Verfehlte Kaderpolitik?

Hamann: BVB wie "Schalke und der HSV auf hohem Niveau"

Der BVB geht von Platz sechs aus in die restliche Saison. Foto: Getty Images
Der BVB geht von Platz sechs aus in die restliche Saison. Foto: Getty Images

Borussia Dortmund hat die eigenen Fans am Dienstag mit dem Blitz-Transfer von Julian Ryerson überrascht. Um den Außenverteidiger von Union Berlin hatte es zuvor kaum Gerüchte gegeben. Die drehen sich zuletzt oftmals darum, wer den Klub verlassen könnte, der eine neue Gehaltspolitik einführen will. Sebastian Kehl und Co. möchten die Grundgehälter senken und mehr Erfolgsabhängigkeit schaffen. Aus Sicht von Dietmar Hamann ist so ein Schritt wohl überfällig.

"Was in dieser Hinsicht in den letzten Jahren in Dortmund passiert ist, war Schalke und der HSV auf hohem Niveau: Sie haben zu viele Spieler geholt, die zu wenig geleistet, aber viel zu viel verdient haben", ätzt der TV-Experte gegenüber Sport Bild. Gemeint sind damit beispielsweise Spieler wie Emre Can, Thorgan Hazard oder Nico Schulz. Das Trio soll laut des Magazins bis zu 20 Millionen Euro einstreichen, ohne sportlich den entsprechenden Gegenwert zu leisten. Ein vorzeitiger Abschied zur Entlastung der Bücher ist aber schwer darstellbar, weil es keinen großen Markt für Top-Verdiener ohne Top-Leistung gibt.

"BVB muss sich ein neues Image aufbauen"

Dass der Klub nun offenbar auf derartige Fehlentwicklungen reagiert, hält Hamann für richtig. "Der BVB muss sich ein neues Image aufbauen. Mit Spielern, die nicht nur des Geldes wegen spielen, sondern bereit sind, für den Erfolg zu arbeiten und sich jede Woche für die Fans den Hintern aufzureißen", fordert der frühere Nationalspieler. Dafür brauche es "viel Verhandlungsgeschick und smartes Recruiting", das Hamann vor allem Sportdirektor Kehl aber durchaus zutraut. Der hat freilich viele heikle Themen zu bearbeiten.

"Situation ist delikat, aber auch eine große Chance"

Ob die erhoffte Vertragsverlängerung mit Youssoufa Moukoko gelingt, wird der BVB noch diese Woche wissen. Alsdann dürften Gespräche mit Marco Reus, der als Top-Verdiener nur mit erheblichen finanziellen Abstrichen bleiben würde, im Fokus stehen. Zudem muss Dortmund abwarten, was etwa bei Jude Bellingham passiert. "Die Situation ist delikat, aber auch eine große Chance", sagt Hamann. "Die nächsten sechs Monate werden zeigen, in welche Richtung die Entwicklung bei Borussia Dortmund in den nächsten drei bis vier Jahren geht."

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Lars Pollmann  
18.01.2023