2. Bundesliga

Roundup: 96 siegt weiter, spätes Aue-Drama in Paderborn

Hannover war Freitagabend im Einsatz. Foto: Getty Images
Hannover war Freitagabend im Einsatz. Foto: Getty Images

In den Freitagsspielen der 2. Bundesliga stand der Abstiegskampf im Vordergrund. Hannover 96 wollte daheim gegen Holstein Kiel mehr Distanz zwischen sich und die Gefahrenzone bringen, während Erzgebirge Aue beim SC Paderborn fast schon zum Siegen verdammt war.

In Niedersachsen hatten beide Teams mit ergiebigen Regenfällen zu kämpfen, die den Rasen stellenweise an den Rand der Bespielbarkeit brachten. Einen fußballerischen Leckerbissen konnten die Fans beider Teams so nicht erwarten, gemessen daran entwickelte sich aber doch eine durchaus ansehnliche Partie. Bereits binnen zwei Minuten waren beide Mannschaften gefährlich vor dem gegnerischen Tor aufgetaucht, Ron-Robert Zieler parierte aber einen Abschluss von Fabian Reese, während Sebastian Stolze eine Hereingabe knapp verpasste. Insgesamt machte Kiel den gefährlicheren Eindruck, kam etwa durch Kwasi Wriedt (16., 33.) zu weiteren Gelegenheiten.

Zehn Minuten vor der Pause machte dann aber Hannover gehörigen Druck und kam zu einer Dreifachchance: Dabei parierte zuerst Thomas Dähne gegen Stolze, dann klärte Phil Neumann zwei Nachschüsse von Sebastian Kerk und Maximilian Beier vor der Torlinie. Nur zwei Minuten später schoss Kerk einen listigen Freistoß aufs kurze Eck und musste Dähne volle Konzentration aufbringen. Kurz vor dem Halbzeitpfiff hätte Philipp Sander die Störche per Kopf in Führung bringen können, scheiterte aber an Zieler. Das ein oder andere Tor hätte die Partie im ersten Durchgang also durchaus verdient gehabt.

In Halbzeit zwei dauerte es ebenfalls nicht lange bis zur ersten Großchance: Julian Korb jagte dabei eine Flanke von Alexander Mühling aus kurzer Distanz per Direktabnahme über den Kasten (47.). Vier Minuten später hätte auch Cedric Teuchert den überfälligen ersten Treffer der Partie markieren können, zielte aber unter Gegnerdruck etwas zu hoch. In der Folge nahm sich die Begegnung doch mal eine Auszeit, sodass das 1:0 für Hannover gewissermaßen überraschend kam. Der eingewechselte Linton Maina setzte sich über links durch, spielte auf Niklas Hult. Dessen Ball vors Tor landete bei Neumann, der die Kugel aber unglücklich auf Kerk abwehrte. Der beste Hannoveraner Torschütze der Saison verwandelte per Drehschuss, den Neumann auch noch abfälschte (66.).

Das zweite Tor der Hausherren fiel nach ähnlicher Vorgeschichte: Wieder bereitete Maina über links vor und klärte Neumann die Hereingabe nicht weit genug. Diesmal landete die Abwehraktion bei Mark Diemers, dessen Schuss auf dem Weg am Tor vorbei war. Hult hielt den Schlappen rein und lenkte die Kugel so ins Netz, dachte aber offenbar selbst, dass er im Abseits gestanden hatte. Jedoch hob Mühling die Abseitsposition des Linksverteidigers auf, sodass der Treffer völlig zurecht zählte (72.). Nach den bisherigen Eindrücken der zweiten Halbzeit war Kiel ein Comeback nach dem zweiten Gegentreffer nicht zuzutrauen. Es fehlte schlichtweg an konkreten Abschlussaktionen, sodass der Anschlusstreffer zu keinem Zeitpunkt in der Luft lag. Dabei blieb es bis in die Nachspielzeit hinein, in der Beier sogar noch das 3:0 für Hannover vergab.

Der verdiente Heimsieg bringt Hannover 96 auf 31 Punkte, so viele hat auch Holstein Kiel. Die Störche liegen dank des besseren Torverhältnisses auf Rang elf, die Niedersachsen sind zwölfter.

Aue-Drama in der zweiten Halbzeit

Bei Erzgebirge Aue sollte vor dem Gastspiel beim SC Paderborn ein Trainerwechsel den Weg in die Erfolgsspur weisen. Dabei übernahm der bisherige zweite Mann Pavel Dotchev von Marc Hensel, der ihm nun selbst assistiert. Die Veilchen hatten sich offensichtlich kräftig etwas vorgenommen und erwischten einen blendenden Start in die Partie. Nach nur vier Minuten hatten sich die Gäste aus dem Erzgebirge schon drei gute Gelegenheiten erspielt, unter anderem traf John-Patrick Strauß mit einer Hereingabe die Querstange. Nach dem überfallartigen Spielbeginn verstand es der SCP besser, Aue fern vom eigenen Tor zu halten. Dennoch kam auch Dimitrij Nazarov zu einer guten Einschusschance (21.). Wie es aber so oft kommt, wurde der verschwenderische Umgang mit Torgelegenheiten bestraft.

