Klinsmann-Vergleich

Hamann würde Tuchel-Kritik "genauso wieder sagen"

Thomas Tuchel (Foto) sah sich teils scharfer Kritik von Dietmar Hamann ausgesetzt. Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images.
Thomas Tuchel (Foto) sah sich teils scharfer Kritik von Dietmar Hamann ausgesetzt. Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images.

Dietmar Hamann zog im Januar einen Vergleich zwischen Jürgen Klinsmann und Thomas Tuchel. Der frühere Spieler des FC Bayern hält an seiner Kritik fest und hat zugleich Verständnis für den scheidenden Coach.

Thomas Tuchel war im März 2023 vom FC Bayern verpflichtet worden, um die großen Pokale zu gewinnen. Die Saison 2022/23 wurde allerdings nur mit der Meisterschaft beendet und die laufende Spielzeit droht ohne Titel zu enden. Im Januar sagte Dietmar Hamann bei Sky90, Tuchel, der den Verein am Saisonende verlassen wird, sei das "größte Missverständnis seit Jürgen Klinsmann", der im April 2009 während seiner ersten Saison entlassen wurde. "Ich wollte damit ausdrücken, dass man in beiden Fällen dachte: Da kommt jetzt ein Supertrainer, der uns drei bis fünf Jahre trainiert - und in beiden Fällen ist keine Ära draus geworden", erklärt Hamann in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung seinen Vergleich, in dem deutliche Kritik mitschwang. "Das habe ich gemeint, und das würde ich genauso wieder sagen."

Hamann: Tuchel "sollte nicht die grundsätzliche Einigung absprechen"

Dass Tuchel den FC Bayern ein Jahr vor Vertragsende verlässt, hänge womöglich mit der Art und Weise zusammen, wie der Trainer seine Spieler öffentlich kritisiert hat. "Ich bin überzeugt, dass ein Trainer eine gute Beziehung zu seinen Spielern braucht", so Hamann, "Spieler wollen das Gefühl haben, dass ihr Trainer alles für sie tut, sie zahlen das dann im Spiel zurück." Tuchel dürfe seine Spieler in die Kritik nehmen, "aber er sollte ihnen nicht die grundsätzliche Eignung absprechen", ergänzt der TV-Experte mit Bezug auf die Sechserdebatte um Joshua Kimmich oder Leon Goretzka, "ansonsten musst du dich nicht wundern, wenn du diese Spieler verlierst."

Auch Kritik am FC Bayern

Andererseits äußert Hamann Verständnis für das unterkühlt wirkende Verhältnis von Tuchel zum FC Bayern. "Er ist in eine Phase geraten, in der der Verein ein Stück weit führungslos war. Im Sommer haben sie ihn in diesen Transferausschuss reingehetzt, das hat ihn Zeit und Substanz gekostet." Auch, dass Tuchel in die Verpflichtung von Sportdirektor Christoph Freund nicht involviert war, sei irritierend. "Der Anstand gebietet es doch, dass der Klub seinem Trainer sagt: Pass mal auf, wir holen einen neuen Sportchef, ihr trinkt jetzt mal einen Kaffee miteinander", so Hamann. Insofern ist es womöglich ein Missverständnis zwischen beiden Seiten - und so, wie sich der FC Bayern mehr von Tuchel erhofft hat, erhoffte sich Tuchel mehr vom FC Bayern.

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Florian Bajus  
30.03.2024