2. Bundesliga

HSV bei Polzin-Debüt nur Remis, Schalke feiert Heimsieg

Hamburg war am Samstag in Rostock zu Gast. Foto: Getty Images
Hamburg war am Samstag in Rostock zu Gast. Foto: Getty Images

In den Samstagspartien des 22. Spieltags der 2. Bundesliga hat der Hamburger SV bei Hansa Rostock einen Sieg verpasst. Gleichzeitig holte der FC Schalke 04 gegen den SV Wehen Wiesbaden einen knappen Erfolg. Die Partie des SC Paderborn gegen Holstein Kiel stand phasenweise vor dem Abbruch.

Rostock vs. Hamburg (2:2)

Im 'Hansestadt-Derby' feierte Merlin Polzin sein Debüt als Interimstrainer des HSV, der im Aufstiegsrennen Tim Walter den Laufpass gegeben hatte. Sein Gegenüber Mersad Selimbegovic braucht jeden Punkt, um Rostock vor dem Abstieg zu bewahren. In der ersten Hälfte war kein großer Qualitätsunterschied zwischen den Teams zu erkennen, das optische Übergewicht der Rothosen hielt sich über weite Strecken in Grenzen. Große Chancen gab es so nur zwei: Robert Glatzel kam nach Steckpass von Ignace Van der Brempt nicht an Markus Kolke vorbei (9.), Jean-Luc Dompe überwand den Keeper mit einer feinen Einzelleistung. Dabei kam der Flügelspieler eher zufällig an den Ball, ging per per Übersteiger an Felix Ruschke vorbei und spitzelte den Ball mit dem Außenrist ins Netz (34.). In Rückstand traute sich Hansa öfter nach vorn, vor der Pause gab es eine Halbchance auf den Ausgleich: Dennis Dressel steckte zu Svante Ingelsson durch, dessen Anspiel ins Zentrum Nils Fröling knapp verpasste (45.+3).

Hansa dreht in der 2. Halbzeit auf

Nach dem Seitenwechsel drückte Rostock sofort auf den Ausgleich: Junior Brumado zielte nach schnellem Ingelsson-Einwurf knapp daneben (47.). Eine gute Chance für den HSV in Person von Immanuel Pherai wurde anschließend zum Bumerang. Nach einem geblockten Schuss des Mittelfeldmanns fuhr Hansa einen Konter, bei dem Juan Jose Perea eine butterweiche Flanke von Ingelsson aus kurzer Distanz nur noch über die Linie nicken musste (50.). Die Gäste schien der Gegentreffer etwas aus dem Konzept zu bringen, im Ballbesitz gelang nur noch wenig, defensiv geriet die Mannschaft bisweilen ins Schwimmen. Die Kogge war dem zweiten Treffer in dieser Phase näher als der HSV, Matheo Raab parierte die erste klare Chance dazu gegen Ingelssons Schuss aus spitzem Winkel (71.). 

Gegen den aktuellen Spielverlauf bot sich dann aber auch Hamburg die Top-Gelegenheit auf das Führungstor, Glatzel verzog nach feinem Anspiel von Pherai knapp (77.). Klingeln sollte es aber doch auf der anderen Seite: Ransford Königsdörffer spielte einen fatalen Fehlpass in Richtung des eigenen Tors, der wenige Augenblicke zuvor eingewechselte Sveinn Aron Gudjohnsen bedankte sich aus spitzem Winkel mit dem 2:1 (82.). Die Führung hatte allerdings nur kurz Bestand, da Glatzel eine Hereingabe von Pherai verwerten konnte. Rostock war dabei verärgert, weil Janik Bachmann während des Angriffs angeschlagen auf dem Boden lag, Hamburg aber den Ball nicht herausspielte (86.).

In der Nachspielzeit hatte Ingelsson die Gelegenheit, die Heimmannschaft wieder in Führung zu bringen, scheiterte aber erneut an Raab (90.+1). Auf der Gegenseite zielte Van der Brempt mit einer Direktabnahme links vorbei (90.+4). Den letzten Hochkaräter entschärfte Raab bei einer Distanz-Fackel von Dressel (90.+8). So endete die Partie mit einer Punkteteilung, die Hansa Rostock sicher besser schmeckt, das immerhin auf den Relegationsplatz springt. Der Hamburger SV verliert auf Platz drei den Anschluss an die direkten Aufstiegsplätze.

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Schalke vs. Wehen Wiesbaden (1:0)

Auf Schalke stieg ein tabellarisches Nachbarschaftsduell, auf das vor der Saison kaum jemand gesetzt hätte, Aufsteiger Wehen ging dabei sogar mit vier Punkten Vorsprung in die Partie. Die bot in den ersten 45 Minuten dann auch Fußball, wie man ihn sich bei den Teams auf den Rängen 13 und 14 vorstellt: In der Offensive fehlte es an Esprit und Genauigkeit, vor allem Schalke enttäuschte trotz ordentlichen Engagements. Die einzige echte Torchance verzeichnete so der Gast: Lasse Günther schüttelte Cedric Brunner am Flügel ab und legte in den Rückraum. Franko Kovacevic zog ab, sein Schuss wurde aber vor der Linie vom einspringenden Tomas Kalas geblockt (14.).

