Kritik an Kaderplanung

Helmer: "Der Borussia hätte der eine oder andere defensive Spieler gut getan"

Thomas Helmer hätte sich noch den ein oder anderen Abwehrspieler für den BVB gewünscht. Foto: Imago.
Thomas Helmer hätte sich noch den ein oder anderen Abwehrspieler für den BVB gewünscht. Foto: Imago.

In vier Bundesligaspielen hat Borussia Dortmund neun Gegentore kassiert. Thomas Helmer kritisiert das Defensivverhalten der gesamten Mannschaft und ist zudem der Ansicht, dass die Verantwortlichen einen weiteren Verteidiger hätten verpflichten sollen.

Wie kompliziert die Vorbereitung für Borussia Dortmund verlief, wird anhand der Anzahl der Gegentreffer in der Bundesliga deutlich. Zahlreiche Innenverteidiger fielen den Sommer über aus, auch zu Beginn der Pflichtspiele musste Cheftrainer Marco Rose kreative Lösungen finden, weshalb Axel Witsel zeitweise in der Viererkette eingesetzt wurde. Das Resultat: Dortmund kassierte in bislang jedem Liga-Spiel mindestens zwei Gegentore, gegen Bayer Leverkusen (4:3) musste Gregor Kobel sogar dreimal hinter sich greifen.

Helmer: "Die Breite reicht nicht aus"

Kurz vor Transferende reagierte der BVB mit der Verpflichtung Marin Pongracics auf den Engpass in der Defensive. Laut Thomas Helmer hätte dem Kader aber noch ein weiterer Defensivspezialist gut zu Gesicht gestanden: "Ich glaube, dass der Borussia vielleicht der eine oder andere defensive Spieler noch gut getan hätte", sagte der Ex-Profi (von 1996 bis 1992 in Dortmund) gegenüber den Ruhr Nachrichten. "Natürlich kann ein Axel Witsel dort einmal aushelfen. Oder ein Emre Can - der kann es natürlich auch. Aber wenn jetzt wie am Mittwoch die Champions League kommt, wird es schwierig. Da reicht es einfach nicht aus, auch die Breite nicht", so Helmer, der die Verpflichtung von Pongracic aber keineswegs schmälern will: "Das war schon das richtige Zeichen, aber er muss sich erst einfinden."

"Die ganze Mannschaft muss ein bisschen defensiver denken"

Andererseits hängen die Lücken in der Defensive nicht nur mit der Abwehrreihe zusammen, befindet Helmer: "Das ganze Defensivverhalten in den letzten Jahren hat die Borussia viele Punkte gekostet." Die hohe Qualität in der Offensive könne die Abwehrschwächen nicht über eine gesamte Saison hinweg kompensieren, warnte der 56-Jährige: "Das geht nicht immer gut. Das ist genau der Punkt - die ganze Mannschaft muss dann vielleicht auch mal wieder ein bisschen defensiver denken." 

Helmers Appell: "Seht zu, dass ihr auch mal nach hinten arbeitet"

Aufgrund seiner Treffsicherheit und der Fähigkeit, seine Mitspieler mitzureißen, dürfe Erling Haaland eine Sonderstellung im BVB-Sturm genießen - die übrigen Vordermänner seien jedoch gefordert, sich stärker im Spiel gegen den Ball zu beteiligen: "Als Defensivspieler würde ich sagen: Alles gut, mein Lieber, du darfst noch fünf Tore schießen. Aber an den Rest deiner Jungs nach vorne: Seht zu, dass ihr auch mal nach hinten arbeitet", so Helmer, der zudem betonte, es sei nicht immer 90 Minuten Vollgasfußball nötig: "Wenn man führt, darf man sich auch einfach mal hinten reinstellen. Immer den gleichen Spielstil zu verfolgen, der auch viele Risiken birgt, wenn man den Ball verliert - ich weiß nicht."

Florian Bajus  
15.09.2021