2. Bundesliga

Roundup: Lautern an der Spitze, Osnabrück ärgert Fortuna

Fortuna hatte das Schlusslicht Osnabrück zu Gast. Foto: Getty Images
Fortuna hatte das Schlusslicht Osnabrück zu Gast. Foto: Getty Images

In den Freitagspartien des 9. Spieltags der 2. Bundesliga hat der 1.FC Kaiserslautern durch ein 3:1 gegen Hannover 96 die Tabellenführung erobert. Im Parallelspiel vergab Fortuna Düsseldorf spät einen Heimsieg gegen den VfL Osnabrück (1:1).

Kaiserslautern vs. Hannover

Auf dem Betzenberg schielten beide Mannschaften auf die Tabellenspitze für eine Nacht, die den Gästen im Falle eines Auswärtssiegs sogar garantiert gewesen wäre. Zu Spielbeginn zeigten so durchaus beide Teams, dass sie mit guter Form in die Partie gingen. Ohne großes Abtasten suchten sie den Weg nach vorn, wobei es zunächst nicht konkret gefährlich wurde. Andreas Voglsammer hätte das erstmals ändern können, verpasste eine flache Hereingabe von rechts denkbar knapp (13.). Die Szene stand gewissermaßen stellvertretend dafür, wie die Niedersachsen nach und nach das Zepter übernahmen. Das Führungstor für die Roten ließ so nicht lange auf sich warten: Nach langem Schlag setzte sich Voglsammer robust gegen Boris Tomiak durch, drang in den Strafraum ein und legte geistesgegenwärtig auf Havard Nielsen zurück. Der Norweger wackelte Torhüter Julian Krahl aus und fand per Rechtschuss das Netz zum 0:1 (17.).

Kaiserslautern musste sich nur kurz schütteln, drückte dann auf den möglichst schnellen Ausgleich. Eine Top-Chance von Ragnar Ache konnte Ron-Robert Zieler im Privatduell vereiteln, der Stürmer stand ohnehin knapp im Abseits (20.). Der Weltmeister im Kasten der Roten war anschließend auch einem wuchtigen Schlenzer von Jean Zimmer gewachsen (28.). 96 konzentrierte sich nach dem Führungstreffer weitgehend auf solide Arbeit gegen den Ball, Anstalten, einen zweiten Treffer nachzulegen, machte Hannover kaum. Dafür gelang es zumeist, Abschlüsse der Roten Teufel aus ungünstigen Situationen zu erwirken, so etwa auch beim flachen Versuch von Ache, den Zieler locker festhalten konnte (41.). Gefährlicher wurde es bei einem Volley von Derrick Köhn auf Flanke von Voglsammer, als die Pfälzer vergeblich auf einen Pfiff wegen eines vermeintlichen Offensivfouls warteten (43.).

In der Nachspielzeit überschlugen sich plötzlich die Ereignisse: Erst war der FCK mit dem Glück im Bunde, als ein Treffer von Phil Neumann wegen einer vorausgegangenen Abseitsstellung des sehr auffälligen Voglsammer, bei der es um Zentimeter gegangen sein muss, keine Anerkennung fand (45.+1). Dann zeigte Schiedsrichter Michael Bacher bei einem Halbfeldfreistoß der Hausherren auf den Punkt, weil Marcel Halstenberg im Luftzweikampf gegen Jan Elvedi den Ellbogen einsetze. Von einem Schlag konnte nicht die Rede sein, die Entscheidung schien vergleichsweise hart. Tomiak scherte das selbstredend nicht, der Verteidiger übernahm die Verantwortung und verwandelte mit geradezu aufreizender Lässigkeit zum 1:1 (45.+5). Vor dem Halbzeitpfiff hatte Voglsammer nochmal die Gelegenheit, die Führung wiederherzustellen, traf die Kugel allerdings nicht richtig (45.+7). So ging es mit unentschiedenem Spielstand in die Kabinen, durch das Zustandekommen konnte sich Lautern damit etwas glücklich schätzen.

Joker Opoku dreht auf

In Halbzeit zwei mussten sich die Teams womöglich zunächst noch von der wilden Nachspielzeit erholen, jedenfalls tat sich vor den Toren vergleichsweise wenig. Erst nach 18 gespielten Minuten gab es eine gefährliche Situation, bei der war dann aber sogar die Führung für Lautern möglich. Nach langem Ball kombinierte der Gastgeber über Marlon Ritter und Joker Aaron Opoku (Einwechslung in der 58.), der Richmond Tachie einsetze. Dessen Schuss aus rund elf Metern kam aber viel zu zentral auf Zieler, der rechtzeitig die Arme hochreißen konnte (64.). Der Torhüter rückte in der Folge mehr und mehr in den Mittelpunkt, denn Lautern zog das Tempo nochmals deutlich an. Zieler musste so gegen einen Distanzversuch von Ache retten, behielt anschließend zweimal gegen Ritter die Oberhand (je 74.). 

