Auftakt 29. Spieltag

HSV gewinnt packendes Derby - Darmstadt übersteht KSC-Powerplay

Bild: Der Hamburger SV hält sich im Aufstiegsrennen. Foto: Getty
Bild: Der Hamburger SV hält sich im Aufstiegsrennen. Foto: Getty

Zum Auftakt des 29. Spieltags in der 2. Bundesliga standen sich am Freitagabend im Derby der Hamburger SV und St. Pauli gegenüber. Zudem traf Tabellenführer Darmstadt 98 auf den Karlsruher SC. Das Roundup:

Der HSV und St. Pauli gingen jeweils mit einer Niederlage ins Derby. Der HSV hatte zuletzt 0:2 beim 1. FC Kaiserslautern verloren, St. Pauli unterlag nach einer Siegesserie von zehn Spielen zuletzt zu Hause Eintracht Braunschweig mit 1:2. HSV-Coach Tim Walter nahm nun in der Startelf drei Änderungen vor: Jonas Meffert, Moritz Heyer und Jean-Luc Dompe ersetzten Noah Katterbach, Anssi Suhonen sowie Laszlo Benes. St.-Pauli-Coach Fabian Hürzeler brachte neu in der Startelf Eric Smith und Afeez Aremu für Adam Dzwigala und Connor Metcalfe.

Der HSV drängte in den ersten Minuten des Spiels St. Pauli deutlich in die eigene Hälfte, ein erster Kopfball aus der Distanz von Sebastian Schonlau nach zehn Spielminuten flog aber deutlich über das Tor der Gäste. Doch in Minute 12 setzte St. Pauli zum Gegenschlag an. Oladapo Afolayan war auf der halbrechten Seite frei, er dribbelte mit Ball in den Strafraum, sein Schuss aus neun Metern wurde von Schonlau noch abgefälscht und ging ans Außennetz.

Kittel vergibt erste HSV-Chance

In der Folge versuchte der HSV seine Angriffe über die Flügel zu verstärken, die erste große Chance der Gastgeber ergab sich aber durch die Mitte. Sonny Kittel wurde in Minute 16 halbrechts im Strafraum freigespielt, sein Flachschuss aus spitzem Winkel zischte nur knapp am langen Pfosten vorbei.

Erneut aber wusste sich St. Pauli schnell zu helfen: Afolayan schnappte Miro Muheim den Ball weg und erzielte nach schnellem Antritt die Führung für die Gäste. Schiedsrichter Sven Jablonski gab den Treffer jedoch nicht, er machte einen Schlag von Afolayan beim Dribbling ins Gesicht von Muheim aus - eine umstrittene Entscheidung (17.).  

St. Pauli kam in Minute 21 aber zur nächsten Chance: Leart Paqarada flankte von halblinks flach und scharf in den HSV-Strafraum, zwei Verteidiger segelten am Ball vorbei, doch Lukas Daschner wirkte zu überrascht, um aus sechs Metern das Leder mit dem Oberschenkel über die Torlinie zu drücken.

Saliakas bringt St. Pauli in Führung

Die Partie nahm an Intensität zu, frühes Pressing und zahlreiche Zweikämpfe verlangten den 22 Profis auf dem Feld viel ab. Der erste Knall im Derby folgte dann in Minute 36: Nach einem zu kurz geratenen Befreiungsschlag von Moritz Heyer kombinierte St. Pauli schnell nach vorne. Daschner spielte dann an der Strafraumgrenze den Ball rechts zu Manolis Saliakas weiter. Der Grieche, freistehend, strebte zielorientiert in den Strafraum und schoss aus sieben Metern halbrechter Position flach ins kurze Eck zum 1:0! Großer Jubel auf der St.-Pauli-Bank, allerdings hatte HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes nicht die beste Figur abgegeben und die kurze Ecke nicht schnell genug geschlossen.

David egalisiert für den HSV

Der HSV wirkte geschockt, St. Pauli blieb am Drücker: Schonlau setzte kurz vor dem Strafraum zu einer wichtigen Grätsche inklusive Foul an St. Pauli-Angreifer Daschner an - dafür gab es die Gelbe Karte (43.). Jedoch konnte St. Pauli den Freistoß nicht für sich nutzen. Das sollte sich noch rächen: Nach einem HSV-Angriff bekam St. Pauli die Situation nicht geklärt, der Ball landete schließlich bei Jonas David. Aus 20 Metern halbrechter Position knallte der Verteidiger den Ball ins Kreuzeck und sorgte mit seinem Treffer zum 1:1 für eine Jubelexplosion im mit rund 57.000 Zuschauern ausverkauften Volkspark (44.).

Jatta und Heyer sorgen für HSV-Doppelpack

In der 2. Halbzeit startete der HSV stark in die Partie. Nach Einwurf von links verlagerte Schonlau mit einer Flanke das Spiel auf die rechte Strafraumseite von St.Pauli, zwei Defensivakteure rutschten am aufsetzenden Ball vorbei, was der durchstartende Bakery Jatta zu nutzen wusste: aus drei Metern schoss er den HSV mit 2:1 in Führung (48.).

