Eintrachts Offensivmann

Potential zum Pulverfass? Der Strategiepoker um Younes

Amin Younes sorgt derzeit bei der Eintracht für Unruhe. Foto: Imago

Die Causa Amin Younes beschäftigt Eintracht Frankfurt intensiv. Der Mittelfeldmann soll bei den Verantwortlichen angeblich seinen Wechselwunsch hinterlegt haben, weil er sich intern mehr Wertschätzung monetärer Art wünscht.

Seit dem Sommer 2020 schnürt Amin Younes für Eintracht Frankfurt die Fußballschuhe. Die Hessen einigten sich vor rund einem Jahr mit dem SSC Neapel auf ein Leihgeschäft, das auf zwei Jahre angelegt ist und eine Kaufoption von unter drei Millionen Euro beinhaltet. Der 27-jährige Offensivspieler verzichtet in den zwei Jahren auf insgesamt rund vier Millionen Euro Gehalt. Circa vier Millionen Euro pro Jahr gingen in Italien auf sein Konto, nur noch die Hälfte in Frankfurt. Um seine Karriere wieder in Schwung zu bringen und aus Überzeugung für die Eintracht, nahm Younes die Gehaltseinbußen in Kauf. 

Younes will sich Stellenwert vergüten lassen

Nach etwas Anlaufzeit und behutsamem Aufbau war Younes in der vergangenen Saison mitverantwortlich für den sportlichen Aufstieg der Eintracht zwischen dem 13. und dem 27. Spieltag, als die Hessen in 15 Spielen 36 Punkte holten. Younes selbst wurde in dieser Zeit nach dreieinhalb Jahren Abstinenz auch wieder für die deutsche A-Nationalmannschaft nominiert. Weil er im Saisonendspurt seinen Stammplatz bei den Hessen verlor, reichte es allerdings nicht für eine EURO-Nominierung. In Frankfurt erarbeitete er sich auf und neben dem Platz aber einen hohen Stellenwert. 

Younes will sich laut Bild-Zeitung den höheren Stellenwert nun offenbar auch in Form einer Gehaltserhöhung bestätigen lassen. Die Eintracht verspürt allerdings keinen Handlungsdruck. Die Kaufoption vor dem 30. Juni 2022 zu ziehen, das hatte Eintracht-Finanzvorstand Oliver Frankenbach bereits im Mai betont, mache für den Klub keinen Sinn. Beim Aushandeln des Leihvertrages wurden Rahmenbedingungen für die Festverpflichtung besprochen, diese will Younes nach seinem sportlichen Aufstieg allerdings neu verhandeln (laut Kicker war ein erstes Angebot nicht zufriedenstellend) und bei der Eintracht zu einem der Topverdiener aufsteigen. Das stellt einen durchaus branchenüblichen Vorgang dar und für Younes geht es dabei vor allem auch um Wertschätzung. 

Berater widerspricht Bild-Bericht 

Brisanz hat die Thematik dadurch gewonnen, dass die Bild-Zeitung zum einen von Younes' Wunsch nach mehr Geld, aber zum anderen auch den damit verbundenen Wechselwunsch berichtet hat. Informationen, die das Boulevardblatt aus Beraterkreisen erfahren haben will. Kurios wurde das Ganze dann, als sich Younes-Berater Marijo Knez gegenüber diversen Medien konträr geäußert hat. Die Eintracht sei weiterhin der erste Ansprechpartner und Younes fühle sich nach wie vor in Klub und Stadt wohl, so die Kernbotschaft des Beraters. Mit Sportvorstand Markus Krösche sei man zudem in einem "sehr guten und konstruktiven Austausch". Der Spieler freue sich auf die kommende Saison mit der Eintracht, von Wechselgedanken bei Younes war keine Rede. Die Beraterfirma CAA Base Ltd., zu der Younes und Knez zählen, ist international ausgerichtet und vertritt Starspieler wie Heung-min Son (Tottenham Hotspur), Raphael Varane (Real Madrid) und James Maddison (Leicester City). Man darf die Aussagen von Knez also durchaus als seriös und authentisch einschätzen.

Mehrere Szenarien möglich

Gleichzeitig sollte man aber eines der Hauptziele von vielen großen und international agierenden Berateragenturen nicht außer Acht lassen: Die Beraterfirma mit Sitz in London verdient derzeit an der Konstellation, die bei Younes und der Eintracht Status quo ist, nichts. Entsprechend, so eine Mutmaßung, könnte in der Zentrale in London durchaus die Intention gereift sein, den Marktwert von Younes auch über die deutschen Grenzen hinaus abzuklopfen. Ein neuer Vertragsabschluss mit Younes spielt schließlich eine Provision für das Unternehmen ein. Das wäre etwa der Fall, wenn Frankfurt die Kaufoption bei Younes zieht. Das wäre aber auch der Fall, wenn sich die Eintracht, der SSC Neapel und Younes auf eine Auflösung des Leihvertrags und einen Transfer zu einem anderen Klub einigen würden. Ein Szenario, das nur dann wahrscheinlich wird, wenn ein dritter Klub der Eintracht ein Angebot machen würde, das sie nur schwer ablehnen kann. Aktuell halten die Verantwortlichen der SGE alle Karten in der Hand und können Younes bis zum Sommer 2022 für einen Schnäppchenpreis verpflichten - und selbst dann noch weitertransferieren.

Wie reagiert die Eintracht?

Doch weil Younes in der vergangenen Saison durch sein Engagement, auch außerhalb des Platzes, zu einer Identifikationsfigur des Klubs geworden ist, birgt die Personalie durchaus Brisanz. Den Deutsch-Libanesen könnten die Verantwortlichen womöglich mit einer Gehaltserhöhung für die zweite Saison besänftigen und ihm damit die gewünschte Wertschätzung entgegenbringen. Bestätigt Younes dann seine Leistungen, dürfte sich seine Verhandlungsposition für den Anschlussvertrag nochmals verbessern. Davon wiederum würde dann auch seine Beraterfirma profitieren, wenn auch noch nicht diesen Sommer. Die Frankfurter Verantwortlichen dürften in jedem Fall großes Interesse daran haben, die Causa möglichst zeitnah zu einem guten Abschluss zu führen, um sich auf die sportlichen Saisonziele zu konzentrieren.

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Benjamin Heinrich  
22.07.2021