Bayern-Boss will Evolution statt Revolution

Krankes System Fußball? Rummenigge findet es "vermessen"

Rummenigge findet, dass die Kritik zu weit geht. Foto: Robert Michael/Pool via Getty Images
Rummenigge findet, dass die Kritik zu weit geht. Foto: Robert Michael/Pool via Getty Images

Trotz der Coronakrise haben in diesem Sommer bereits einige hochpreisige Transferdeals für Schlagzeilen gesorgt. Von einer oft geforderten Mäßigung bei Ablösen und Gehältern kann wohl eher nicht die Rede sein. Karl-Heinz Rummenigge fiel selbst mit Forderungen auf, spricht nun gemäßigter.

"Ich finde es vermessen, wenn ich von Fangruppierungen lese, dass der Fußball ein krankes System ist. Was ist dann mit den Firmen der Luftfahrtbranche? Die Tourismus- oder die Gastronomiebranche?", fragt er gegenüber dem kicker rhetorisch. Die Coronakrise stelle alle Zweige vor große Herausforderungen, die einer gemeinschaftlichen Antwort bedürfen. "Wir werden keine Lösung exklusiv in Deutschland finden, sie muss in Europa und in der Welt gefunden werden", so Rummenigge.

"Ein bisschen rationaler"

Seine Vorstellung lautet dabei, den Fußball "ein bisschen rationaler zu machen". Es habe durchaus Exzesse gegeben, einmal mehr greift der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern dabei das Beispiel des Transfers von Neymar vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain auf. Allerdings gelte es auch anzuerkennen, dass Fußball schon seit jeher gewisse Sonderstellungen eingenommen habe. "Ich erinnere mich gerne daran, was ein Franz Beckenbauer schon damals verdient hat - und das auch zu Recht." Top-Spieler hatten demnach schon früher einen Status wie sonst vielleicht nur Filmstars aus Hollywood.

"Keine Revolution, sondern Evolution"

Dennoch gelte es, gewisse Auswüchse zu vermeiden und dafür mit sachlicher Arbeit die richtigen Lösungsansätze zu finden. Rummenigge will dabei nach seinem Ausscheiden beim FC Bayern Ende des kommenden Jahres nicht mehr in der erste Reihe stehen. "Der Fußball braucht keine Revolution, er braucht eine Evolution. Diese Evolution würde ich immer mit großer Sensibilität vorantreiben", sagt er aber. Der einstige Weltklasse-Stürmer stand neben seiner Tätigkeit in München jahrelang der Klubvereinigung ECA vor.

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Lars Pollmann  
17.08.2020