Hütter-Nachfolger

"Rookie" statt Routinier? Diesen Trainertypen sucht die Eintracht

Krösche (Mitte) ist auf der Suche nach dem geeigneten SGE-Trainer.
Krösche (Mitte) ist auf der Suche nach dem geeigneten SGE-Trainer. Foto: Imago

Eintracht Frankfurt ist auf der Suche nach einem neuen Trainer. Adi Hütter wird die Hessen im Sommer nach drei erfolgreichen Jahren verlassen. Trotz der möglicherweise erstmaligen Qualifikation für die Champions League sollen sich Strategie beim und Anforderungen an den neuen Coach nicht ändern.

Von der Eintracht berichtet fussball.news-Reporter Benjamin Heinrich

Die Eintracht ist in den vergangenen Jahren zum Sprungbrett für talentierte Trainer geworden, die ihre ersten Schritte in der Bundesliga gemacht haben. Ob Niko Kovac (2016 bis 2018), der anschließend den Sprung zum FC Bayern München wagte oder nun Adi Hütter (seit 2018), der mit seinem Wechsel zu Borussia Mönchengladbach zwar nicht den großen nächsten Schritt macht, der aber durch die Zeit in Frankfurt seine Karriere gehörig in Schwung brachte. Seitdem der Abgang des Österreichers bekanntwurde, haben Finanzvorstand Oliver Frankenbach und Direktor Profifußball Ben Manga schon vor der Verpflichtung des neuen Sportvorstandes Markus Krösche ein Profil für den gesuchten Coach erstellt und bereits mit ersten Kandidaten gesprochen. Mit Krösche an Bord können die Gespräche nun fortgeführt werden. Der steht allerdings bis zum 31. Mai noch bei RB Leipzig unter Vertrag, dessen Erwartungen an einen neuen Coach sind aber laut Aufsichtsratsboss Philip Holzer ohnehin "sehr ähnlich" sein, was die Suche deutlich erleichtert.

Das Profil ist klar

Nach fussball.news-Informationen wollen die Verantwortlichen dabei ihre Philosophie der letzten Jahre nicht verändern. Das Anforderungsprofil ist klar: Der neue Eintracht-Trainer muss ein Teamplayer sein, ehrgeizig und lernwillig, mit Entwicklungspotential. Er soll sich auch mit dem Klub und seinen Werten identifizieren und sowohl nach außen als auch nach innen gut kommunizieren und alle Beteiligten mitnehmen können. Gerade dem Umfeld täte ein Typ wie Niko Kovac es war sicherlich wieder gut. In der kommenden Saison stehen außerdem viele Talente im Kader der Hessen, junge Spieler, die eine spezielle Ansprache benötigen, aber auch kernige Typen wie Martin Hinteregger oder Stefan Ilsanker, die ihrerseits ebenfalls angesprochen werden müssen. Keine einfache Herausforderung. Zudem soll der fußballerische Weg von attraktivem, mitreißendem Offensivfußball nicht verlassen werden. All das steht klar vor dem Kriterium Erfahrung. Wie bei Kovac und Hütter soll sich der Trainer auch diesmal mit dem Verein gemeinsam entwickeln können. Eine klubinterne Strategie, die über den sportlichen Bereich hinausgeht, aber auch dort mit der Krösche-Verpflichtung verfolgt wurde. Gut möglich, dass es auf der Trainerposition erneut ein Bundesliga-"Rookie" wird, ein Coach, für den die Bundesliga noch Neuland ist.

Seoane "perfect match" - Glasner Favorit?

Einer, der dabei bestens ins Anforderungsprofil passt, ist Gerardo Seoane. Der Schweizer hat 2018 bei den Young Boys Bern die Hütter-Nachfolge angetreten und den Klub an der Spitze der Liga etabliert, wurde mit den Bernern dreimal in Folge Meister. Mit 42 Jahren steht er noch am Anfang seiner Trainerkarriere, ist aber gleichzeitig kein Neuling mehr. Sein Sprachtalent wäre zudem ein Bonus, der beim internationalen Kader der Frankfurter hilfreich sein könnte, ebenso wie die Tatsache, dass Seoane mit den Schweizern die Dreifachbelastung in Champions League oder Europa League schon erlebt hat. Auch Bayer Leverkusen soll die Fühler nach ihm ausgestreckt haben. Nach drei Jahren Young Boys Bern könnte für ihn der nächste Schritt sinnvoll sein, trotz Vertrages bis 2023. Als Topfavorit wird im Umfeld der Eintracht aktuell aber Oliver Glasner gehandelt. Der 46-jährige Österreicher soll beim VfL Wolfsburg unzufrieden sein, bei dem er seit 2019 an der Seitenlinie steht. Der ehemalige Innenverteidiger hat die Wölfe in der Bundesliga stabilisiert, kämpft aktuell um die Champions League-Qualifikation. Seine internationale Erfahrung als Trainer hält sich noch in Grenzen. Für ihn wäre die deutsche Bundesliga zwar kein Neuland, genügend Entwicklungspotential bringt aber auch er mit.

Eher Farke als Lampard

Auch Daniel Farke (Norwich City), Edin Terzic (Borussia Dortmund) oder Pellegrino Matarazzo wären Kandidaten, die in das Anforderungsprofil passen würden. Der 44-jährige Farke ist seit 2017 bei den Engländern, zuletzt erst wieder in die Premier League aufgestiegen. Auch für ihn wäre die Bundesliga neu. Für Terzic hingegen nicht, er übernahm bei Borussia Dortmund im Dezember das Traineramt von Lucien Favre. Im Sommer allerdings müsste der 38-Jährige unter dem neuen Chefcoach Marco Rose wieder ins zweite Glied rücken. Bei Werder Bremen, Bayer Leverkusen und dem VfL Wolfsburg wird er bereits gehandelt. Pellegrino Matarazzo hat beim VfB Stuttgart eine Ausstiegsklausel in seinem bis 2024 laufenden Vertrag. Klar ist in jedem Fall, dass weder bundesliga-erfahrene Coaches wie Roger Schmidt (PSV Eindhoven) oder Bruno Labbadia (vereinslos) noch "große Namen" wie Andre Villas-Boas, Mark van Bommel oder Frank Lampard (alle vereinslos) in die gesuchte Kategorie fallen, eine solche Lösung präferiert die Eintracht-Führung auch nicht. Bleiben die Frankfurter ihrer Linie der vergangenen Jahre treu und verpflichten einen Bundesliga-"Rookie", wäre wohl Seoane die erste und nicht wenige behaupten auch die beste Wahl.

Profile picture for user Benjamin Heinrich
Benjamin Heinrich  
04.05.2021