Eintrachts Japaner

Makoto Hasebe: Der Kaiser von Sevilla

Makoto Hasebe (m.) jubelt im Europa League-Finale gegen die Glasgow Rangers. Foto: Getty Images

Makoto Hasebe war im Europa League-Finale zwischen Eintracht Frankfurt und den Glasgow Rangers (1:1 / 5:4 i.E.) einer der glorreichen Helden. Nach dem Kaltstart setzt der 38-jährige Japaner in Sevilla seiner Profikarriere endgültig die Krone auf. 

Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Benjamin Heinrich

Dieser Mann ist ein Phänomen. Über Wochen hinweg war Makoto Hasebe bei Eintracht Frankfurt nur zweite Wahl. Auch im Europa League-Finale gegen die Glasgow Rangers nahm der Defensivspieler trotz des Ausfalls von Martin Hinteregger zunächst nur auf der Bank Platz. Trainer Oliver Glasner gab Almamy Toure den Vorzug und bot Tuta in der Mitte der Dreierkette auf. Nach 58 Minuten allerdings musste jener Hasebe dann doch ran. Beim Gegentreffer durch die Rangers verletzte sich Tuta und die Stunde Hasebes schlug. Der Routinier, der beim DFB-Pokal-Gewinn mit den Hessen 2018 noch 90 Minuten auf dem Feld stand, musste diesmal einspringen, ohne große Anlaufzeit. 

Überragend nach Einwechslung 

Und er war da. Er stand seinen Mann. Am Ende des Spiels, nach 65 kräftezehrenden Minuten, gewann er 100 Prozent seiner Zweikämpfe, war mit drei Tacklings zur Stelle, klärte einmal und fing zwei Bälle ab. Von seinen kurzen Pässen kamen 90 Prozent an. Hasebe gab der Mannschaft Sicherheit, strahlte eine unerschütterliche Ruhe aus. Trotz seiner nur 1,80 Meter war er als Libero ein Fels in der Brandung. Nach der Auswechslung des etatmäßigen Kapitäns Sebastian Rode kurz vor Ablauf der 90 Minuten übernahm Hasebe auch die Binde, führte das Team in der Verlängerung an und brachte es ins Elfmeterschießen. Was dort passierte, ist Geschichte. Die Geschichte eines ganzen Klubs, einer ganzen Stadt. 

Prägende Figur seit 2014

Hasebe, der in Deutschland DFB-Pokalsieger (2018 mit der Eintracht) und Deutscher Meister (2009 mit dem VfL Wolfsburg) wurde, krönte sich nun auch mit einem europäischen Titel. Als Libero prägte er über Jahre hinweg mit seiner Ruhe am Ball, seinem präzisen Spiel, seiner Cleverness in den Zweikämpfen das Spiel der Eintracht, wo er seit 2014 unter Vertrag steht und seitdem 263 Pflichtspiele (zwei Tore, fünf Vorlagen) absolvierte. Hasebe erlebte den Klub von Existenzängsten in der Relegation 2016 bis hin zu Pokalsiegen und magischen Nächten in Europa. Dass er seinen Vertrag bei der Eintracht noch einmal bis 2023 verlängert und zudem einen Anschlussvertrag unterschrieben hat, spricht für seine hohe Identifikation mit Klub und Stadt. In Frankfurt ist er heimisch geworden. Und stets bescheiden geblieben. Trotz historischer Erfolge.

Kaiser unter sich 

Durchaus bemerkenswert war, dass einen 83-jährigen Sportjournalisten am Donnerstagvormittag am Flughafen von Sevilla ein Anruf ereilte. Franz B. blinkte auf dem Smartphone auf. Kein Geringerer als "Kaiser" Franz Beckenbauer gratulierte zum historischen Europa League-Triumph der Frankfurter. Der heute 76-Jährige ging als der wohl beste Libero aller Zeiten in die Fußballgeschichte ein. Von den Erfolgen Beckenbauers ist Hasebe durchaus noch ein großes Stück entfernt und wird diese in seinem fortgeschrittenen Fußballeralter auch nicht mehr erreichen. 547 Pflichtspiele bestritt der "Kaiser" für den FC Bayern München, schoss 58 Tore und bereitete 74 weitere vor. Doch am 18. Mai 2022 krönte sich auch Hasebe zum Kaiser. Zum Kaiser von Sevilla. 

Benjamin Heinrich  
20.05.2022