Bewegende Worte

Hinteregger ehrlich: Nach SGE-Wechsel "in eine Depression gefallen"

Martin Hinteregger spricht erstmals öffentlich über seine Depressionen. Foto: Imago

Auf dem Platz gilt Martin Hinteregger von Eintracht Frankfurt als harter Kerl, der gerne auch mal die Grätsche auspackt. In seinem Buch "Innensicht" beschreibt der 28-Jährige aber auch eine Phase außerhalb des Platzes, in der er mit Depressionen zu kämpfen hatte.

Aus dem Deutsche Bank Park in Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Benjamin Heinrich

Im Januar 2019 wechselte Martin Hinteregger erstmals vom FC Augsburg zu Eintracht Frankfurt - für ein halbes Jahr per Leihe. Im Sommer dann musste er zunächst zurück zu den Fuggerstädtern, die Verhandlungen beider Klubs um einen festen Transfer dauerten an. Beim FC Augsburg kam der Innenverteidiger dann einmal mit einem Eintracht-Rucksack zum Training und heizte damit die Gerüchte an, er wolle sich vom FCA "wegstreiken". Eine Zeit, die an Hinteregger nicht spurlos vorbeiging. Nachdem der Transfer dann finalisiert wurde, plagten ihn in Frankfurt nicht zuletzt durch die hohe Ablöse und die damit verbundene Erwartungshaltung Versagensängste und Hinteregger rutschte immer mehr in eine Depression: "Als der Wechsel war und viel auf mich eingeprasselt ist, ich zudem auch selbst viel Mist gebaut habe, bin ich schon kurz in eine Depression gefallen."

"Es war alles dunkel"

Der Defensivspieler beschreibt die Situation wie folgt: "Es war alles dunkel, jeder Ton, jedes Geräusch war zu viel." In seinem Buch erhebt er auch Vorwürfe gegen Augsburger Journalisten, die eine persönliche Hetzjagd gegen ihn betrieben haben, stellt die Frage, ob Schlagzeilen es tatsächlich wert sind, Leben zu zerstören. Erst nachdem er sich dem Frankfurter Mannschaftsarzt anvertraute und der Hinteregger an eine Psychologin vermittelte, sah dieser wieder nach und nach Licht am Ende des Tunnels. Ohne diese Hilfestellung, das betonte er, wäre er wohl komplett abgestürzt. Bis Weihnachten kämpfte er sich wieder raus aus jenem Loch und will nun mit seiner Geschichte ebenso Hilfe sein.

Hintereggers Rat: "Friss nicht alles in dich hinein!" 

Hinteregger erklärte: "Das wollte ich auch mal erzählen, damit die Leute sehen, dass bei uns Fußballern nicht immer alles gut ist, sondern wir auch Schattenseiten haben. Viele Menschen da draußen können, vor allem durch Corona, in solche Situationen geraten. Denen möchte ich helfen und den Rat geben: Friss nicht alles in dich hinein, so wie ich es gemacht habe, sondern such dir Hilfe." Auch das Thema Spielsucht behandelt der Österreicher in seinem Buch, beschreibt dort, wie er fast in eine Abhängigkeit geriet. "Dadurch, dass ich diese Geschichte erzähle, helfe ich anderen vielleicht besser damit umzugehen, dort rauszukommen oder gar nicht erst reinzugeraten", will Hinteregger auch mit der Erzählung dieser Episode seines Lebens Menschenleben beeinflussen und bricht ganz bewusst auch mit vermeintlichen Tabuthemen im Profifußball.

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Benjamin Heinrich  
13.08.2021