Das Team von Trainer Tim Walter blieb am Drücker und legte vier Minuten später (52.) das 3:1 nach. Die Hamburger kombinierten ansehnlich über die rechte Seite, Sonny Kittel spielte auf Ludovit Reis, der wiederum mit feinem Füßchen perfekt auf Stürmer Robert Glatzel im Fünfmeterraum flankte. Glatzels Kopfball parierte St.-Pauli-Keeper Nikola Vasilj noch stark, doch Moritz Heyer setzte nach und erzielte aus sechs Metern das 3:1.

Doch ein möglicher HSV-Sieg war längst nicht gesichert. St. Pauli kam zurück in die Partie. Zunächst gab der eingewechselte Metcalfe einen Warnschuss aus 18 Metern ab (62.), dann scheiterte Paqarada an Heuer Fernandes (66.). Doch in der 71. Spielminute verkürzte St. Pauli auf 2:3: Der eingewechselte Elias Saad startete im richtigen Moment von der Mittellinie aus durch und, völlig alleingelassen von der HSV-Abwehr, schloss er im Strafraum erfolgreich mit einem Flachschuss ins linke Eck ab.

Hohes Tempo und viele Tore in der Schlussphase

Das Derby nahm nochmal unglaublich Fahrt auf. In der 74. Spielminute verfehlte ein Volleyschuss von Smith nur knapp das HSV-Tor. Fast im Gegenzug erhöhte der HSV auf 4:2 (78.): Jakov Medic konnte im Strafraum eine Hereingabe von Kittel nicht mehr richtig vor den herrannahenden HSV-Stürmern abwehren und bugsierte den Ball ins eigene Tor!

Doch die Gäste kämpften sich erneut zurück in die Partie: Nach Ecke von Marcel Hartel kam Jackson Irvine frei zum Kopfball und markierte das 3:4 aus Sicht von St. Pauli (79.). Danach begann das große Zittern beim HSV, doch St. Pauli konnte sich offensiv nicht mehr durchsetzen.

In einem packenden und hochklassigen Derby ging somit der HSV als Sieger vom Platz.

Karlsruhe geht in Darmstadt in Führung

Nach der 0:1-Niederlage bei Fortuna Düsseldorf stellte Darmstadt-Coach Torsten Lieberknecht seine Startelf nur auf einer Position um: Verteidiger Patric Pfeiffer ersetzte den verletzten Clemens Riedel. Karlsruhe-Trainer Christian Eichner wiederum tauschte nach dem zuletzt errungenen 4:2-Sieg gegen Arminia Bielefeld auf drei Positionen seine Startelf: Marcel Franke, Lucas Cueto und Fabian Schleusener kamen für Christoph Kobald, Leon Jensen und den gelbgesperrten Mikkel Kaufmann ins Team.

Darmstadt fand gut ins Spiel und Filip Stojilkovic konnte bereits nach drei Minuten den Ball im Tor der Gäste unterbringen, allerdings stand der Stürmer knapp im Abseits. Dann der Schock für den Tabellenführer: In der 11. Spielminute ging Karlsruhe in Führung. Nach Kombination über die rechte Seite passte Paul Nebel von der Grundlinie an den Fünf-Meter-Raum, wo Fabian Schleusener den Ball artistisch über die Linie drückte.

Manu und Tietz drehen die Partie

Zeitnah folgte allerdings die Antwort von Darmstadt, in der 26. Spielminute glückte der Ausgleich. Die Gastgeber fingen den Ball an der Mittellinie ab und beschleunigten das Tempo: Über Marvin Mehlem und Phillip Tietz gelangte das Leder zu Braydon Manu, der sicher zum 1:1 verwandelte. In der Folge neutralisierten sich beide Teams bis zur Halbzeit, abgesehen von einem KSC-Abschluss durch Marvin Wanitzek (44.).

In der 2. Halbzeit erwischte dann Darmstadt den besseren Start. Nach Ecke von links durch Fabian Schnellhardt köpfte Manu auf Tietz, der wiederum aus vier Metern zum 2:1 einköpfte (50.) - es war sein 9. Saisontreffer! Drei Minuten später hätte Stojilkovic auf 3:1 erhöhen können, er scheiterte aber an KSC-Keeper Marius Gersbeck.

Cueto vergibt drei Torchancen

Überraschend: Die Führung verlieh dem Tabellenführer keine Sicherheit, der KSC drängte in der Folge auf den Ausgleich, ließ aber zahlreiche gute Chancen durch Lucas Cueto (57., 67., 71.) und Philip Heise (68.) liegen. Auch im Schlussspurt konnte Karlsruhe seine Möglichkeiten vor dem Darmstädter Tor nicht mehr nutzen. Der eingewechselte Tim Rossmann verfehlte per Kopf den Ausgleich knapp (90.), zudem parierte Marcel Schuhen noch einen Distanzschuss von Marvin Wanitzek.

Tabellenführer Darmstadt ging somit als äußerst glücklicher Sieger vom Platz.

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Daniel Michel  
21.04.2023