Späte Selbstkritik

Hütter: "Meine Arbeit war die letzten Wochen nicht gut genug"

Ein enttäuschter Eintracht-Trainer Adi Hütter gab sich nun auch selbstkritisch. Foto: Imago

Frankfurts Trainer Adi Hütter übte vor seinem letzten Spiel für die Hessen mit Blick auf die verpasste Champions League-Qualifikation Selbstkritik und stimmte in Richtung seiner Kritiker versöhnliche Töne an. Statements, die für die meisten Fans von Eintracht Frankfurt wohl dennoch zu spät kommen.

Die Vorwürfe gegen Adi Hütter, Trainer von Eintracht Frankfurt, wurden in den vergangenen Wochen immer stärker. Der Österreicher wird die Hessen nach der Saison zu Borussia Mönchengladbach verlassen, hatte nicht nur die Fans mit seinem Verbleib-Versprechen, dem anschließenden Wortbruch und diversen Interviews massiv verärgert. Kern der Kritik war zuletzt vor allem auch mangelnde Selbstkritik des 51-Jährigen. Auf Nachfrage von fussball.news erklärte Hütter nun vor seinem letzten Spiel gegen den SC Freiburg am Samstag (15:30 Uhr): "Dass einige enttäuscht sind, kann ich absolut nachvollziehen. Dass wir sportlich sieben Punkte Vorsprung hergegeben haben, ist zu kritisieren. Ich bin auch, was meine Arbeit die letzten Wochen betrifft, nicht zufrieden. Ich will nicht sagen, dass es enttäuschend war, aber es war einfach nicht gut genug, um hier allen eine unglaubliche Freude zu bereiten. Das ist das, was mich stört." Die Eintracht hatte in den vergangenen fünf Spielen nach Hütters bekanntgewordenen Wechsel sieben Punkte Vorsprung auf Platz fünf (Borussia Dortmund) verspielt und hat einen Spieltag vor Schluss keine Chance mehr auf die Königsklasse. Gleichzeitig sagte Hütter auch: "Wir sind an uns selbst gescheitert, nicht an Borussia Dortmund." 

Hütter wehrt sich gegen Kritik - und vergisst Hellmann

Den Vorwurf der mangelnden Selbstreflektion wollte Hütter in diesem Kontext aber nicht stehen lassen: "Das lasse ich mir nicht gerne vorwerfen. Dafür bin ich zu lange im Geschäft, dafür habe ich mich 13 Jahre über Wasser gehalten. Mir ist es immer wichtig, dass man sich selbst hinterfragt und mit sich selbst beschäftigt. Das habe ich auch getan. Ich habe immer gesagt, dass Kritik angebracht ist, wenn man sportlich nicht die Leistungen bringt. Und dafür bin ich verantwortlich." Für die Kritik von außen habe er Verständnis: "Die muss man manchmal auch runterschlucken. Das gehört zum Geschäft dazu." Der Vorarlberger wollte seinen Blick aber gar nicht zu sehr auf die letzten Wochen legen, sondern nutzte die Gelegenheit um diversen Weggefährten bei der Eintracht zu danken. Explizit hob er dabei Sportdirektor Bruno Hübner, Sportvorstand Fredi Bobic, Aufsichtsratsboss Philip Holzer sowie den Ehrenaufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Steubing, aber auch Finanzvorstand Oliver Frankenbach und Vereinspräsident Peter Fischer hervor. Vorstandssprecher Axel Hellmann, der Hütters mangelnde Selbstkritik öffentlich rügte, nannte er hingegen nicht.

"Emotionen werden gehen, Fakten bleiben"

Auch an die Fans richtete er seinen Dank: "Ich kann mich einfach nur bei allen bedanken. Auch bei denen, die jetzt enttäuscht sind und unglaubliche Kritik äußern. Auch bei ihnen möchte ich mich für drei unglaubliche Jahre und unglaubliche Reisen durch Europa bedanken. Auch wenn viele jetzt böse sind, möchte ich Danke sagen für eure Unterstützung – auch für meine Person." Die Stimmung im Frankfurter Stadion werde er "unglaublich vermissen". Seine Bilanz in den drei Jahren sei durchaus positiv, der kommende Trainer von Borussia Mönchengladbach listete die Erfolge auf: "Emotionen werden vergehen, Fakten werden bleiben. Wir waren dreimal unter den ersten Zehn, im Pokalhalbfinale, sind dieses Jahr knapp an der Champions League gescheitert. Wir haben Spieler, die super Leistungen gebracht haben, verkaufen können. Wir sind super durch die Pandemie gekommen und haben auch jetzt mit Andre Silva jetzt ein Spieler herausgebracht, der den Torrekord von Bernd Hölzenbein gebrochen hat." Zudem werde er den Klub letztlich so hinterlassen, wie er ihn vorgefunden hat: "Ich bin hergekommen und habe den Verein in einer Europa League-Saison übernehmen dürfen und übergebe ihn auch wieder in einer Europa League-Saison." Nicht nur deshalb werde er den hessischen Traditionsklub "mit guten Momenten in Erinnerung behalten. Eintracht Frankfurt hat mich zu einem besseren Trainer gemacht." 

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Benjamin Heinrich  
20.05.2021