Interview-Abbruch

Reporter kritisiert Kroos: "Ich erwarte umgekehrt auch Respekt"

Toni Kroos hat ein TV-Interview abgebrochen. Foto: Getty Images.
Toni Kroos hat ein TV-Interview abgebrochen. Foto: Getty Images.

Der Interview-Abbruch von Toni Kroos nach dem Champions-League-Sieg mit Real Madrid gegen den FC Liverpool (1:0) sorgte in den darauffolgenden Stunden für zahlreiche Diskussionen. Der betroffene Reporter wünschte sich im Nachhinein mehr Respekt von Kroos.

Wenige Augenblicke, nachdem Schiedsrichter Clement Turpin den Schlusspfiff im Champions-League-Finale zwischen Real Madrid und dem FC Liverpool ertönen ließ, war Toni Kroos der erste Gesprächspartner des ZDF. Der Mittelfeldspieler brach das Interview jedoch ab, nachdem er von Reporter Nils Kaben gefragt worden war, ob es für ihn überraschend war, dass die Königlichen angesichts von 4:24 Torschüssen gegen Liverpool in Bedrängnis gerieten. "Du hattest 90 Minuten Zeit, dir vernünftige Fragen zu überlegen, ehrlich. Dann stellst du mir zwei so Scheißfragen, das ist Wahnsinn", entgegnete Kroos und ergänzte vor dem Abbruch: "Es ist völlig überraschend, dass du gegen Liverpool in Bedrängnis gerätst, was ist das für eine Frage? Wir spielen kein Gruppenspiel, wir spielen das Champions-League-Finale."

Reporter bezieht Stellung

Im Interview mit dem Spiegel bezog Kaben Stellung zum viel diskutierten Interview: "Mit meinen Kollegen und Kolleginnen sind wir ganz deutlich zu dem Schluss gekommen, dass man sich als Spieler so nicht benehmen sollte. Da hätte ich mich als Journalist schon schwer danebenbenehmen müssen, damit der Interviewgast einfach geht." Eine "sachliche Frage zum Spielverlauf so ins Persönliche zu kippen, geht nicht", betonte Kaben, der sich zugleich selbstkritisch äußerte: "Die Frage kann ich besser formulieren. Ganz klar."

"Weiß gar nicht, mit wem ich gleich sprechen werde"

Allerdings habe er keinen Einfluss darauf, mit welchem Spieler er nach dem Schlusspfiff ein Interview führen wird, weshalb sich die Fragen nur kurzfristig ergeben: "Wenn es dann losgeht, weiß ich gar nicht, mit wem ich gleich sprechen werde. Ob die Fragen auf Englisch, Deutsch oder Spanisch gestellt werden. Ob mir ein Gewinner oder ein Verlierer vor die Nase läuft. [...] Was auch kaum jemand weiß: Ich als Reporter habe die ganze Zeit mit der Organisation zu tun, dass Kroos überhaupt zum Gespräch kommt, dass die Kamera frei ist, dass der Ü-Wagen informiert ist. Das ist mein Job. Die Fragen an die Spieler überlege ich mir erst in den letzten Minuten vor dem Interview."

Forderung nach Respekt

Darüber hinaus forderte Kaben mehr Respekt von seinen Interviewpartnern: "Die Spieler können sicher sein, dass ich respektvoll mit ihren Leistungen umgehe, auch, wenn sie mal verlieren. Ich habe ihm gratuliert, wie es sich gehört. Aber ich erwarte umgekehrt auch Respekt." Gemäß der Bild-Zeitung betonte Kroos derweil am Sonntag: "Ich fordere nicht mehr Respekt. Ich habe nach einem gewonnenen Champions-League-Finale nur eher positiv angelegte Fragen erwartet. Hat er nicht so gut gemacht, fand ich."

Florian Bajus  
30.05.2022