Klauß, Matarazzo und Schreuder

Nur Flops? So leiden die "Nagelsmänner" als Coaches

Pellegrino Matarazzo ist einer von drei "Nagelsmännern", die als Cheftrainer Höhen und Tiefen erleben. Foto: Getty Images.
Pellegrino Matarazzo ist einer von drei "Nagelsmännern", die als Cheftrainer Höhen und Tiefen erleben. Foto: Getty Images.

Trotz seines jungen Alters blickt Julian Nagelsmann schon auf eine lange Trainerkarriere in der Bundesliga zurück. Der 34-Jährige stand von 2016 bis 2019 bei 1899 Hoffenheim an der Seitenlinie, wechselte danach zu RB Leipzig und schloss sich im Sommer 2021 dem FC Bayern an. In dieser Zeit hatte er einige Co-Trainer an seiner Seite, die mittlerweile ihren eigenen Karriereweg verfolgen. Doch die meisten "Nagelsmänner" haben mit Rückschlägen zu kämpfen. Ein Überblick.

Robert Klauß

Robert Klauß wurde bei RB Leipzig im Sommer 2018 vom Nachwuchs-Coach zum Co-Trainer von Ralf Rangnick befördert und assistierte später auch Julian Nagelsmann. Im Juli 2020 folgte der 37-Jährige dem Lockruf des 1. FC Nürnberg, der sich nach dem 34. Spieltag von Jens Keller getrennt hatte und mit Michael Wiesinger und Marek Mintal ein Interims-Duo für die Relegation gegen den FC Ingolstadt installierte. In seiner ersten Saison erlebte Klauß einen durchwachsenen Start und gewann nur eine der ersten acht Partien, zu Beginn des Kalenderjahres 2021 kassierte Nürnberg sogar fünf Niederlagen in sechs Spielen. Der FCN blieb stets über dem Strich, besiegelte den Klassenerhalt jedoch erst Ende April und landete auf dem elften Tabellenplatz.

Die laufende Saison ist erfolgreicher. Klauß' angestoßene Entwicklung hat gefruchtet, erst am zwölften Spieltag kassierten die Franken ihre erste Niederlage. Trotz einer instabilen Phase zwischen dem 12. und 22. Spieltag (vier Siege, sieben Niederlagen) spielt Nürnberg im oberen Tabellendrittel mit, nach der jüngsten 2:4-Niederlage gegen den SV Sandhausen beträgt der Rückstand auf die Aufstiegsplätze jedoch vier Punkte. Angesichts von nur drei ausstehenden Spielen ist mit einem Verbleib in der 2. Bundesliga zu rechnen, die klare Leistungssteigerung in dieser Saison macht dennoch Mut auf eine erfolgreiche Zukunft.

Pellegrino Matarazzo

Von Januar 2018 bis Mai 2019 assistierte Pellegrino Matarazzo Julian Nagelsmann in Hoffenheim. Der US-Amerikaner war darüber hinaus bis Dezember desselben Jahres als Co-Trainer von Alfred Schreuder aktiv und wechselte dann zum VfB Stuttgart, der sich nach einer wechselhaften Hinrunde von Tim Walter getrennt hatte. Dank 8 Siegen in 16 Spielen gelang Matarazzo der Aufstieg in die Bundesliga, in der er den VfB zum Überraschungsteam der Saison 2020/21 formte. Spieler wie Borna Sosa, Wataru Endo, Silas Katompa Mvumpa und Sasa Kalajdzic entfalteten ihr Potenzial in der höchsten deutschen Spielklasse, mit 45 Punkten wurde Stuttgart Tabellenneunter.

Die aktuelle Saison ist von zahlreichen Verletzungen und durchwachsenen Auftritten geprägt. Der häufig gut mitspielende, aber im Abschluss schwache VfB kämpft wie schon 2016 und 2019 um die Ligazugehörigkeit. Nach 31 Spieltagen stehen 28 Punkte und Platz 16 zu Buche, der Vorsprung auf die direkten Abstiegsplätze beträgt zwei Punkte und der Rückstand auf das rettende Ufer vier Punkte. Im Worst Case droht der dritte Abstieg binnen sechs Jahren, Sportdirektor Sven Mislintat verkündete allerdings schon im Juli vergangenen Jahres, dass Matarazzo auch in der 2. Bundesliga auf der Bank sitzen werde (fussball.news berichtete). 

Alfred Schreuder

Als Huub Stevens im Oktober 2015 den Trainerposten in Hoffenheim übernahm, installierte der Niederländer seinen Landsmann Alfred Schreuder als Co-Trainer. Der 49-Jährige blieb unter Nagelsmann bis Januar 2018 in dieser Rolle aktiv, ehe er Erik ten Hag bei Ajax Amsterdam assisierte. Im Sommer 2019 heuerte Schreuder als Nagelsmanns Nachfolger in Hoffenheim an, musste elf Monate nach seinem Amtsantritt aber wieder seinen Hut nehmen. Seine Spielidee war nicht mit dem Kader kompatibel. Die TSG stand ab dem zehnten Spieltag zwar stets auf einem einstelligen Tabellenplatz, allerdings folgten auf gute Phasen regelmäßig Durststrecken. So gewann Hoffenheim zwischen dem 16. und 20. Spieltag vier von fünf Partien, blieb im Anschluss jedoch sieben Spiele sieglos.

Nach der Trennung folgte Schreuder Ronald Koeman im August 2020 zum FC Barcelona. Das Duo wurde im Oktober 2021 entlassen, mittlerweile hat der Ex-Hoffenheim-Coach aber einen neuen Job gefunden und ist seit Januar dieses Jahres als Cheftrainer des FC Brügge tätig. Zu Buche stehen 12 Siege in bislang 16 Partien bei einem Torverhältnis von 33:12. In der Meisterrunde der Jupiler Pro League hat Schreuder die Chance auf seinen ersten Titel als Cheftrainer.

Florian Bajus  
25.04.2022