Eine Führung für die Gastgeber wäre zu diesem Zeitpunkt verdient gewesen, der beherzte Einsatz von Opoku bestellte sie: Der Einwechselspieler gewann den Ball in der eigenen Hälfte, trieb ihn weit nach vorn und spielte auf Tachie. Der gab sofort zurück auf Opoku, der per Flachschuss seinen starken Auftritt krönte (79.). Hannover hatte bis dato offensiv im zweiten Durchgang enttäuscht, musste nun die Bemühungen intensivieren. Um eine Antwort schienen die Roten jedoch verlegen. Mit Anbruch der Nachspielzeit sorgte der gerade eingewechselte Christopher Scott für die erste Gefahr, sein Flachschuss ging allerdings am langen Pfosten vorbei (90.+1). Die letzten Minuten musste Hannover in Unterzahl verbringen, nach einem Foul an ihm scherte Nielsen mit den Beinen aus, was Referee Bacher als Tätlichkeit wertete (90.+3). Wie in Halbzeit eins ertönte anschließend erneut ein später Elferpfiff, nachdem Bright Arrey-Mbi Daniel Hanslik am Fuß erwischte. Bacher entschied dabei zunächst auf Schwalbe, korrigierte sich nach Videostudium. Erneut verwandelte Tomiak mit traumwandlerischer Sicherheit und stellte den Endstand von 3:1 her (90.+10).

Der 1.FC Kaiserslautern landete so einen letztlich verdienten Heimsieg und übernahm wenigstens bis Samstagmittag die Tabellenführung. Hannover 96 rutschte hingegen auf Platz vier ab.

Düsseldorf vs. Osnabrück

Im Rheinland waren die Hausherren auf dem Papier gegen das Schlusslicht klar favorisiert, der VfL hatte zuletzt aber eine aufsteigende Tendenz mit vier Punkten aus Spielen gegen den Hamburger SV und 1.FC Kaiserslautern bewiesen. Den Gästen gelang es über weite Strecken der ersten Hälfte sozusagen, den Aufstiegsaspiranten auf sein Niveau zu ziehen. Fortuna hatte erwartungsgemäß viel Ballbesitz, wusste damit aber kaum etwas anzufangen. Fußballerische Highlights blieben so Mangelware in einer Partie, die im ersten Durchgang von beiden Fangruppierungen in respektvollem Schweigen begleitet wurde, nachdem es vor Anpfiff zu einem Unfall eines Osnabrücker Anhängers gekommen war, der einen medizinischen Notfall bedeutete. Anlass für emotionale Ausbrüche des Publikums gab es zunächst kaum, ein Volley von Jordy de Wijs neben das Tor war lange Zeit das höchste der Gefühle (18.).

Erst zur Schlussphase der ersten 45 Minuten erhöhte Düsseldorf die Schlagzahl merklich, sogleich wurde es gefährlich: Emmanuel Iyoha kam aus dem Rückraum zum Abschluss, sein Aufsetzer klatschte an den Pfosten (36.). Kurz darauf landete ein ähnlicher Versuch von Daniel Ginczek knapp neben dem Tor (38). Kurz vor der Pause tauchte plötzlich Osnabrück in aussichtsreicher Position auf, ein langer Einwurf von Bashkim Ajdini rutschte zu Robert Tesche durch. Dessen Kopfball stellte Florian Kastenmeier vor seine erste nennenswerte Prüfung des Abends, der der Schlussmann gewachsen war (45.+1). Dass es anschließend ohne Tore in die Kabinen ging, war dem Spielverlauf insgesamt durchaus angemessen und wies vor allem die konzentrierte Leistung der Gäste aus.

Fortuna kalt erwischt

Nach dem Seitenwechsel gab es für beide Teams Unterstützung von den Rängen, parallel teilte Osnabrück über die sozialen Medien mit, der betroffene Fan schwebe nicht mehr in Lebensgefahr. Spielerisch änderte sich am Geschehen allerdings zunächst wenig. Abseits eines Warnschusses von Christos Tzolis (49.) tat sich die Heimmannschaft weiterhin schwer, Lücken zu finden. Da sich der VfL im Ballbesitz immer noch nicht sonderlich wohlfühlte, blieb es eine recht zähe Angelegenheit. So musste wie so oft ein Standard helfen: Osnabrück klärte eine Ecke zu zentral, erneut zog Iyoha aus dem Rückraum ab. Sein Rechtschuss schlug unhaltbar für Lennart Grill ein, der bis dahin vergleichsweise wenig zu tun hatte (59.).

Distanzschüsse waren am Freitag das Mittel der Wahl aufseiten von Fortuna, Isak Bergmann Johannesson legte auf diese Weise beinahe das schnelle zweite Tor nach (62.). Osnabrück bemühte sich indes nun selbstverständlich, mehr offensiven Druck auszuüben. Der Stilwechsel stellte die Gäste jedoch offensichtlich vor Probleme, das letzte Drittel schien für den Aufsteiger regelrecht vernagelt. Mit Anbruch der Schlussviertelstunde wurden die Niedersachsen doch gefährlich. Erst verpasste Charalambos Makridis knapp (75.), dann parierte Kastenmeier gegen Erik Engelhardt (78.). Im Gegenzug bot sich Dennis Jastrzembski die Gelegenheit, per Konter den Sack zuzumachen, er schob aber am langen Pfosten vorbei (79.). 

Anschließend gelang es der Heimmannschaft, das Spiel mit viel Ballbesitz zu beruhigen, dennoch kam der Aufsteiger doch noch zum Ausgleich: Die Kugel spielte im Strafraum der Fortunen Flipper, letztlich kam Engelhardt frei zum Abschluss und sorgte für die kalte Dusche (90.). Die anschließenden Bemühungen, doch noch den Heimsieg zu landen, fruchteten in einer letzten Chance für Jamil Siebert, dessen Kopfball auf dem Tordach landete (90.+7).

Fortuna Düsseldorf musste so damit hadern, einen zu sicher geglaubten Dreier verschenkt zu haben und verharrt vorerst auf Rang fünf. Der VfL Osnabrück schaffte den nächsten Achtungserfolg und übergibt wenigstens bis Sonntag die Rote Laterne.

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Lars Pollmann  
06.10.2023