2. Bundesliga

Roundup: HSV rettet Punkt im Derby, Schalke siegt deutlich

St. Pauli hatte den HSV bei Schneegestöber zu Gast. Foto: Getty Images
St. Pauli hatte den HSV bei Schneegestöber zu Gast. Foto: Getty Images

Zum Auftakt in den 15. Spieltag der 2. Bundesliga hat der FC St. Pauli im Stadtderby gegen den Hamburger SV am Freitagabend eine 2:0-Führung verspielt und nur ein Remis erzielt. Im Parallelspiel landete der FC Schalke 04 gegen den VfL Osnabrück einen deutlichen Heimsieg.

St. Pauli vs. HSV (2:2)

Am Millerntor stand nicht nur das Hamburger Stadtderby, sondern auch das direkte Duell um die Tabellenführung der 2. Liga auf dem Programm. Ein Sieg mit mindestens drei Toren Unterschied musste es für die Rothosen sein, um die Kiezkicker an der Spitze des Tableaus abzulösen. In der Anfangsphase deutete allerdings wenig auf einen derartigen Spielverlauf hin, nach einer Phase des Abtastens übernahm St. Pauli mehr und mehr das Kommando und belohnte sich auch recht schnell. Nach einer Ecke von Marcel Hartel stand Jackson Irvine blank und setzte seinen Volley flach rechts ins Netz (15.). Der Treffer erhitzte beim HSV die Gemüter, weil Karol Mets bei der Hereingabe seinen Gegenspieler Jonas Meffert am Hals zu Boden gestoßen hatte, der Video-Keller schaltete sich jedoch nicht entscheidend ein. Ärgerlich zudem: Torhüter Daniel Heuer Fernandes hatte die Ecke selbst mit einer Unachtsamkeit heraufbeschworen, Guilherme Ramos rettete dabei vor Hartel.

Die Hausherren blieben nach dem Führungstreffer am Drücker und wollten prompt nachlegen. Tatsächlich brachte Johannes Eggestein die Kugel erneut im Netz unter, allerdings fand der Treffer wegen einer Abseitsstellung von Vorlagengeber Elias Saad keine Anerkennung (20.). Vom HSV war offensiv bis dato nichts Nennenswertes gekommen, dann feuerte Meffert aus der Distanz wenigstens mal einen Warnschuss in die Arme von Nikolas Vasilj (23.). Kurz darauf produzierten die Gäste das vielleicht kurioseste Eigentor der Zweitliga-Historie: Der HSV führte einen Abstoß kurz aus, der Pass von Ramos auf Heuer Fernandes geriet ohne sonderliche Bedrängnis viel zu ungenau und hoppelte über einen Platzfehler. Der Schlussmann wollte die Kugel wegschlagen, haute sie sich aber unter die eigene Querlatte (27.). 

St. Pauli ließ den HSV nun stärker am Spiel teilhaben, geriet dabei defensiv aber keineswegs in Gefahr. Die sich bietenden Räume nutzte der Tabellenführer für Gegenstöße, die mehr Brisanz boten. Erst in der Nachspielzeit wurde es auch mal im Strafraum der Hausherren heikel, zweimal machte Robert Glatzel unglücklich gute Chancen besser postierter Kollegen zunichte, die kurz vor der Pause zum sprichwörtlich wertvollen Zeitpunkt gekommen wären (45.+2). Trotz der kuriosen Entstehung beider Treffer war die Zwei-Tore-Führung der Kiezkicker nach 45 Minuten vollauf verdient.

Doppelschlag der Gäste

Zur zweiten Hälfte wechselte der HSV offensiv, Jean-Luc Dompe ersetzte Lukasz Poreba. Die erste gute Gelegenheit ging dennoch aufs Konto von St. Pauli, ein Fernschuss von Saad nach dem nächsten Lapsus von Ramos ging rechts vorbei (50.). Ob des dichteren Schneetreibens war nun übrigens ein orangefarbener Ball im Einsatz. Den brachte Glatzel aus dem sprichwörtlichen Nichts zum Anschluss im Tor unter, als er eine Hereingabe von Ignace van der Brempt aus kurzer Distanz über die Linie drückte (57.). Der HSV war damit zurück im Spiel und schaffte sogar den Ausgleich per Doppelschlag: Joker Dompe flankte von links ins Zentrum, dort drehte sich Immanuel Pherai geschickt um die eigene Achse und verwandelte zum 2:2 (60.). 

