Marketingvorstand für die Ausgliederung?

Jobst: Schalke "schneller in existenziell bedrohlicher Schieflage als andere Klubs"

Bei den Fans von Schalke ist der eingetragene Verein viel wert. Foto: INA FASSBENDER/AFP via Getty Images
Bei den Fans von Schalke ist der eingetragene Verein viel wert. Foto: INA FASSBENDER/AFP via Getty Images

Für den FC Schalke 04 kam zuletzt viel zusammen: Eine sportlich katastrophale Rückrunde, wirtschaftliche Sorgen und dann auch noch die Coronakrise. Um dieser Gemengelage Herr zu werden, steht immer wieder eine Ausgliederung auf dem Zettel. Bei den Fans kommen diese Gedanken nicht gut an, Alexander Jobst betreibt sie dennoch.

Das Vorstandsmitglied, auf Schalke unter anderem für Marketing zuständig, schreibt in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt, das Wirtschaftsmodell Profifußball sei "schlichtweg nicht krisenresistent". Dies gelte aber in besonderem Maße für Klubs wie Schalke, die noch in vergleichsweise altmodischen, bei Anhängern aber liebgewordenen Strukturen verharren. Der Status als eingetragener Verein sorge für "beschränkte Finanzierungsmöglichkeiten", moniert Jobst. Die könne sich Schalke aber eigentlich nicht leisten, weil Altlasten und ausbleibender Erfolg eine gefährliche Mixtur darstellen.

"Spürbar herunter skalieren"

"All das führt dazu, dass wir schneller in eine auch existenziell bedrohliche Schieflage geraten können als andere Klubs", so Jobst drastisch. Momentan hänge die Wirtschaftlichkeit des Unterfangens am Standort in Gelsenkirchen sehr von Einnahmen ab, die sportlichen Erfolg voraussetzen. Konkret sind die europäischen Fleischtöpfe gemeint, an denen S04 längst nicht mehr jedes Jahr teilhat. Sofern sich dies nicht wieder zum Guten wendet, "müssen wir das wirtschaftliche Niveau spürbar herunter skalieren", so Jobst.

"Einzigartige Struktur" erarbeiten

Dies gelte grundsätzlich auch, "falls wir weiter an den traditionellen Vereinsstrukturen festhalten". Spätestens damit ist alles gesagt. Jobst treibt eine Abkehr vom eingetragenen Verein voran, rührt die Werbetrommel. Immerhin bräuchte es die Dreiviertelmehrheit einer Mitgliederversammlung. Den Begriff der Ausgliederung vermeidet der Schalke-Vorstand dabei. Es gehe darum, "an einer einzigartigen, zukunftsfähigen Struktur zu arbeiten, die perfekt zu Schalke passt und alle Mitglieder überzeugt". Das klingt fürs erste mehr nach frommem Wunsch denn realistischem Szenario.

Profile picture for user Lars Pollmann
Lars Pollmann  
13.08.2020