2. Bundesliga

Roundup: Schalke verliert auch ohne Reis, HSV überholt Fortuna

In Hamburg ging es um die Tabellenführung. Foto: Getty Images
In Hamburg ging es um die Tabellenführung. Foto: Getty Images

In den Freitagspartien des 8. Spieltags der 2. Bundesliga hat der FC Schalke 04 beim SC Paderborn die nächste krachende Niederlage kassiert (3:1). Im Parallelspiel gelang dem Hamburger SV gegen Fortuna Düsseldorf der Sprung an die Tabellenspitze (1:0).

Paderborn vs. Schalke

In Ostwestfalen waren alle Augen auf Matthias Kreutzer gerichtet, der Interimstrainer der Königsblauen hatte erst am Mittwoch von Thomas Reis übernommen. In den ersten Minuten wirkte es allerdings so, als hätten die Hausherren eine turbulente Woche hinter sich gehabt. Zahlreiche vermeidbare Fehler luden Schalke zu hohen Ballgewinnen ein, über Abschlüsse von Paul Seguin, Ron Schallenberg und Assan Ouedraogo (5., 6. und 9.) sicherte sich der Gast ein klares optisches Übergewicht. Von großer Verunsicherung konnte jedenfalls keine Rede sein. Wie sich das bei einem Gegentreffer nach der guten Anfangsphase dargestellt hätte, blieb unbeantwortet: Adriano Grimaldi köpfte nach Flanke von Sebastian Klaas zwischen zwei Verteidigern von Schalke an die Latte (17.).

Die Szene belegte allerdings einen Bruch im Spiel, denn zwischenzeitlich hatte Paderborn das Heft des Handelns in die Hand genommen und drängte auf die Führung. Die nächste Gelegenheit dazu bot sich Klaas nach starker Vorarbeit von Florent Muslija über links, Michael Langer im Schalker Kasten war dem verdeckten Schuss gewachsen (26.). Die Knappen überstanden diese Phase letztlich unbeschadet und konnten das Geschehen wieder beruhigen. Den Leerlauf vor der Pause brach eine Gelegenheit für Derry John Murkin auf, der wohl selbst überrascht war, wie frei er vor dem gegnerischen Tor war und die Kugel so nicht kontrollieren konnte (40.). 

Der erste von vorn bis hinten zuende gespielte Angriff der Partie brachte Paderborn dann doch noch vor dem Halbzeitpfiff die Führung ein: Muslija dribbelte im Zentrum unwiderstehlich, legte auf Klaas. Dessen butterweiche Flanke fand den Kopf von Felix Platte, der auf Schalke ausgebildete Stürmer nickte aus knapp sechs Metern unhaltbar ein (43.). Wegen der insgesamt höheren Qualität der Chancen war das 1:0 nach dem ersten Durchgang nicht unverdient.

Kalte Dusche aus elf Metern

Nach Wiederbeginn erwischte erneut Schalke den optisch besseren Start, spielte sich aber keine klaren Chancen heraus. Eine solche bot sich Paderborn infolge eines Konterangriffs vom Elfmeterpunkt, nachdem Cedric Brunner Grimaldi kurz vor einem möglichen Abschluss gefoult hatte. Muslija übernahm die Verantwortung und jagte den Ball mit vollem Risiko unter die Latte (53.). Das frühe 0:2 stellte für Schalke natürlich eine ganz kalte Dusche dar. Kreutzer reagierte mit einem Doppelwechsel, der durchaus ein Plus an Mut und Tempo mit sich brachte. Das Aufbäumen war den Knappen nicht abzusprechen, die Ostwestfalen bekamen aber noch in jeder Szene ein Abwehrbein entscheidend dazwischen. 

So war es für Paderborn nicht sonderlich schwer, die Führung zu verteidigen, stattdessen legten die Hausherren zur endgültigen Entscheidung auch noch das 3:0 nach: Der SC baute von hinten auf, Joker Niclas Nadj hatte plötzlich ganz viel grüne Wiese vor sich. Er gab nach links, wo der überragende Muslija sich die Kugel auf den starken rechten Fuß legte und herrlich ins lange Eck schlenzte (76.). Die sprichwörtliche Messe war damit selbstredend gelesen, Königsblau steckte jedoch weiterhin nicht auf und wollte mit dem Ehrentreffer wenigstens ein kleines Erfolgserlebnis erzielen.

In den letzten Augenblicken der Nachspielzeit gelang Yusuf Kabadayi tatsächlich noch das sehenswerte 1:3 (90.+9). Der SC Paderborn fuhr dennoch einen verdienten Heimsieg ein, der tabellarisch den Sprung auf Platz acht bedeutet. Der FC Schalke 04 könnte sich am Ende des Spieltags indes auf einem direkten Abstiegsrang wiederfinden.

