Grammozis als "neuer Kapitän auf die Titanic"

Nigbur: "Selbst ein Klopp" hätte Schalke nicht retten können

Klopp war bisher nur als Gast auf Schalke. Foto: Imago
Klopp war bisher nur als Gast auf Schalke. Foto: Imago

Der FC Schalke 04 hat in den verbleibenden Wochen die Aufgabe, sich mit Würde aus der Bundesliga zu verabschieden und den Wettbewerb nicht zu verzerren. Der sich über Monate abzeichnende Abstieg ist dabei noch nicht verdaut und bedarf der Aufarbeitung. Klub-Ikone Norbert Nigbur sieht bei Dimitrios Grammozis die geringste Schuld.

Zwar könne er die Arbeit des Chefcoachs aus der Ferne nicht gut beurteilen, so der langjährige Keeper der Königsblauen gegenüber den Ruhr Nachrichten. Jedoch habe der Ex-Profi sozusagen ein Himmelfahrtskommando übernommen, als er auf Schalke anheuerte. "Wenn du als neuer Kapitän auf die Titanic kommst, die alte Crew behältst und das Schiff sinkt bereits, was willst du denn da machen?", fragt Nigbur rhetorisch. "Ich glaube, nach Schalke hätte am Ende selbst ein Klopp kommen können. Aus dieser Truppe war einfach nichts mehr rauszuholen."

"Es wird jetzt kein Selbstläufer werden"

Entsprechend groß wird der Umbruch im Sommer ausfallen müssen, zumal der S04 sich viele seiner gut bezahlten Absteiger vermutlich gar nicht mehr leisten kann. Dass es nach dem Neuaufbau einen Durchmarsch zurück in die Bundesliga gibt, dieser Illusion verschließt sich Nigbur. "Es wird jetzt kein Selbstläufer werden, das weiß jeder. Es gibt genügend Beispiele von Vereinen, die danach sogar noch weiter runter mussten." Wichtig sei, dass sich auch die Fans des Klubs dessen bewusst seien.

"Kommt von der Klub-Philosophie eigentlich entgegen"

Allerdings sieht Nigbur für Schalke in der zweiten Bundesliga auch Chancen. "Es kommt auf Dinge an, die Schalke von der Klub-Philosophie eigentlich entgegen kommen müssten. Da wird zwar auch guter Fußball gespielt, in erster Linie aber gearbeitet", erklärt der ehemalige Nationalspieler, der den Königsblauen selbst nach dem Abstieg 1981 die Treue gehalten hatte. Es sei "die halbe Miete", spielerische Qualitäten mit harter Arbeit zu verknüpfen, sagt Nigbur. Problem nur: "Die aktuelle Mannschaft hat weder das eine noch das andere."

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Lars Pollmann  
02.05.2021