Chefcoach überraschte alle

Müller: "Dass Flick das komplette Paket mitbringt, hatte ich nicht auf dem Zettel"

Flick strebt nach dem Double das Triple an. Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images
Flick strebt nach dem Double das Triple an. Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images

Der FC Bayern hat Hansi Flick im Herbst vom Co- zum Cheftrainer gemacht. Was anfänglich nach einer typischen Interimslösung aussah, hat sich heute als Geniestreich erwiesen. Der Übungsleiter hat den Rekordmeister auf sein wohl höchstes Niveau seit Jahren gebracht. Thomas Müller ist wie ganz Fußball-Deutschland beeindruckt.

"Hansi Flick war schon immer ein Super-Typ, er war schon immer ganz klar in dem, was er sagt", so der Offensivspieler gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Allerdings habe er den Trainer nur in seiner Rolle als Assistent gekannt. "Dass er das komplette Paket mitbringt, um Trainer beim FC Bayern München zu sein, hatte ich nicht auf dem Zettel", gibt Müller unumwunden zu. Es ist schließlich ein Job, der neben Qualifikation auch ein gesundes Selbstbewusstsein und Führungsstärke beansprucht. Flick hatte noch nie eine derart herausgehobene Stellung als Fußballlehrer.

"Zuletzt unter Guardiola"

Von Anpassungsschwierigkeiten oder Lernbedarf konnte aber nie die Rede sein. Der FC Bayern hat sich nach den fast zwei Jahren unter Niko Kovac schnell wieder in die Richtung entwickelt, die der Bundesliga und ganz Europa das Fürchten lehrt. "Ähnlich klar geregelt war unser Spiel zuletzt unter Pep Guardiola", sagt Müller nun. "Da durfte zwar jeder Spieler seiner Position eine individuelle Note hinzugeben, aber trotzdem hatte diese Position immer eine klare Aufgabe." Auch unter Flick seien die Maßgaben unmissverständlich: "Für Positionen gibt es klare Vorgaben. Keine Optionen, sondern Vorgaben!"

"Anders Gefühl auf dem Platz"

Kaum jemand hat bei den Münchnern so sehr davon profitiert wie Müller selbst. Unter Kovac schien das Ende seiner Bilderbuch-Karriere beim Herzensklub vorprogrammiert, unter dessen Nachfolger spielte Müller über Monate so gut wie vielleicht noch nie zuvor. Der große Unterschied: Der Trainer setzt wieder voll und ganz auf den Weltmeister von 2014. "Ich versuche, mich nicht vom Vertrauen abhängig zu machen, aber man kann es nicht leugnen: Man hat ein anderes Gefühl auf dem Platz, wenn man das Vertrauen spürt", formuliert Müller selbst. Unter Flick gelangen dem 30-Jährigen in 31 Einsätzen bisher 29 Torbeteiligungen.

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Lars Pollmann  
01.08.2020