Für Neuzugänge

Muss die Eintracht noch einen Leistungsträger verkaufen?

Filip Kostic, Evan N'Dicka und Martin Hinteregger (v.l.) gehören zum Frankfurter Tafelsilber. Foto: Imago

Bei Eintracht Frankfurt lichten sich so langsam die Reihen im Kader. Und doch werden nach dem Saisonstart noch Verstärkungen benötigt. Nicht auszuschließen, dass dafür noch ein Leistungsträger verkauft werden muss. 

Von der Eintracht berichtet fussball.news-Reporter Benjamin Heinrich

Spannende Zeiten in Frankfurt. Neuer Sportboss, neuer Trainer und zwei Niederlagen zum Saisonauftakt, darunter das peinliche Pokal-Aus beim Drittligisten Waldhof Mannheim. Die Rufe nach weiteren Verstärkungen wurden spätestens nach dem 2:5 in der Liga bei Borussia Dortmund immer lauter. Doch wie handlungsfähig ist Sportvorstand Markus Krösche aktuell noch? Der 40-Jährige ist noch damit beschäftigt, weitere Spieler von der Gehaltsliste zu bekommen. Kandidaten: Steven Zuber und Goncalo Paciencia. Für beide ist der Markt nicht zuletzt aufgrund der Coronakrise ein schwieriger. Selbst für Zuber, der bei der EURO mit vier Vorlagen zu überzeugen wusste. Hohe Ablösen sind nicht zu erwarten, dafür aber eine Entlastung des Gehaltsetats. Beide verdienen gutes Geld in Frankfurt.

Thuram und Vinicius im Fokus - aber auch bezahlbar?

Das braucht Krösche, um weitere Spieler zu verpflichten. Ein Sechser und ein Stürmer stehen aktuell auf der Agenda ganz oben. Freigewordenes Gehaltsbudget könnte die Eintracht nutzen, um den brasilianischen Angreifer Vinicius von Benfica Lissabon auszuleihen. Der 26-Jährige könnte für eine Saison mit Kaufoption ausgeliehen werden. Letzteres ist wohl der Knackpunkt, denn Krösche wäre wohl auch bei Vinicius gerne im nächsten Sommer am längeren Hebel, erhofft sich bei einer positiven Entwicklung einen Erlös aus dem Transfer. Deshalb wäre eine absurde Kaufoption über 20 Millionen Euro wohl nicht im Sinne der Eintracht. Mit dem Sechser Khephren Thuram (OGC Nizza) soll grundsätzlich Einigung bestehen, die Verhandlungen mit dem französischen Klub verlaufen allerdings schwierig. Der Vertrag des Franzosen läuft im kommenden Sommer aus, entsprechend ist die Eintracht auch dort nicht bereit, Mondpreise für den großgewachsenen Mittelfeldspieler zu zahlen. 

Leistungsträger als Tafelsilber

Doch auch ein marktgerechtes Angebot zwischen sechs und acht Millionen Euro ist für die Eintracht aktuell nur schwer zu stemmen. Das liegt vor allem auch an der Vorgabe, dass die sportliche Führung innerhalb dieser und der nächsten sommerlichen Transferperiode einen Überschuss von 40 Millionen Euro erwirtschaften muss. Spätestens nächsten Sommer muss also mindestens ein Leistungsträger verkauft werden. Zieht Krösche einen solchen Transfer schon für diesen Sommer vor, um weiter investieren zu können? Kandidaten für einen solchen Verkauf sind Linksaußen Filip Kostic, Spielmacher Daichi Kamada und die beiden Innenverteidiger Evan N'Dicka und Martin Hinteregger. Sonst gibt es im bestehenden Kader kaum Marktwerte, mit denen sich große Erlöse generieren lassen. Bislang liegt allerdings für keinen der Spieler ein offizielles Angebot vor und der Transfermarkt schließt bereits in zwei Wochen. Kein einfaches Unterfangen für den Sportboss.

Verlängerung statt Abgang bei Kostic?

Ohnehin stellt sich die Frage für welchen der Leistungsträger es aktuell einen Markt gibt und wer dort einen guten Preis erzielen könnte. Gleichzeitig will Krösche auch die Qualität des Kaders, der für ihn im Optimalfall aus 23 Akteuren und drei Talenten besteht, nicht senken. Filip Kostic hat zwar angeblich das Interesse mehrere Serie A-Klubs geweckt, diese wiederum haben aber kaum die finanziellen Möglichkeiten den 28-Jährigen zu verpflichten. Der Markt für Kostic ist auch dahingehend schwierig, weil er bislang aktuell nur in einem einzigen System wirklich gut funktioniert hat. Ein Topklub, der die geforderte Summe von mindestens 20 Millionen Euro auf den Tisch legen könnte, würde sein System wohl kaum vom Linksfuß abhängig machen, es müsste folglich auf Anhieb passen. Gleichzeitig ist eine Marktwertsteigerung beim Nationalspieler unwahrscheinlich. Folglich ist es gut möglich, dass er seinen Vertrag bei den Hessen eher verlängert, als den Klub zu verlassen. 

Welcher Abgang wäre für die Eintracht verkraftbar(er)?

Bei Evan N'Dicka erhoffen sich die Verantwortlichen hingegen, dass der junge Franzose seinen Marktwert in der kommenden Saison nochmals deutlich steigert. Ein Verkauf zum aktuellen Zeitpunkt wäre wohl verschenktes Geld beim 21-Jährigen. Bleiben noch Daichi Kamada und Martin Hinteregger. Der Japaner wartete in der vergangenen Saison mit vielen Vorlagen auf, ist Raumdeuter und Unterschiedsspieler, taucht aber gerne auch mal ab. Da auch Amin Younes kurz vor dem Absprung steht, wäre ein Kamada-Abgang gleichbedeutend mit dem Verlust der kompletten Doppel-Zehn der vergangenen Saison.

Hinteregger hingegen wurde zuletzt erst zum Vize-Kapitän bestimmt, ist bei den Fans enorm beliebt. Im Klub allerdings bestehen durchaus Zweifel, ob der 28-jährige Österreicher Undiszipliniertheiten dauerhaft mit Leistung ausgleichen kann, ohne gleichzeitig auch an Standing in der Mannschaft zu verlieren. Bei einem entsprechenden Angebot könnten die Hessen ins Grübeln kommen. Dann müsste aber auch der Verteidiger mitspielen, der in Frankfurt seine Komfortzone gefunden hat. Auf Krösche warten dahingehend noch zwei spannende Wochen. Die erste Transferperiode wird für den neuen Mann gleich zum Kraftakt und die große Frage lautet für ihn, ob sich weitere Verstärkungen auch noch ohne den Verlust eines Leistungsträgers realisieren lassen.

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Benjamin Heinrich  
18.08.2021