Ausgeschiedener Geschäftsführer

"Ideologie statt Inhalte": Schäfer kritisiert Kultur bei 96

Zusammenhalt gibt es in Hannover allenfalls auf dem Platz. Foto: Getty Images
Zusammenhalt gibt es in Hannover allenfalls auf dem Platz. Foto: Getty Images

Hannover 96 geht für viele Beobachter als Mitfavorit in die neue Saison der 2. Bundesliga. Abseits des Platzes war es bisher einmal mehr ein ereignisreicher Sommer für die Niedersachsen. Unter anderem wurde der Vertrag von Robert Schäfer nach nur einem Jahr aufgelöst.

Der 46-Jährige sollte als Geschäftsführer eines Tages die Nachfolge von Klubpatron Martin Kind antreten, die Verpflichtung erwies sich jedoch schnell als Missverständnis. Schäfer sieht sich dabei gewissermaßen als Opfer einer Entwicklung, die vor seiner Ankunft begonnen habe und seinen Abschied bei den 96ern überdauere. "Ich musste feststellen, dass die Konflikte und Fronten bei 96, die schon lange vor meinem Vertragsbeginn bestanden haben, fortgeführt wurden, und von den Gesellschaftern auch in Bezug auf meine Anstellung nie gelöst werden konnten", erklärt er gegenüber der Bild-Zeitung.

"Die Züge rasen immer wieder aufeinander zu"

Schäfer zeichnet ein verheerendes Bild von der Kultur, die bei Hannover herrsche: "Es geht aus meiner Wahrnehmung nach hier mehr denn je um Ideologie statt um Inhalte, deshalb rasen die Züge auch immer wieder aufeinander zu." Im Zentrum des Konflikts stehen dabei die Profiabteilung auf der einen und die Vertreter des eingetragenen Vereins auf der anderen Seite. Schäfer schlug von letzterer von Anfang an Ablehnung entgegen, er habe aber geglaubt, mit inhaltlicher Arbeit überzeugen zu können.

"Ideologie überlagert in Hannover das Tagesgeschehen"

"Wie sehr die Ideologie in Hannover das Tagesgeschehen überlagert, das haben dann vielleicht alle unterschätzt, ganz gleich wie sehr allen das Wohl von 96 am Herzen liegt", sinniert Schäfer nun. Sein Vertrag endete zum 01. Juli, der frühere Vorstandsboss von Fortuna Düsseldorf wägt seine nächsten Karriereschritte ab. Dem Ex-Klub wünscht er sportlich eine gute Zukunft. "Die Ausgangsposition für die neue Saison ist eine bessere als die vor einem Jahr. Ich hoffe, dass das zum Erfolg und letztlich zum Aufstieg führt."

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Lars Pollmann  
09.07.2022