Paderborn nutzte die erste echte Chance zur Führung: Aue bekam den Ball bei einer Freistoßflanke nicht richtig geklärt, so konnte der wegen einer Verletzung früh eingewechselte Verteidiger Marcel Correia von rechts mustergültig vors Tor geben. Denis Srbeny stahl sich vom Gegenspieler weg und köpfte aus kurzer Distanz ins Netz (27.). Der Spielverlauf war damit auf den Kopf gestellt, die Veilchen schüttelten sich aber nur kurz. Malcolm Cacutalua fordert Jannik Huth zu einer starken Parade auf (36.), Ben Zolinski zielte im Privatduell mit dem Keeper knapp über den Kasten (43.). Tief in der Nachspielzeit der ersten Hälfte jagte Nazarov noch einen trockenen Abschluss an die Latte. Dass Aue sich für eine starke erste Hälfte nicht belohnen konnte, steht wohl durchaus sinnbildlich für die Situation der Gäste in der 2. Bundesliga.

Auch in den zweiten 45 Minuten machte Erzgebirge zunächst mehr offensiven Alarm als die Ostwestfalen, erneut war es Nazarov, der Huth aus der Distanz prüfte (47.). Insgesamt bewegte sich die Partie allerdings zunächst auf schwächerem Niveau als vor dem Seitenwechsel. Es sollte sich mit fortlaufender Spieldauer deutlich ändern. Ein individueller Lapsus von Jamilu Collins brachte Aue die bisher größte Chance im Spiel ein, der Linksverteidiger nahm den Arm zu Hilfe, um einen Schuss von Prince Osei Owusu abzuwehren (61.). Nach längere VAR-Überprüfung trat Nazarov zum Strafstoß an und versenkte trocken nach links zum mehr als verdienten Ausgleich (63.). Aue wurde vom Treffer offenbar beflügelt, denn keine zwei Minuten später war das Spiel sogar komplett gedreht: Clemens Fandrich schickte Zolinski steil, der ehemalige Paderborner rannte Correia davon und knallte die Kugel mit rechts eiskalt ins Tor (65.).

Die Veilchen blieben am Drücker und holten so in Person von Owusu den zweiten Strafstoß heraus. Correia hatte den Angreifer ungestüm von den Beinen geholt. Erneut trat Nazarov an, erneut zielte er nach links, erneut sprang Huth in die andere Ecke (70.). Die entfesselten Auer hatten kurz darauf großes Glück, dass ihr Vorsprung sich nicht gleich wieder auf ein Tor reduzierte. Nach einer Ecke köpfte ein Paderborner an die Latte, von wo die Kugel vor die Linie sprang, aber genug Drall hatte, um ins Netz zu springen. Jedoch berührte Robin Yalcin das Spielgerät vor der Überquerung der Linie und hatte zuvor einen kleinen Schritt im Abseits gestanden, sodass der Anschlusstreffer der Gastgeber keine Anerkennung finden konnte (75.).

Dennoch zeigte die Szene, dass Paderborn noch nicht unbedingt geschlagen war. Martin Männel, der zuvor schon gegen Joker Kemal Ademi sehenswert gehalten hatte (72.), war auch bei einem Kopfball von Uwe Hünemeier zur Stelle (80.). In der letzten Minute der regulären Spielzeit war der Keeper geschlagen, Ademi traf nach einem von Hünemeier verlängerten Freistoß. Das Unparteiischen-Gespann verweigerte dem Treffer zunächst die Anerkennung, der Videobeweis belegte aber, dass Hünemeier denkbar knapp nicht im Abseits gestanden hatte. In der nun angebrochenen Nachspielzeit warf Paderborn alles nach vorn und wurde belohnt: Männel parierte einen Ademi-Kopfball nach einer Ecke stark, Correia staubte aus kurzer Distanz ab und egalisierte den Spielstand (90.+2). Anschließend stand das Spiel bis zum Abpfiff nach fast 100 (!) Minuten auf des Messers Schneide, eine echte Siegchance bot sich aber beiden Teams nicht mehr.

Der SC Paderborn bleibt nach dem späten Punktgewinn Tabellenachter, Erzgebirge Aue kann sich einmal mehr keine Vorwürfe machen, was Moral und Einsatz angeht, der Sprung auf den 17. Rang stellt aber nur einen Tropfen auf den heißen Stein des Abstiegskampfs dar.

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Lars Pollmann  
25.02.2022