magdeburg kann mit der Punkteteilung gemessen an der Leistung besser leben.

1.FC Nürnberg vs. SV Wehen Wiesbaden

In Franken wollte der 1.FC Nürnberg nach dem Sieg beim VfL Osnabrück den nächsten Aufsteiger schlagen. Der SV Wehen Wiesbaden ging freilich als die bisherige Überraschungsmannschaft der Liga mit starken sieben Punkten auf dem Konto in die Partie. Die bot fußballerisch in der ersten Hälfte wenige Highlights, dafür war sie aber ein echtes Kartenfestival. Den Auftakt machte mit Ahmet Gürleyen ausgerechnet ein Spieler, der im Sommer die Seiten gewechselt hatte.

Der Club-Verteidiger wusste sich im Laufduell mit Ivan Prtajin nur mit einer Notbremse zu helfen, ehe der Stürmer in den Strafraum eindringen konnte. Rot war die logische Folge (11.). Nürnberg, das bis dahin gut im Spiel gewesen war, zog sich in Unterzahl weitgehend zurück und ließ den Gast machen, der sich mit viel Ballbesitz aber schwer tat. Chancen kamen so folgerichtig in erster Linie bei Standards ins Spiel.

Die beste Gelegenheit vergab dabei Martin Angha, der für Wehen Wiesbaden mit dem Hinterkopf die Latte traf (27.). Kurz vor der Pause ergab sich wieder numerische Gleichzahl, als der wegen einer Schwalbe verwarnte Hyun-ju Lee für einen Trikotzupfer die Ampelkarte sah (40.). Zur zweiten Halbzeit war auch wegen der beiden Platzverweise so alles völlig offen.

Club dreht Rückstand

Der Durchgang begann mit wesentlich mehr fußballerischen Highlights, als sie die ersten 45 Minuten geboten hatten, vor allem der Club zog nun das Tempo an. Ein abgefälschter Freistoß von Benjamin Goller glich auch nach Lattentreffern aus (48.), dann erzwang eine Flanke von Daichi Hayashi beinahe ein Eigentor von Marcus Mathisen (49.), ehe der Abwehrmann ein Anspiel von Goller auf den einschussbereiten Can Uzun in letztem Augenblick blockieren konnte (52.).

In diese Drangphase herein stach der Gast eiskalt zu: Robin Heußer fand mit einer Ecke von rechts den Kopf von Prtajin, der seine Lufthoheit zum 0:1 ausnutzte (55.). Der Torschütze hätte wenig später den Doppelpack schnüren können, wenn nicht müssen, verzog vor Christian Mathenia jedoch deutlich über den Kasten (61.). Dieser Fehlschuss sollte sich rächen, denn der FCN nutzte seine erste echte Chance auf den Ausgleich.

Lukas Schleimer schirmte den Ball clever ab und legte auf Jan Gyamerah, der zog flach ab und profitierte wohl auch von einer leichten Abfälschung (69.). Der Club blieb am Drücker und bekam die Top-Chance, das Spiel endgültig zu drehen, vom Punkt. Angha hatte eine scharfe Hereingabe von Tim Handwerker mit der Hand auf sein eigenes Tor abgefälscht, nach Videostudium entschied Martin Petersen auf Strafstoß. Handwerker trat an und versenkte mit etwas Glück, da Torhüter Florian Stritzel die Ecke ahnte und mit den Fingerspitzen nicht mehr entscheidend an den Ball kam (76.).

Der Aufsteiger reagierte durchaus mutig, musste aber den nächsten Rückschlag hinnehmen. Angha, der für sein Handspiel Gelb gesehen hatte, räumte an der Seitenlinie Hayashi ab und sah die zweite Ampelkarte aufseiten des SVWW (85.). Erstmals in Überzahl musste Nürnberg einen Schreckmoment überstehen, als sich Jens Castrop einen schlimmen Ballverlust leistete, Antonio Jonjic aber nicht den Abschluss suchte, sondern einen Mitspieler einsetzen wollte (86.).

