Junger Trainer

Reporter-Legende hinterfragt: Ist Nagelsmann der richtige Coach für Bayern?

Julian Nagelsmann coachte zuvor RB Leipzig. Foto: Getty
Julian Nagelsmann coachte zuvor RB Leipzig. Foto: Getty

Julian Nagelsmann führt mit dem FC Bayern die Tabelle der Bundesliga an und in der Champions League ist das Erreichen der K.o.-Runde bereits perfekt. Querelen rund um den Verein und das Corona-Chaos erschweren dem jungen Trainer das Arbeiten in München, was wohl auch manche Pflichtspiel-Niederlage wie das vorzeitige Aus im DFB-Pokal entschuldigt. Der erste Experte äußert nun aber auch Zweifel daran, ob Julian Nagelsmann der richtige Trainer für Bayern München ist.

Raimund Hinko stieg einst zum bestinformierten Journalisten in Sachen FC Bayern auf und hatte maßgeblichen Anteil am Aufstieg der Sport Bild. Für das Fachmagazin schreibt die Reporter-Legende nun einmal pro Woche noch eine Kolumne namens Meine Bayern. In Briefform und zumeist blumiger Sprache als Stilmittel werden dabei oftmals in Nebensätzen Insider versteckt, die einigen Bayern-Fans große Freude bereiten. Allerdings teilt Hinko in seiner aktuellen Kolumne heftig gegen Trainer Julian Nagelsmann aus. Sein "Brief" richtet sich an Oliver Kahn, unter anderem fragt Hinko Bayerns Vorstandschef:

"Mit ihm [Nagelsmann; Anm. d. Red.] habt ihr sicherlich einen sehr guten Trainer verpflichtet. Doch genügt das für eine komplizierte Mannschaft wie den FC Bayern, die so hochsensibel auf die kleinsten Unebenheiten reagiert?"

Hinko führte aus, dass der FC Bayern eher mit "erfahrenen, gereiften" Trainern wie den Triple-Gewinnern Jupp Heynckes und Hansi Flick erfolgreich funktioniere. Nagelsmann sei dagegen erst 34 Jahre alt und wirke noch "ungestüm", angefangen dabei, dass er Namen von Spielern falsch ausspreche oder ihnen gewöhnungsbedürftige Spitznamen gebe: "Er spricht Kimmich mit 'Josch' an, obwohl der betont, das er 'Jo-s-h-ua' heißt und nicht Joschua."

Aufstellung mit Richards und Sabitzer ein Fehler?

Dann kam Hinko auch noch auf das Sportliche und die 1:2-Niederlage des FC Bayern in der Bundesliga beim FC Augsburg zu sprechen. "Ein erfahrener Trainer hätte sich vor dem Augsburg-Debakel niemals auf Computer-Werte eingelassen und auf einen Mann aus der zweiten englischen Liga (Omar Richards) als Linksverteidiger eingelassen (siehe auch Abteilung Kaderplanung), sondern natürlich von Anfang an auf Alphonso Davies gesetzt, auch wenn der mit nur einer Sekunde Schlaf aus Kanada zurückgekehrt wäre", kritisierte Hinko die Aufstellung der Bayern und legte nach: "Ein erfahrener Trainer hätte auch nicht auf 'Sabi' [Marcel Sabitzer; Anm. d. Red] gesetzt, der bei allen spielerischen Qualitäten in der Mannschaft fremdelt, sondern vor einem 6er Leon Goretzka auf Jamal Musiala, der auch defensive Aufgaben erledigen kann und der – vor allem – nach vorne einen ausspielen kann."

Hinko gab sich am Ende der Kolumne jedoch versöhnlich. "Damit wir uns nicht falsch verstehen, lieber Oliver", schrieb Hinko abschließend an Kahn und ergänzte: "Nagelsmann kann die Kurve durchaus noch kriegen." Schließlich hätten auch Erfolgscoaches wie Jupp Heynckes zu Beginn ihrer Karriere Fehler begangen.

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Daniel Michel  
25.11.2021