Um eine Antwort war St. Pauli einige Minuten verlegen, Trainer Fabian Hürzeler reagierte mit zwei Wechseln. Unter anderem kam Etienne Amenyido, der sich mit einem Flachschuss einführte, den Heuer Fernandes ebenso sicher parieren konnte wie einen Kopfball von Hartel (je 70.). Mit Beginn der Schlussviertelstunde schien auf beiden Seiten die Furcht vor einem späten K.o. größer als die Lust, das Derby noch für sich zu entscheiden. So geschah auch in der üppigen Nachspielzeit von mehr als neun Minuten vergleichsweise wenig, eine klare Gelegenheit auf den Siegtreffer verzeichnete keine der Mannschaften mehr.

Durch das Remis bleibt der FC St. Pauli Tabellenführer, der Hamburger SV könnte Rang zwei am Samstag an Holstein Kiel verlieren.

Schalke 04 vs. Osnabrück (4:0)

Im Revier stieg ein Duell im Tabellenkeller, auf das vor der Saison wenige getippt hätten: Bundesliga-Absteiger Schalke hatte den Aufsteiger aus Niedersachsen zu Gast. Beim VfL gab dabei Uwe Koschinat sein Debüt auf der Trainerbank. Beinahe hätte sich die Premiere sehr früh schlecht angelassen, schon die erste Annäherung von Königsblau kam der Führung nahe. Simon Terodde schoss knapp vorbei, nachdem Bryan Lasme einen Einwurf von Henning Matriciani verlängert hatte (5.). Durchaus erwartungsgemäß lag die Last der Spielgestaltung zumeist aufseiten von S04, es geschah in beiden Strafräumen recht wenig. So musste ein ruhender Ball helfen: Nach Ecke von Paul Seguin kam Marcin Kaminski nicht entscheidend an die Kugel, die so von Niklas Wiemanns Kopf auf den Oberarm von Lennart Grill prallte und den Weg ins Tor fand. Letzten Endes wird Wiemann wohl als Eigentorschütze geführt werden (21.). 

Angesichts der Spielanteile ging die Führung in Ordnung, Schalke investierte auch mit ihr im Rücken mehr für die Partie. Osnabrück zu dominieren war in dieser Phase freilich auch keine schwere Aufgabe. Den ganz großen Druck auf ein zweites Tor entfalteten die Knappen nicht, einem Kopfball von Terodde etwa fehlte ein guter Meter (31.). Die potenziell gefährlichste Situation des VfL vereitelte Matriciani in der Nachspielzeit mit cleverem Zweikampfverhalten (45.+1), im Gegenzug erwischte Terodde mit dem Versuch einer artistischen Direktabnahme eine Flanke von Derry Murkin nicht perfekt (45.+2). So ging es mit lediglich einem Treffer Unterschied in die Kabinen.

S04 macht es deutlich

Schalke begann den zweiten Durchgang mit einer Drangperiode, in der ein Kopfball von Lasme die bis dato größte Chance aufs 2:0 bedeutete, Grill konnte sich erstmals auszeichnen (47.). Wenige Augenblicke später war er machtlos: Terodde legte einen langen Schlag von Ralf Fährmann stark auf Murkin ab, dessen Flugball fand Seguin. Der Vorlagengeber des ersten Treffers zog aus halbrechter Position ab und zielte genau ins linke Eck (48.). Osnabrück intensivierte nun mal die eigenen Bemühungen, sorgte aber selbst für den nächsten Gegentreffer: Wiemann leistete sich ein völlig unnötiges Foul an Terodde, das nach längerer Video-Überprüfung zum Strafstoß führte. Dessen nahm sich der Routinier selbst an und verwandelte souverän zum 3:0 (63.). 

Der ohnehin nicht allzu ausgeprägte Widerstand der Gäste war damit endgültig gebrochen, nur die Höhe des Heimsiegs von Königsblau war noch zu ermitteln. Das 4:0 folgte nach Flanke von Tobias Mohr, dabei war auch in mehrmaliger Wiederholung nicht genau erkennbar, ob Kenan Karaman getroffen oder Florian Kleinhansl das zweite Eigentor des Spiels erzielt hatte (70.). Einen fünften Treffer hatte Mohr auf dem Fuß, jagte den Ball aus leicht spitzem Winkel jedoch über den Kasten (80.), ebenso endete ein Versuch von Seguin aus der Distanz (89.). So blieb es beim 4:0. 

Durch den deutlichen Heimsieg springt der FC Schalke 04 ob der besseren Tordifferenz gegenüber Hansa Rostock auf Rang 15, der VfL Osnabrück wird den Spieltag als Schlusslicht in jedem Fall mit neun Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz beenden.

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Lars Pollmann  
01.12.2023