Starker Co-Trainer

Nur noch Siegquote von 58 Prozent: So sehr fehlt Flick dem DFB-Team

Hans-Dieter Flick und Joachim Löw leisteten im Doppelpack starke Arbeit.
Hans-Dieter Flick und Joachim Löw leisteten im Doppelpack starke Arbeit. Foto: Getty Images

Im Juli 2014 erlebte die deutsche Nationalmannschaft in Rio ihren großen Triumph und wurde Weltmeister. Neben Bundestrainer Joachim Löw galt auch Co-Trainer Hans-Dieter Flick stets als ein Erfolgsgarant. Wie sehr ein starker Mann an der Seite von Löw fehlt, zeigt sich in den vergangenen sechs Jahren.

Joachim Löw und Hans-Dieter Flick hatten die deutsche Nationalmannschaft von 2006 bis 2014 kontinuierlich aufgebaut und zum großen Triumph geführt. In Rio stemmte das Team den WM-Pokal in die Höhe, die Arbeit wurde erfolgreich beendet. Natürlich stand danach vor allem der Bundestrainer im Blickpunkt. Doch es lohnt sich, ein Auge auf die Arbeit von Flick zu werfen.

Flick erkannte vor der WM 2014 einen großen Mangel

Standardsituationen waren jahrelang kein großer Faktor bei Deutschland. Löw setzte auf Spielstärke, wollte Spanien, Italien und England mit technisch sauberem Fußball auf Augenhöhe begegnen. Flick aber sagte vor dem WM-Turnier 2014: "Es gibt doch allein in der jüngeren Vergangenheit so viele Beispiele, in denen die größten Spiele durch Standards entschieden wurden." Der heutige Coach des FC Bayern München durfte sich bestätigt fühlen: In allen drei Gruppenspielen resultierten Tore aus ruhenden Bälle, das Viertelfinale gegen Frankreich wurde nach einem Freistoß von Toni Kroos per Kopf von Mats Hummels entschieden (1:0), der Torreigen gegen Brasilien von Thomas Müller nach einer Kroos-Ecke (7:1) eröffnet.

Mit Flick 12 Prozent mehr Siege

111 Spiele lang stand Flick seinem Chef Löw zur Seite, rund 70 Prozent dieser Partien wurden gewonnen. 15-mal nur unterlag das Team - in acht Jahren also genauso oft wie in der Post-Ära Flick seit Herbst 2014. Er wechselte zum 1. September 2014 auf den Posten des Sportdirektors beim DFB, wo er den Verband trotz Fünf-Jahres-Vertrags am 16. Januar 2017 auf eigenen Wunsch verließ.

Im Oktober 2014 wurde Thomas Schneider als Nachfolger präsentiert. Am Ende dessen Amtszeit steht das Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft 2018, auch der jetzige Co-Trainer Marcus Sorg (kam vor im März 2016 als zweiter Co-Trainer vor der Europameisterschaft in Frankreich dazu) wirkt nicht auf Augenhöhe mit Löw, auch wenn das manche Berichterstatter suggerieren. Von den 71 Partien, die Löw mit Schneider und Sorg an der Seitenlinie stand, wurden nur noch 58 Prozent (41 Siege) gewonnen. 30-mal ging das Team nicht als Sieger vom Feld.

Auch Erfolg beim FC Bayern

Was sich somit zeigt: Ein starker Co-Trainer ist nicht zu unterschätzen. Flick zeigt als Chefcoach beim FC Bayern seine großen Qualitäten, die Nationalspieler aus gemeinsamen Zeiten wie Jerome Boateng, Thomas Müller oder Manuel Neuer blühten unter ihm auf, holten das Triple. Flick brilliert in München auf allen Ebenen: taktisch, physisch und mental. Sein Team wurde schnell wieder zu einer harmonischen Einheit - menschlich wie sportlich. So darf man schon die Fragen stellen: Findet Joachim Löw nicht mehr die richtigen Schalter für seine Mannschaft, auch weil ihm ein starker Co-Trainer an seiner Seite fehlt? Die deutlich geringer werdende Siegquote seit 2014 sollte ihm zu denken geben.

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Christopher Michel  
07.09.2020