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Krösche und Schmidt: Löst ein Duo die Eintracht-Vakanzen?

Markus Krösche (l.) und Roger Schmidt zu ihrer gemeinsamen Zeit in Leverkusen. Foto: Imago

Eintracht Frankfurt ist auf der Suche nach einem neuen Sportvorstand und einem neuen Trainer für die kommende Saison. Ein mögliches Szenario: Die Hessen lösen die beiden Vakanzen mit einem eingespielten Duo. 

Der erste Schritt ist durchaus getan. Markus Krösche hat seinen Vertrag als Sportdirektor von RB Leipzig zum 30. Juni einvernehmlich aufgelöst. Der Weg für einen Wechsel ist frei. Bei Eintracht Frankfurt gilt der 40-Jährige als einer der Topkandidaten auf die Nachfolge des scheidenden Sportvorstands Fredi Bobic (zu Hertha BSC). Bei den Hessen könnte der ehemalige Mittelfeldspieler den nächsten Schritt machen, umgekehrt müsste die Eintracht keine Ablöse für den neuen Sportvorstand zahlen. Bis zum 9. Mai soll in dieser Personalie Klarheit herrschen. 

Schmidt in Frankfurt auf der Liste

Gegenstand diverser Medienspekulationen war in dem Kontext auch Steffen Baumgart. Der Coach des SC Paderborn, mit dem Krösche den Klub von der 3. Liga in die Bundesliga geführt hatte, ist im Sommer ablösefrei auf dem Markt. Bei den Frankfurtern gehört er bislang wohl aber nicht zu den Topkandidaten auf die Nachfolge von Adi Hütter (wechselt nach der Saison für 7,5 Millionen Euro Ablöse zu Borussia Mönchengladbach). Ein anderer Coach hat es aber bereits in die Notizbücher der Verantwortlichen geschafft: Roger Schmidt von der PSV Eindhoven. Der 54-Jährige arbeitet erst seit dem Sommer 2020 beim niederländischen Topklub, forderte dort zuletzt öffentlich Verstärkungen für sein Team. Gut möglich, dass er sich bei Nichterfüllung seiner Wünsche schon nach einem Jahr neu orientiert, gegen eine entsprechende Ablöse versteht sich. Spannend würde die Personalie dadurch werden, weil sich Krösche und Schmidt bestens kennen. Ersterer arbeitete unter Schmidt fast zwei Jahre lang bei Bayer Leverkusen als Co-Trainer, zuvor spielte Krösche beim SC Paderborn auch eine Saison lang gemeinsam mit Schmidt und später auch unter ihm als Trainer. Der PSV-Coach, der neben seiner Tätigkeit als Chefcoach in Leverkusen und Paderborn auch schon bei Red Bull Salzburg und in China bei Beijing Guoan arbeitete, steht für aktiven, mutigen Fußball. Allesamt Attribute, mit denen sich auch Krösche bestens identifizieren kann - ebenso wie die Eintracht.

Havertz-Förderer im zweiten Anlauf zur Eintracht?

Schnelle Umschaltmomente, defensive Flexibilität, in alldem einen selbstbestimmten Spielstil und ein Faible für junge Talente: Auf den ersten Blick würde Roger Schmidt wohl perfekt zur Eintracht passen. Er gilt als großer Förderer von Kai Havertz (mittlerweile FC Chelsea), dem er nicht nur zum Bundesligadebüt, sondern auch zum Abitur verholfen hat. Auch an den Entwicklungen von Jonathan Tah, Julian Brandt oder Karim Bellarabi hatte der gebürtige Sauerländer seinerseits bei der Werkself maßgeblichen Anteil. Mit Bayer Leverkusen performte der Fußballlehrer zudem auch drei Jahre in Serie in der Champions League, kennt sich auf dem Parkett der Großen in Europa also bestens aus. Dass Schmidt charakterlich zuweilen als nicht ganz so pflegeleicht eingestuft wird und gerne mal aus sich heraus kommt, könnte in Frankfurt nicht unbedingt als Hindernis gelten. Vor allem für den Fall, dass mit Krösche eine Vertrauensperson mit an den Main kommt, der den extrovertierten Schmidt zu nehmen weiß, obgleich die Rollenverteilung eine andere wäre.
 

Nach dem Schmidt-Aus bei Bayer 2017 sagte Krösche bei Sport1 über seinen Chefcoach: „Roger ist absolut authentisch, er hat sich nie verstellt. Und das ist auch gut so, denn so wurde er zu dem Trainer, der er heute ist. Er ist ein sehr emotionaler Mensch, der extrem perfektionistisch und ehrgeizig ist. In jeglicher Hinsicht. Man kriegt 100 Prozent Roger Schmidt, wenn man mit ihm zu tun hat. Er wird so bleiben, kann sich gar nicht verstellen.“ Eintrachts Führungsspieler Martin Hinteregger sagte im Interview mit Spox 2018 über Schmidt, der ihn in Salzburg von 2012 bis 2014 trainiert hatte: "Er ist der genialste Trainer, den ich je hatte. Jeder hat ihn geliebt." Nach dem Abschied von Adi Hütter könnte der derzeitige Eindhoven-Coach wohl ein Kandidat sein, der auch Hinteregger in Zukunft zur Höchstform antreibt. 2014 war Schmidt übrigens schon einmal Topkandidat bei der Eintracht - damals auf die Nachfolge von Armin Veh. Am Ende entschied er sich aber für Bayer. Das könnte diesmal anders sein.

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Benjamin Heinrich  
27.04.2021