"Meiner Meinung nach fatal"

Nach Niederlage gegen City: Hamann wirft BVB mangelnde Selbstkritik vor

Borussia Dortmund hat gegen Manchester City mit 1:2 verloren. Foto: Getty Images.
Borussia Dortmund hat gegen Manchester City mit 1:2 verloren. Foto: Getty Images.

Borussia Dortmund hat das Champions-League-Spiel gegen Manchester City spät mit 1:2 verloren. Dass die Verantwortlichen dennoch über weite Strecken stolz auf die Leistung der Mannschaft waren, stört TV-Experte Dietmar Hamann.

Es ist schwer, Manchester City den Zahn zu ziehen, Borussia Dortmund ist diese Herausforderung am Mittwochabend aber beinahe gelungen. Dank einer kollektiven und konzentrierten Defensivarbeit hielt die schwarz-gelbe Defensive über 80 Minuten dicht, der amtierende englische Meister kam selten zu Torchancen und geriet zudem in der 56. Minute in Rückstand, als Jude Bellingham nach Vorlage von Marco Reus das Dortmunder Führungstor erzielte. Doch in der Schlussphase erhielt City im letzten Drittel mehr Zugriff und drehte die Partie: John Stones erzielte per Fernschuss den Ausgleich (80.), wenig später verwandelte Erling Haaland eine Halbfeldflanke artistisch mit dem linken Fuß zur Führung und zum Sieg (84.).

Hamann kritisiert BVB: "Du darfst so ein Spiel nicht verlieren"

"Sie haben über 80 Minuten ordentlich gespielt gestern. Ich habe City selten so hilf- und planlos gesehen, wie in der ersten Hälfte oder den ersten 75-80 Minuten", attestierte Dietmar Hamann dem BVB gegenüber Sky Sport eine ordentliche Leistung in Manchester. Umso mehr störte sich der TV-Experte an den letzten zehn Minuten und den Stellungnahmen der Verantwortlichen nach Spielende: "Du darfst so ein Spiel nicht verlieren. Wenn ich danach höre, dass Sebastian Kehl sagt, dass er auf die Mannschaft stolz ist, Edin Terzic spricht von einem sehr guten Spiel, Emre Can von einem extrem guten Spiel. Dann fehlt mir ein Stückweit die Selbstkritik. Dieser Mangel an Selbstkritik ist meiner Meinung nach fatal."

"Gefühl, es geht so los wie letzte Saison"

Innenverteidiger Mats Hummels, der bei DAZN dagegen über einkehrende Passivität in der Schlussphase klagte, sei ein Paradebeispiel für den Umgang mit so einer Partie: "Hummels ist für mich der Einzige, der selbstkritisch ist und der die Dinge so benennt, wie sie sind. Das sollten die anderen auch machen. Es wäre der erste Schritt zur Besserung, weil sonst haben wir vielleicht diese Inkonstanz-Diskussion in Wochen, Monaten oder am Ende der Saison wieder." Schon jetzt drohe ein Spiegelbild der vergangenen Saison, sagte Hamann, der in der Bundesliga von "schmeichelhaften" Siegen gegen Leverkusen (1:0) und Freiburg (3:1) sprach: "Ich habe das Gefühl, es geht so los wie letzte Saison. Man spielt nicht gut, gewinnt Spiele, das ist wunderbar und wenn man verliert, dann redet man sich das schön. Da müssen sie einen Kurswechsel vornehmen."

Florian Bajus  
16.09.2022