Neue Führungsspieler

Omlin und Weigl: Zwei Sinnbilder der neuen Borussia

Jonas Omlin hütet seit Januar das Fohlen-Tor. Foto: Getty Images.
Jonas Omlin hütet seit Januar das Fohlen-Tor. Foto: Getty Images.

Borussia Mönchengladbach hat sich einem Umbruch verschrieben. Jonas Omlin und Julian Weigl sind die beiden ersten Bausteine der neuen Fohlen-Elf und scheuen sich nicht davor, frühzeitig Verantwortung zu übernehmen und den Finger in die Wunde zu legen. Damit stehen sie vor einem raschen Aufstieg in die Führungsetage.

Dass seine erste Saison bei Borussia Mönchengladbach von Dämpfern und Rückschlägen geprägt würde, hatte Daniel Farke bereits geahnt. "Es ist ja nicht so", sagte der Fohlen-Trainer gemäß des ZDF auf einer Pressekonferenz im Februar, "dass ich hierherkomme, ein bisschen Hand auflege, ein wenig spreche, und dann segeln wir mal eben in die Champions League". Die Königsklasse war jedoch weder die Zielsetzung der Verantwortlichen noch die Erwartung der Fans, trotzdem herrscht große Ernüchterung ob des Verlaufs dieser Saison. Dem verheißungsvollen Start folgten große Schwankungen bis zur Weltmeisterschaft, ehe der Trend sukzessive in die negative Richtung ausschlug. Im Kalenderjahr 2023 stehen 14 Punkte aus 15 Spielen zu Buche, nur 1899 Hoffenheim (11) und Hertha BSC (5) sammelten im selben Zeitraum noch weniger. Darüber hinaus stellten Borussia und Hertha vor dem 31. Spieltag mit jeweils 16 Toren die zweitschwächste Offensive, nur der FC Schalke 04 traf vor dem Auswärtsspiel bei Mainz 05 noch seltener (15). Die von Farke mehrfach zum Ziel ausgerufene Resilienz zeigt sich im Frühjahr 2023 ebenso wenig wie die erhoffte Stabilität. Der Umbruch ist deshalb längst beschlossen, droht sich jedoch auf mehrere Transferperioden zu erstrecken, weshalb mittelfristig nicht damit zu rechnen ist, dass Gladbach an die erfolgreiche Periode zwischen 2011 und 2019 anknüpfen wird.

Gladbach braucht "Hunger, Gier"

Es wird die Hauptaufgabe von Farke und Sportdirektor Roland Virkus sein, die seit Jahren bestehenden Strukturen aufzubrechen und neue Impulse zu setzen. Die Notwendigkeit dieses Schrittes wird an den Verpflichtungen von Julian Weigl und Jonas Omlin deutlich. Das Duo spielt seit vergangenem Sommer respektive Winter bei der Borussia, gewann in den vergangenen Monaten einen tiefen Einblick in das Innere der Mannschaft und gelang zur Erkenntnis, dass Veränderungen bitter nötig sind. "Wir müssen diesen Hunger, diese Gier wieder in die Mannschaft bekommen. Man muss nicht gleich sagen, dass man wieder in die Champions League kommen will. Aber dass man sich stetig wieder weiterentwickelt und Schritt für Schritt wieder nach oben kommt", sagte Weigl nach dem 1:2 in Stuttgart (fussball.news berichtete). Wenige Tage später appellierte Omlin in einem Interview mit dem Magazin Sport Bild: "Wir müssen hier etwas Neues entwickeln. Das Wichtigste ist, dass wir einen Geist formen, der noch mehr Gier entwickelt, Spiele für sich zu entscheiden." Schon zuvor erregte der Torhüter Aufmerksamkeit, als er vor dem Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg am 27. Bundesliga-Spieltag nach einem Trainingsspiel mit Marcus Thuram aneinandergeriet. "Es ist das Ziel, dieses Feuer gegen Wolfsburg auf den Platz zu bringen. Wir waren in den letzten Wochen nicht gierig genug, die Spiele und die Zweikämpfe zu gewinnen", kommentierte Omlin den Disput - und tatsächlich feierte Borussia gegen die Wölfe den bislang letzten Saisonsieg (2:0).

Sinnbilder des Umbruchs

Omlin und Weigl, dessen Verpflichtung bis 2028 am Freitag kommuniziert wurde, stehen sinnbildlich dafür, was Gladbach benötigt, um der seit 2021 herrschenden Stagnation zu trotzen. Es sind größere Kaderveränderungen notwendig, um den Konkurrenzkampf zu fördern, die Reibung zu erhöhen, um Gier, Resilienz und Siegeswille zu erlangen. In der bevorstehenden Transformation können beide Neuzugänge rasch zu Führungsspielern aufsteigen und mit gutem Beispiel vorangehen; wie schon in den vergangenen Wochen. Dass bereits über Weigl als zukünftigen Mannschaftskapitän spekuliert wird, überrascht daher nicht, zumal er im Spielsystem von Farke eine Schlüsselrolle innehat. Genau wie Omlin ist er schon jetzt ein Eckpfeiler, der an Stellenwert dazugewinnen wird. Und doch bleibt es abzuwarten, wie schnell Borussia das Gesicht zeigen wird, das Farke und Virkus anstreben.

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Florian Bajus  
06.05.2023