Durch die drei Platzverweise und die verzweifelten Angriffe der Gäste hatte der Gastgeber nun viele Räume, um das Spiel zu entscheiden, Goller (89.), Handwerker (90.+3) und Hayashi (90.+6) ließen beste Chancen allerdings aus. Rächen sollte sich das nicht mehr. Der 1.FC Nürnberg feiert so einen umkämpften Heimsieg. Der SV Wehen Wiesbaden verliert erstmals in der laufenden Saison.

Karlsruher SC vs. Eintracht Braunschweig

In Baden war der Karlsruher SC nach Niederlagen im DFB-Pokal sowie gegen Wehen Wiesbaden auf Wiedergutmachung aus, hatte mit Eintracht Braunschweig aber einen Gegner zu Gast, der zuletzt den FC Schalke 04 schlagen konnte. Die Niedersachsen waren in der Tat auch rasch gut im Spiel, wenngleich gefährliche Aktionen in erster Linie beim KSC waren. Vor allem Sebastian Jung machte über rechts viel Druck.

Nachdem auf seine Vorlage Paul Nebel noch über den Ball getreten hatte (8.), verwertete Leon Jensen das nächste gute Anspiel des Ex-Nationalspielers aus ungefähr sieben Metern zum 1:0 für die Hausherren (25.). Mit der Führung im Rücken spielte der KSC über weite Strecken gefällig und drängte auf den zweiten Treffer. In dieser Phase schwächte sich Braunschweig in Person von Jannis Nikolaou selbst.

Der Kapitän zog Marvin Wanitzek erst am Trikot, trat ihm dann kurz vor dem Strafraum in die Hacken. Für Schiedsrichter Robert Kampka war damit eine Notbremse gegeben und Rot die nötige Bestrafung (37.). Der folgende Freistoß wurde zur Ecke abgeblockt, bei der Marcel Franke an den zweiten Pfosten verlängerte. Dort bugsierte Robin Bormuth das Kunstleder über die Linie, hatte es aber wohl mit der Hand berührt, sodass der Treffer der Überprüfung der Video-Assistenten nicht standhielt (40.). 

Stindl leitet ein

Die Halbzeitführung des KSC ging allemal in Ordnung, von der Eintracht war offensiv viel zu wenig gekommen. Auch nach dem Seitenwechsel blieb der Gastgeber bestimmend, verschickte dann aber eine Einladung. Bormuth rutschte im Zentrum aus, so kam Anthony Ujah frei vor Patrick Drewes zum Schuss, sein Heber ging aber knapp drüber (56.). Wenige Minuten später entschied Kampka auf Handelfmeter für den KSC, als Johan Gomez bei einer Grätsche der Ball an den Arm bekam. Nach langem Videostudium nahm der Referee den Entscheid zurück, tatsächlich konnte von Absicht des verteidigenden Löwen in der Szene keine Rede sein (61.).

Karlsruhe haderte erneut mit den Unparteiischen, ließ sich aber nicht aus dem Spielrhythmus bringen, sondern wartete geduldig auf die Chance, den sprichwörtlichen Sack zuzumachen. Lars Stindl sollte sie mit feiner Technik einleiten, der Routinier setzte Fabian Schleusener ein, dessen Schuss durch die Beine von Ron-Thorben Hoffmann das 2:0 bedeutete (67.). Der Stürmer verpasste nach einer kuriosen Szene den schnellen Doppelpack, als sich Robert Ivanov und Hoffmann uneins waren. Schleusener hatte das weitgehend freie Tor zur Auswahl, zielte aus großer Distanz aber an den linken Innenpfosten, von wo der Ball ins Feld zurücksprang (71.).

Auch bei nur zwei Toren Rückstand war den Gästen in Unterzahl kein Comeback zuzutrauen, tatsächlich stand nur die Frage der Höhe des Heimsiegs im Raum. Der Karlsruher SC legte es aber nicht mehr zu sehr auf ein drittes Tor an und verwaltete die Begegnung souverän ihrem Ende entgegen. Eintracht Braunschweig wird der Chance von Ujah hinterhertrauern, bot insgesamt aber zu wenig an, um einen Punkt mitzunehmen.

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Lars Pollmann  
27.08.2023