Werder-Präsident schaut nicht nur aufs Geld

Hess-Grunewald warnt vor "gesellschaftlichem Schaden für den Fußball"

Hess-Grunewald wird am Mittwoch 60. Foto: Juergen Schwarz/Bongarts/Getty Images
Hess-Grunewald wird am Mittwoch 60. Foto: Juergen Schwarz/Bongarts/Getty Images

Das Infektionsgeschehen in der Bundesrepublik gibt Anlass zur Sorge. An vielen Standorten dürfte es in den kommenden Wochen und Monaten wieder vermehrt zu Geisterspielen kommen. Neben der wirtschaftlichen Komponente betont Hubertus Hess-Grunewald, wie problematisch dies auf weiteren Ebenen sein könnte.

"Nachhaltiger als der wirtschaftliche Schaden könnte der gesellschaftliche Schaden für den Fußball sein. Jetzt ist die Distanz noch erzwungen, aber es kann dazu führen, dass die Menschen sich entwöhnen", warnt der Präsident von Werder Bremen gegenüber dem Portal Deichstube. Es müsse daher eine Priorität der Klubs sein, die fehlende Nähe zum Anhang zu kompensieren. Diese bezieht sich, wie Hess-Grunewald betont, schließlich nicht nur auf den Spieltag. Auch beim Training kommt es nicht zu Begegnungen.

"Bisschen abgekoppelt"

"Trotzdem dürfen wir die Fans nicht verlieren. Darunter verstehe ich auch, dass sie vielleicht nicht mehr mit vollem Herzen und ganzem Enthusiasmus zum SV Werder kommen", so der am heutigen Mittwoch 60 Jahre alte Jurist. Die Corona-Pandemie wirkt aus seiner Sicht als Beschleuniger einer ohnehin bedenklichen Entwicklung. "Ich glaube, dass viele Menschen sich ein bisschen abgekoppelt fühlen, weil der Fußball sich zu weit von ihrer eigenen Lebenswirklichkeit entfernt hat", sagt Hess-Grunewald.

"Müssen unsere Fans pflegen"

Dieser Entwicklung muss nicht nur bei Werder Bremen Einhalt geboten werden. Dies nicht zuletzt, betont der Präsident, dadurch, dass die Klubs ihren Anhängern gegenüber echtes Interesse zeigen. "Wir müssen unsere Fans pflegen, sie sind die Basis all dessen, was wir tun. Ohne ihre Zuneigung und Legitimation müssen wir das alles nicht machen", so Hess-Grunewald. Der Fachanwalt für Arbeitsrecht ist bis Ende 2022 von den Mitgliedern der Hanseaten gewählt.

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Lars Pollmann  
14.10.2020