Vor dem Debüt mit dem Adler auf der Brust

Niederlande und DFB wollten Gosens: "Entscheidung des Herzens"

Gosens hätte auch für den KNVB spielen können. Foto: Emilio Andreoli/Getty Images
Gosens hätte auch für den KNVB spielen können. Foto: Emilio Andreoli/Getty Images

Bundestrainer Joachim Löw hat für die ersten Länderspiele seit Herbst 2019 drei Neulinge nominiert. Für Oliver Baumann ist es eine späte Ehre, für Florian Neuhaus eine logische Konsequenz. Robin Gosens darf aber wohl zu den unwahrscheinlichsten Nationalspielern der jüngeren Vergangenheit zählen.

Der Linksaußen von Champions-League-Viertelfinalist Atalanta war bis vor ein, zwei Jahren nur absoluten Experten ein Begriff. Er hat in seiner Karriere nie für einen deutschen Profiklub gespielt, das Land im Jugendbereich verlassen. "Als ich in Holland gespielt habe, war die Nationalmannschaft utopisch weit weg. Das Wort habe ich nie realistisch in den Mund genommen", sagt der 26-Jährige gegenüber Bild am Sonntag. Gosens spielte bei Vitesse Arnheim, dem FC Dordrecht und Heracles Almelo, ehe ihn die Späher von Atalanta entdeckten. 

Koeman meldete sich vor Löw

Der Sohn eines Niederländers hat in seiner zweiten Heimat durchaus Eindruck hinterlassen. Und mit seinen Leistungen in der Serie A und auf europäischem Boden auch den niederländischen Verband KNVB auf den Plan gerufen. "Einige Tage vor Löw hat sich Ronald Koeman bei mir gemeldet. Er hat mir zu meiner Saison gratuliert und mich gefragt, ob er mich von seiner Nationalmannschaft überzeugen kann", berichtet Gosens. Koeman war da noch Bondscoach, inzwischen ist er beim FC Barcelona. 

"Eigentlich unfassbar"

Der DFB und Jogi Löw waren sich durchaus bewusst, dass sie um den Linksaußen kämpfen mussten. "Für mich war es einfach eine Entscheidung des Herzens", erklärt Gosens die Zusage an die deutsche Nationalmannschaft. "Dass ich mich zwischen zwei fußballverrückten Nationen entscheiden konnte, das ist eigentlich unfassbar!", so der gebürtige Emmericher. Die Nominierung am Telefon sei für ihn dann auch ein "magischer Moment" gewesen, mit dem er ernsthaft nicht gerechnet habe. Dabei hatte Löw eine Einladung zum DFB-Team in den Medien bereits vor Monaten angekündigt.

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Lars Pollmann  
30.08.2020