Baumann begründet Trennung

Kohfeldt musste "einen Fußball spielen, den er nicht spielen lassen will und kann"

Florian Kohfeldt ist nicht mehr Cheftrainer von Werder Bremen. Foto: Imago.
Florian Kohfeldt ist nicht mehr Cheftrainer von Werder Bremen. Foto: Imago.

Nach dem DFB-Pokal-Halbfinale gegen RB Leipzig wurde Florian Kohfeldt das Vertrauen ausgesprochen, wenige Wochen später gab Werder Bremen jedoch die Trennung vom Cheftrainer bekannt. Laut Sportchef Frank Baumann hängt diese Entscheidung auch mit der Diskrepanz zwischen Kohfeldts bevorzugter Spielidee und den Gegebenheiten des Kaders zusammen.

Bei der Wahl der spieltaktischen Aufstellung und dem damit einhergehenden System bringen Fußballtrainer grundsätzlich ihre eigenen Ideen mit. Jedoch müssen sie zwangsläufig Kompromisse eingehen, da der Kader speziell zu Beginn einer Amtszeit womöglich nicht unbedingt auf die Spielidee ihres neuen Trainers ausgerichtet ist. Oder aber es erfolgt wie im Falle von Werder Bremen ein Umbruch, der größere Folgen mit sich bringt als zunächst gedacht.

Die Probleme sind seit geraumer Zeit bekannt

Seit dem Abschied von Max Kruse im Sommer 2019 ist vom Offensivfußball, durch den sich Florian Kohfeldt und der SV Werder zuvor ausgezeichnet haben, wenig zu sehen. Stattdessen präsentieren sich die Bremer bei eigenem Ballbesitz ideenlos, gegen den Ball wird indes tief und kompakt verteidigt. In den vergangenen Wochen begann die Defensive jedoch zu bröckeln - und die Probleme im Offensivbereich wurden noch offensichtlicher. 

"Kohfeldt hat viele Ansätze gewählt"

Egal, durch welche Veränderungen Kohfeldt die Mannschaft wieder in die Erfolgsspur bringen wollte, es vermochte ihm nicht zu gelingen. "Flo hat viele Ansätze gewählt, um die Mannschaft zum Klassenerhalt zu führen. Wenn das dauerhaft nicht zum Guten führt, dann passiert etwas in der Mannschaft", weiß Sportchef Frank Baumann, der sich im Sport1-Doppelpass zur Trennung vom 38-Jährigen äußerte. "Florian musste aus seiner Sicht in unserer Situation auch einen Fußball spielen, den er eigentlich gar nicht spielen lassen will und kann. Das hat wohl auch dazu geführt, dass er es in dieser Situation jetzt nicht vermitteln konnte", blickte Baumann auch auf die vergangenen zwei Jahre zurück, in denen Werder jeweils gegen den Abstieg spielte und eine Entwicklung auf dem Platz vermissen ließ.

"Der Glaube ist verloren gegangen"

Selbstverständlich ist der Trainer nicht alleine für den sportlichen Absturz seit jenem Sommer 2019 verantwortlich. Auch zwei missglückte Transferperioden sowie die heftigen finanziellen Einbußen durch die Corona-Pandemie haben dazu beigetragen, dass die Bremer erneut gegen den Abstieg spielen. Nun erhoffen sich die Verantwortlichen, vor dem letzten Spieltag einen Impuls setzen zu können, um den Klassenerhalt doch noch feiern zu dürfen: "Gestern die Entwicklung in Augsburg mit der Überzahl, die wir nicht nutzen konnten - und auch die Ratlosigkeit auf dem Platz -, hat uns zu der Überzeugung kommen lassen, dass der Glaube der Mannschaft an diese Konstellation verloren gegangen ist", sagte Baumann. Thomas Schaaf soll den Glauben wieder aufleben lassen.

Florian Bajus  
16.05.2021