Ein Strafstoß sorgt für Beruhigung

Die zweite Hälfte konnte somit eigentlich nur ansehnlicher werden. Tatsächlich schienen beide Team bemüht, den Zuschauern mehr Spektakel zu bieten, ein abgefälschter Schuss von Kenan Karaman bot jedenfalls mal den Anflug von Schalker Torgefahr (47.). Besonders nachhaltig war das Plus an Offensivszenen nicht, es blieb Magerkost, die auf Schalke zu sehen war. Einen Treffer gab es dennoch, weil Aleksandar Vukotic gegen Darko Churlinov ungestüm drüber hielt. Den fälligen Strafstoß verwandelte Karaman zur 1:0-Führung (60.). Wehen Wiesbaden vergrößerte in der Folge das offensive Engagement, ohne allerdings zielgerichtet in die Gefahrenzone zu gelangen. Schalke verlegte sich auf die Abwehrarbeit, wartete wohl auf die Chance, per Konter zur Entscheidung zu kommen. Die Begegnung plätscherte so ihrem Ende entgegen, erst kurz vor Schluss gab es bei einem Abschluss von Hyun-ju Lee mal wieder Torgefahr, der sich aber mehrere S04-Profis entschlossen entgegenwarfen und blocken konnten (89.). Auch in der sechsminütigen Nachspielzeit hielt das Bollwerk stand.

Der FC Schalke 04 bleibt damit zwar 14. der Tabelle, nähert sich aber dem Mittelfeld der 2. Liga an. Der SV Wehen Wiesbaden liegt auf Rang 13 nur noch einen Zähler entfernt.

Paderborn vs. Kiel (0:4)

In Ostwestfalen wollten die Störche nach Punkten zum Tabellenführer St. Pauli aufschließen, während der SCP sich mit einem Sieg so richtig im Aufstiegsrennen anmelden wollte. Ein großes Abtasten sparten sich die Teams, es gab frühe Chancen. Dabei scheiterte Koen Kostons zweimal an Timon Weiner (4., 15.), während Colin Kleine-Bekel drüber köpfte (9.). Nach leichten Feldvorteilen für Paderborn zu Beginn übernahm anschließend Kiel das Zepter, profitierte von der Führung: Timo Becker spielte Shuto Machino im Halbraum an, der Japaner leitete stark mit der Brust in den Lauf von Finn Porath weiter. Dessen wuchtiger Schuss fand über den Innenpfosten den Weg ins Tor (16.). 

Kiel dominierte nun phasenweise ohne großen Gegnerdruck, das zweite Tor gelang in einer Gegenbewegung: Lewis Holtby schickte Steven Skrzybski steil, der Laurin Curda entlaufen war. Vor Torhüter Pelle Boevink bewahrte der Routinier die Coolness und lupfte zum 0:2 ein (33.). Im gleichen Duell verhinderte Boevink anschließend die mutmaßliche Entscheidung (35.). 

Eine weitere Partie am Rande des Abbruchs

Im zweiten Durchgang sollte das dritte Tor dann allerdings nicht lange auf sich warten lassen. Marvin Schulz konnte vergleichsweise ungehindert durchs Zentrum kommen, Boevink sah bei dem nicht unhaltbar wirkenden Schuss wenigstens unglücklich aus (52.). War das Spiel damit gegessen? Wenn Paderborn noch was dagegen hatte, musste schnell etwas passieren. Adriano Grimaldi zum Beispiel kam völlig freistehend zum Kopfball, den er aber aus fünf Metern links vorbei setzte (58.). Kurz darauf begannen die dieser Tage üblichen Proteste gegen den geplanten Investoren-Deal der DFL, die für zunächst rund neun Minuten Unterbrechung sorgten. Als das Spiel weitergehen sollte, flogen die nächsten Gegenstände aus den Kurven, sodass Schiedsrichter Patrick Alt beide Teams in die Kabinen schickte. Während dieser längeren Unterbrechungen suchte SCP-Coach Lukas Kwasniok den Dialog mit den Fans im Heim-Block. Erst nach einer knappen halben Stunde kehrten die Beteiligten aus den Katakomben zurück aufs Feld. 

Offiziell ging es mit der 70. Minute weiter, kurz darauf hatte Machino frei vor Boevink die Gelegenheit, allerletzte kleine Zweifel zu beseitigen, ließ sich aber von Maximilian Rohr abkochen (73.). Theoretisch blieb Paderborn so im Spiel vor allem angesichts der langen Nachspielzeit, die noch kommen sollte. Es wollte aber offensiv einfach kaum etwas gelingen. Sinnbildlich, wie Robert Leipertz nach Anspiel von Sirlord Conteh verstolperte (77.). Mit Anbruch der Nachspielzeit gingen die Hausherren in Unterzahl: Martin Ens trat Holtby mit einer Kung-Fu-Einlage ins Gesicht, als der Routinier durchgebrochen war (90.+1). Den Freistoß zog Holtby selbst direkt aufs Tor, ließ damit die Latte wackeln (90.+2). Die Störche nutzten die Überzahl noch für einen vierten Treffer, dabei erlebte Niklas Niehoff seine Torpremiere im Unterhaus (90.+10). 

Durch den klaren Auswärtssieg rückt Holstein Kiel nach Punkten an den FC St. Pauli heran, der SC Paderborn bleibt als Tabellensechster Außenseiter im Kampf um den Bundesliga-Aufstieg.

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Lars Pollmann  
17.02.2024