HSV vs. Fortuna

Im Volkspark war aufseiten des HSV Wiedergutmachung für die beiden Auswärtsniederlagen bei Aufsteigern angesagt, während die Fortuna ihre Tabellenführung festigen wollte. Die Hanseaten starteten in den ersten Minuten recht dominant, ließen aber bei ihren Vorstößen die nötige Präzision vermissen. Fortuna gefiel sich in der abwartenden Rolle und wollte wohl über Konter zum Erfolg kommen. Mit Dennis Jastrzembski hatte Trainer Daniel Thioune einen dafür geradezu prädestinierten Angreifer erstmals in die Startelf beordert. Eine Viertelstunde geschah vor den Toren so vergleichsweise wenig, dann bot sich dem Gastgeber plötzlich eine Mega-Chance: Bakery Jatta war nach einer kurz ausgeführten Ecke bei einer Flanke von Levin Öztunali am zweiten Pfosten völlig blank, verfehlte den Kasten aber mit seinem Kopfball aus kurzer Distanz (16.).

Kurz darauf schrieb auch Düsseldorf auf dem Chancenzettel an, Christos Tzolis traf die Kugel aus eigentlich aussichtsreicher Schussposition allerdings nicht richtig und stellte Daniel Heuer Fernandes per Aufsetzer vor keine sonderlich schwere Aufgabe (18.). Anschließend zog sich Fortuna wieder zurück und ließ den HSV anlaufen. Gegen die massive Defensive fand der Gastgeber kaum Lücken, immer wieder landete der Ball auf den Flügeln, von wo leicht zu verteidigende Flanken in den Strafraum segelten. Die Rheinländer wagten sich seltener nach vorn, deuteten aber ihre Gefährlichkeit an. Eine Doppelchance für Felix Klaus hätte die Kontertaktik beinahe gerechtfertigt, der Flügelspieler wurde erst von Guilherme Ramos geblockt, verzog dann einen Drehschuss knapp neben den Kasten (36.). Beide Seiten verzeichneten vor der Pause somit eine echte Großchance, das Remis nach 45 Minuten ging demnach durchaus in Ordnung.

Düsseldorf spät in Unterzahl

Im zweiten Durchgang beteiligte sich Fortuna mehr am Geschehen, wodurch das Spiel in größerem Tempo hin und her ging. Chancen blieben dabei zunächst Mangelware, ein ruhender Ball sorgte dann doch mal für Gefahr: Miro Muheim feuerte einen Aufsetzer ab, der auf regennassem Boden das ganze Können von Florian Kastenmeier einforderte (57.). Nach der folgenden Ecke parierte der Schlussmann auch gegen einen Kopfball von Ramos und spitzelte die Kugel dann gerade rechtzeitig weg, als Robert Glatzel abstauben wollte (58.). Düsseldorf kam in dieser Phase durch einen Distanzversuch von Isak Bergmann Johannesson zur einer Gelegenheit (60.), anschließend brachte Thioune mit Vincent Vermeij einen echten Mittelstürmer von der Bank. 

Bereits mit Anbruch der letzten 20 Minuten verzeichnete Fortuna beinahe einen Hochkaräter, Ao Tanaka verpasste eine im Zentrum durch Yannik Engelhardt verlängerte Eckballflanke von Shinta Appelkamp am langen Pfosten knapp (70.). Für die Schlussviertelstunde schwächte sich Düsseldorf selbst, Matthias Zimmermann kassierte binnen weniger als zweieinhalb Minuten Gelb und Gelb-Rot nach Fouls an HSV-Joker Jean-Luc Dompe (76.). Der HSV drückte nun natürlich noch mehr auf die Führung und kam zur größtmöglichen Chance: Emmanuel Iyoha räumte Laszlo Benes ab, als Joker Andras Nemeth ihn per Doppelpass einsetzen wollte. Nach kurzem Videostudium zeigte Schiedsrichter Felix Zwayer auf den Punkt, der Gefoulte trat selbst an und versenkte links unten zum späten 1:0 (84.). 

In der Folge warf der Gast im Mute der Verzweiflung alles nach vorn, unter anderem kam Daniel Ginczek von der Bank. Eine Direktabnahme des Routiniers zischte bereits in der Nachspielzeit wenige Zentimeter am Tor vorbei (90.+1). Sonderlich souverän verteidigten die Hanseaten ihre Führung in Überzahl nicht, die Rheinländer konnten dies aber nicht mehr bestrafen. 

Der Hamburger SV setzt sich mit dem 1:0 wenigstens bis Samstagabend an die Tabellenspitze. Fortuna Düsseldorf könnte Platz zwei bereits am Nachmittag einbüßen.

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Lars Pollmann  
29.09.2023