Argentinischer Nationaltrainer

"Nicht fair": Scaloni bedauert riesigen Messi-Fokus

Messi ist die große Lichtgestalt der WM 2022. Foto: Getty Images
Messi ist die große Lichtgestalt der WM 2022. Foto: Getty Images

Vor dem Auftakt in die Weltmeisterschaft der Männer in Katar am Sonntagnachmittag deutscher Zeit gibt es aus sportlicher Sicht eine Frage, die überall diskutiert wird: Kann Lionel Messi in seinem wohl letzten Anlauf den einen großen Titel holen, der ihm noch fehlt? Der siebenfache Weltfußballer steht dabei alleine mehr im Fokus als Argentinien selbst. Aus Sicht von Lionel Scaloni ist dieses Scheinwerferlicht eigentlich zu viel.

"Wenn er in einen Speisesaal geht, richten sich alle Blicke auf ihn: die Blicke des Kochs, des Zeugwarts, von allen, und das sind alles Leute, die ihn kennen! Stellen Sie sich das mal mit Leuten vor, die ihn nicht kennen", so der Nationaltrainer Argentiniens gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Es ist deshalb wohl umso bemerkenswerter, dass Messi nicht abgehoben, sondern "der Irdischste von allen" ist, wie es Scaloni ausdrückt. "Ich denke, dass es nicht fair ist, dass Leo kein Leben haben kann wie wir alle." Selbst beim teuren Starensemble von Paris Saint-Germain sticht der Weltstar noch heraus.

"Mit dem Gewinn der Copa America etwas abgefallen"

Für Argentinien kann das freilich auch positive Auswirkungen haben, wie sich etwa bei der Copa America im Vorjahr zeigte. Da schien die Mannschaft in erster Linie für Messi zu spielen, um ihm endlich den Makel abzunehmen, mit der Nationalelf noch titellos zu sein. "Was man sicher sagen kann, und er selbst auch gesagt hat, ist, dass mit dem Gewinn der Copa America von ihm etwas abgefallen ist. Bei ihm und dieser ganzen Generation, die zwei Copa-Endspiele und eine Weltmeisterschaft verloren hatte", betont Scaloni.

"Er ist älter geworden, reifer"

Dass Argentinien deshalb weniger Erfolgsdruck nach Katar mitnimmt, ist allerdings nur schwer vorstellbar. Stattdessen gehen die Gauchos nach fast dreieinhalb Jahren ohne Niederlage als einer der Topfavoriten ins Turnier. Und das, natürlich, vor allem dank Messi, der bei PSG eine atemberaubende Saison hinlegt. "Er ist älter geworden, reifer. Früher hat er mit einem Dribbling fünf, sechs Spieler aus dem Spiel genommen und das Tor allein geschossen. Jetzt braucht er die Mannschaft mehr, er hilft ihr mehr, er bringt die Mannschaft zum Spielen", sagt Scaloni. Der 44-Jährige hatte seinen Posten nach der WM 2018 angetreten, als Argentinien im Achtelfinale am späteren Titelträger Frankreich gescheitert war.

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Lars Pollmann  
20.11.2022