Hertha-Retter

Medizinball? Magath wehrt sich gegen Zuspitzungen

Magath ärgert sich über das Gerede. Foto: Getty Images
Magath ärgert sich über das Gerede. Foto: Getty Images

Die Verpflichtung von Felix Magath durch Hertha BSC in den ärgsten Abstiegsnöten wurde vielerorts belächelt. Nachdem der frühere Meistertrainer viele Jahre nicht in der Bundesliga aktiv war, galten seine Methoden als endgültig nicht mehr zeitgemäß. Mit der Rettung der Alten Dame hat der Ex-Profi das Gegenteil bewiesen.

Ihn stört durchaus, dass reflexartig vom Medizinball die Rede ist, wenn es um das Training unter Magath geht. "Indem man mich auf den Medizinball reduziert, wollen mich manche in die Ecke einer veralteten Trainingsphilosophie stellen. Und dabei ist es ganz einfach zu erklären. Als ich anfing, Fussball zu spielen, hatten die meisten Vereine kein Geld. So musste man kreativ trainieren, mit dem, was es gab: Sprossenwände zum Beispiel in der Schulturnhalle oder eben mit dem Medizinball", erklärt der einstige Weltklasse-Kicker gegenüber der Schweizer Boulevardzeitung Blick. Inzwischen komme das Sportgerät aber trotz seiner Qualitäten für die Rumpfstabilisation nicht mehr oft zum Einsatz.

Medizinball kam bei Hertha nur einmal zum Einsatz

In Berlin etwa habe Magath nur "einmal im Rahmen eines Trainings-Zirkels in den ersten drei Wochen" den Medizinball benutzt, "also vielleicht bei 0,5 Prozent meiner Trainingsarbeit bei Hertha BSC". Aus seiner Sicht verzerre die Konzentration auf vermeintlich antiquierte Methoden den Blick aufs Wesentliche: "Es wird oft von Magath und dem Medizinball geredet. Aber selten davon, dass meine Mannschaften kaum Probleme mit Verletzungen hatten. Dass beim Magath meistens alle fit waren." Auch das oft genannte Beispiel sich wegen der Trainingsintensität übergebender Spieler hält Magath für unfair.

"Wird mir und meiner Trainingsarbeit einfach nicht gerecht"

"Das ist sehr selten vorgekommen, und solche Zuspitzungen werden mir und meiner Trainingsarbeit einfach nicht gerecht", so der 68-Jährige. Der Spitzname 'Quälix' störe ihn deshalb aber nicht weiter. "Das ist ein Markenzeichen und eine Auszeichnung. Wenn Sie Leistung bringen wollen, müssen Sie über Ihre Grenzen gehen. Das können Sie nicht nebenbei machen, das ist dann eben auch anstrengend." Hertha BSC jedenfalls hat die Arbeitsweise von Magath zum Klassenerhalt geführt. Abgestiegen ist er in der Bundesliga überhaupt noch nie.

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Lars Pollmann  
04.06.2022