Durm, da Costa & Co

Eintrachts Rechtsverteidiger: Die lästigen Vergleiche mit Kostic

Erik Durm will sich nicht mit Filip Kostic vergleichen. Foto: Imago

Filip Kostic ist bei Eintracht Frankfurt auf der linken Außenbahn ein Qualitätsspieler und soll deshalb auch in diesem Sommer unbedingt gehalten werden. Die rechte Flanke wird hingegen häufig als Achillesferse der Hessen bezeichnet. Doch wie sinnvoll ist dieser Vergleich?

Aus dem Deutsche Bank Park in Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Benjamin Heinrich 

127 Pflichtspiele, 26 Tore und 48 Vorlagen: Die Statistiken von Filip Kostic seit seinem Wechsel zu Eintracht Frankfurt im Sommer 2018 lesen sich gut. In einem System mit einer defensiven Dreierkette hat der Serbe seine Paradeposition auf der linken Außenbahn gefunden, wo er aus der Tiefe heraus mit Anlauf zu seinen Flügelläufen ansetzt. In der vergangenen Saison war der 28-Jährige mit vier Toren und 17 Vorlagen in 30 Spielen neben Toptorjäger Andre Silva (28 Treffer) der herausragende Mann bei der Eintracht.

Wenig verwunderlich, dass im Umfeld der Hessen automatisch immer wieder die Frage nach dem Pendant für Kostic auf der rechten Seite gestellt wird. Danny da Costa lief in Kostics erster Saison 2018/19, wo die Eintracht unter anderem bis ins Halbfinale der Europa League gekommen war, in 50 Pflichtspielen von Beginn an auf der rechten Seite auf. Seine Offensivbilanz: Vier Tore und fünf Vorlagen. Kostic kam in jener Saison in 46 Einsätzen auf zehn Tore und 13 Vorlagen. Schon damals wurden Vergleiche zwischen den beiden Flügelspielern angestellt. Mit insgesamt 23 Torbeteiligungen in 94 Spielen seit 2018 ist da Costa immerhin der offensivstärkste Rechtsverteidiger der Hessen. 

"Werde keine Filip Kostic sein"

In der vergangenen Saison war da Costa, der aktuell auf der rechten Seite die Nase vorn hat, in der zweiten Halbserie an den FSV Mainz 05 ausgeliehen. In seiner Abwesenheit beackerte Erik Durm, Weltmeister von 2014, die rechte Seite. Auch er musste sich den Vergleichen mit Linksaußen Kostic stellen. Auf Nachfrage von fussball.news sagte der 29-Jährige nun: "Die Vergleiche sind völlig okay. Ihr habt ja auch nicht Unrecht damit, wenn man sieht wieviele Assists ich letzte Saison gegeben habe, dass da offensiv noch mehr kommen kann. Filip ist aber ein Ausnahmespieler auf der Position. Das wissen wir alle. Wir sind froh, dass wir ihn haben. Ich werde aber kein Filip Kostic sein, der in der nächsten Saison fünfzehn Assists gibt oder zehn Tore macht." 

Defensivstärke vs. Offensivstärke

Alle Kadermitglieder der Eintracht für die rechte Außenbahn sind ohnehin gelernte Defensivspieler. Danny da Costa, Erik Durm, Timothy Chandler und der aktuell verletzte Almamy Toure. Auch deshalb sagt Durm: "Ich lese ja auch eure Artikel, in denen steht, dass ich offensiv nicht so viel dabei bin. In erster Linie ist es für mich aber wichtig, dass ich die Defensive stabilisiere und unser Tor schütze. Das ist unsere erste Aufgabe." Die dynamische Spielweise Kostics sei nicht seine: "Es ist nicht mein Spiel, dass ich immer bis zur Grundlinie marschiere und Flanken reinbringe. Das wird auch nicht mein Spiel werden." Der Rechtsfuß gewann dafür mehr Zweikämpfe (49,6 Prozent) als Kostic (42,7) und hatte auch deutlich weniger Ballverluste (1,42 pro 90 Minuten) als der Serbe (2,68), der zudem vor zwei Gegentoren defensiv patzte.

Glasner fordert Restverteidigung

Herrscht zwischen den beiden Außenbahnen also eine Disbalance? Oder ist ein defensivorientierter Rechtsaußen gar notwendig, um die Balance im eigenen Spiel zu wahren und Kostic weiterhin seine offensiven Freiheiten zu ermöglichen? Der neue Eintracht-Coach Oliver Glasner legt großen Wert auf die Restverteidigung, will im Optimalfall im defensiven Umschaltspiel immer fünf Feldspieler hinter dem Ball haben. Bei einer Dreierkette ist einer der beiden Außenbahnspieler damit zwangsläufig auch defensiv gebunden. Dass einer der beiden auch eine defensive Denkweise mitbringt, kann von Vorteil sein. Einzig die Vergleiche mit der andere Seite sind dann obsolet und werden den Rechtsverteidigern auf der anderen Seite nur selten gerecht. 

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Benjamin Heinrich  
29.07.2021