EURO-Champion

Hymnen-Hype: Selbst Italien sang nicht immer inbrünstig

Die italienische Nationalmannschaft gilt als besonders singfreudig. Foto: Imago
Die italienische Nationalmannschaft gilt als besonders singfreudig. Foto: Imago

Für viele Fußballfans stellen die Nationalhymnen gerade bei den großen Turnieren im Sommer schon vor dem Anpfiff der Spiele ein absolutes Highlight dar. Der Diskurs um die Hymnen nimmt dabei bisweilen ein Eigenleben an. Für manche Beobachter scheinen deshalb Sieg oder Niederlage schon vor dem ersten Kick entschieden.

Die Diskussionen rund um Mesut Özil beim DFB-Team haben sich vor Jahren auch an diesem Thema entzündet. Bei der vorige Woche geendeten EURO keimte in der Schweiz die Frage auf, warum kaum ein Spieler die Hymne mitsingen mag. Zum Running Gag hat sich in den sozialen Medien der Verweis auf Spanien entwickelt. Womöglich gibt es immer noch Menschen auf diesem Planeten, die nicht wissen, dass 'La Marcha Real' eine der seltenen Hymnen ist, die ohne einen Text auskommen.

Lautes Finale gegen England

Als Paradebeispiel für all jene, die dem Mitsingen der Nationalhymnen große Bedeutung beimessen, gilt seit vielen Jahren Italien. Wenn Leonardo Bonucci, Giorgio Chiellini und Co. voller Inbrunst und Begeisterung den 'Canto degli Italiani' schmettern, geht selbst Fans anderer Nationen das Herz auf. Beim EURO-Finale gegen England gab es allerdings eher eine Patt-Situation, weil auch die Spieler von England bei 'God save the Queen' auf hohe Dezibel-Zahlen kommen.

Früher blieb auch Mancini stumm

Hinsichtlich des Stolzes, mit dem die Italiener ihre Hymne in den Abendhimmel von Wembley brüllten, ist durchaus bemerkenswert, dass es sich um eine vergleichsweise junge Entwicklung handelt. Wie das obige YouTube-Fundstück zeigt, gehörte das laute Mitsingen bei der Squadra Azzurra noch 1988 keineswegs automatisch dazu. Beim Eröffnungsspiel der EURO in Düsseldorf sang seinerzeit weder der heutige Cheftrainer Roberto Mancini mit, noch sein Assistent Gianluca Vialli. Nur Carlo Ancelotti und Walter Zenga beteiligten sich am Gesang. Das DFB-Team von Franz Beckenbauer hingegen sang damals geschlossen mit. Das Spiel endete übrigens 1:1, der stumme Mancini traf für Italien.

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Lars Pollmann  
17.07.2021