Verpasste Champions League

Hinteregger & Co: Eintrachts Frage nach den Führungsspielern

Makoto Hasebe (r.) und Martin Hinteregger verloren auf Schalke. Foto: Imago

Dass Eintracht Frankfurt zuletzt die große Chance auf die Champions League verspielte, wurde vor allem an den Personalien von Trainer Adi Hütter und Sportvorstand Fredi Bobic festgemacht. Doch auch die Führungsspieler der Hessen ließen in den vergangenen Wochen einiges vermissen.

Für das Saisonfinale in der Bundesliga und den Showdown um die Königsklasse ließ Eintracht Frankfurt eigens Ex-Kapitän David Abraham aus Argentinien einfliegen, der im Januar seine Profikarriere beendet hatte. Der Besuch sollte der Mannschaft einen mentalen Schub geben, nachdem seit dem bekanntgewordenen Abgang von Cheftrainer Adi Hütter zum Ende der Saison (zu Borussia Mönchengladbach) die Ergebnisse ausblieben. Bei der blamablen 3:4-Niederlage beim FC Schalke 04 war der 34-Jährige zwar mit im Stadion, zum Leidwesen der Frankfurter aber nicht auf dem Platz. Denn spätestens in diesem Spiel wurde das Fehlen von Führungsspielern in der Mannschaft seit dessen Abgang offensichtlich. Eine Entwicklung, die die Klubführung möglicherweise unterschätzt hatte und die vom Erfolg der letzten Monate verdeckt wurde. fussball.news nennt drei Beispiele. 

Zweifel an Hintereggers Kapitänsqualitäten

Eine Personalie, die auch intern dabei zum Gesprächsthema wurde, ist die von Martin Hinteregger. Der Innenverteidiger gewann bei der Niederlage in Gelsenkirchen zwar solide 62 Prozent seiner Zweikämpfe, gab aber bei den Schalker Treffern zum 2:2 und 3:2 keine gute Figur ab, beim 4:2 verlor er im Vorwärtsgang seine Position und fehlte beim Konter der Königsblauen als letzter Mann. Der FC Schalke 04 erzielte binnen 13 Minuten drei Tore und drehte das Spiel. Gerade von einem Leistungsträger wie dem Österreicher wird in Frankfurt durchaus erwartet, dass er in solchen Phasen vorangeht und auch mal ein Zeichen setzt. Intern bestehen nicht zuletzt auch durch die Performance der letzten Wochen Zweifel daran, dass der 28-Jährige in der kommenden Saison das Kapitänsamt übernehmen kann.

Trapp und Kostic ohne Glanzpunkte

Für dieses Amt war Kevin Trapp aufgrund seiner Position als Torhüter bei Hütter nie vorgesehen. Als Sprachrohr nach außen fungierte der 30-Jährige, der dennoch zu den Führungsspielern zählt, immer wieder. So auch nach dem 2:0-Heimsieg gegen den FC Augsburg, als er gegen die regionalen Medien austeilte, deren Berichterstattung nach dem 0:4 bei Borussia Mönchengladbach und die damit verbundene Kritik am Trainer für ihn "fast schon eine Frechheit" war. Offensive  Aussagen nach einem mühsamen Dreier gegen schwache Augsburger. Anschließend gewannen die Frankfurter kein Spiel mehr, der Schlussmann kassierte zudem in drei Spielen acht Gegentore. Ohne echte Patzer, aber auch ohne starke Leistungen, die von einem Führungs- und Nationalspieler sowie Topverdiener erwartet werden.

Ebenfalls massiv nachgelassen seit dem bekanntgegebenen Hütter-Abgang hat Filip Kostic. Der Linksaußen hat selbst zwar keine Ansprüche ein Führungsspieler zu sein oder gar Kapitän zu werden. Leistungsträger und Schlüsselspieler ist er aber dennoch. In den letzten fünf Spielen war der 28-Jährige nur noch an einem Tor beteiligt, auf Schalke gewann er nur 38 Prozent seiner Zweikämpfe, fand kaum Durchschlagskraft. Er spielte zwar 60 Pässe, so viel wie 17 Spiele zuvor nicht, fand dabei aber nur selten einen Abnehmer. Vor dem Gladbach-Spiel steuerte der Nationalspieler in der Rückrunde 15 Scorerpunkte (vier Tore, elf Vorlagen) in elf Spielen zum Erfolg der Eintracht bei. Ein unbestreitbarer Leistungsabfall. 

Neuausrichtung bei den Führungsspielern?

Die Führungsspieler konnten in den letzten Wochen den Unruhen rund um den Klub nicht entgegenwirken, die intrinsische Motivation genügte nicht für das große Ziel Champions League. Und das obwohl sich das Team intern stark gemacht hatte für Hütter (fussball.news berichtete).Trotz allem Verständnis für die Verunsicherung durch die Abgänge von Hütter und Bobic haben die Verantwortlichen diese Entwicklung registriert, die auch Einfluss auf die Kaderplanung haben dürfte. Sehr wahrscheinlich ist, dass ein neuer Trainer auch wieder auf klare Strukturen in der Mannschaftsführung setzt. Hütter hatte in Frankfurt den Mannschaftsrat abgeschafft, lange einzig auf Kapitän Abraham gesetzt und dahinter je nach Bedarf Spieler einbezogen. Ein offizielles Sprachrohr der Mannschaft, das sich auch gegenüber dem Verein positionieren kann, fehlt aktuell. Der sportliche Erfolg gab dem Österreicher lange recht, doch gerade in den letzten Wochen hatte die dadurch flach gehaltene Hierarchie im Team ihre Nachteile. Auf dem Platz fühlte sich keiner berufen, als Anführer voranzugehen und sich gegen die Negativentwicklung zu stemmen. So wurden auch die Führungsspieler neben Hütter und Bobic zum Gesicht des Eintracht-Absturzes.

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Benjamin Heinrich  
19.05.2021