Vor WM 2006

"Habe gedacht: Scheiße..." - So erfuhr Lehmann vom WM-Stammplatz

Jens Lehmann hütete 2006 das Tor der DFB-Elf. Foto: Getty Images.
Jens Lehmann hütete 2006 das Tor der DFB-Elf. Foto: Getty Images.

Im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland setzte sich Jens Lehmann gegen Oliver Kahn um den Platz im Tor der deutschen Nationalmannschaft durch. Der 52-Jährige dachte zunächst allerdings, er hätte das Duell mit dem damaligen Keeper des FC Bayern verloren.

Jens Lehmann und Oliver Kahn lieferten sich ein enges Rennen im Kampf um den Stammplatz im Tor der deutschen Nationalmannschaft. Ursprünglich wollte der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann erst einen Monat vor Beginn der Heim-WM 2006 bekanntgeben, wer für Deutschland zwischen den Pfosten stehen würde. Nachdem der Druck durch die öffentliche Diskussion immer größer wurde, sah sich Klinsmann allerdings zu einer früheren Entscheidung gezwungen - und entschied zum Nachteil von Kahn, der gemeinsam mit den Verantwortlichen des FC Bayern daran zu knabbern hatte, dass Lehmann zur Nummer eins aufstieg.

Lehmann: "Da wusste ich: Es kann wahrscheinlich nur ich sein"

Im Sky-Format "Meine Geschichte" berichtete Lehmann von dem Moment, in dem er bereits ahnte, der neue Torhüter der DFB-Elf zu werden: "Als Uli Hoeneß im März 2006 auf einmal sagte, was für mich nicht nachvollziehbar war: ‚Wir brauchen sofort eine Entscheidung.‘ Oliver hatte ein paar Fehler gemacht, da war klar: Wenn er will, dass Jürgen jetzt eine Entscheidung trifft, dann kann er nur mich spielen lassen", sagte Lehmann und betonte: "Da wusste ich: Es kann wahrscheinlich nur ich sein. Wir haben damals in der Champions League kein Tor kassiert, von der ersten bis zur fast letzten Minute. Da konnte es nicht sein, dass Jürgen sagt: ‚Okay, Oliver spielt.’"

Lehmann sah sich erst im Nachteil

Unmittelbar vor dem Premier-League-Spiel zwischen dem FC Arsenal und Manchester United am 9. April 2006 habe er schließlich über Torwart-Trainer Andreas Köpke von Klinsmanns Entscheidung erfahren, berichtete Lehmann: "Unsere Pressesprecherin kam und meinte: ‚Jürgen Klinsmann hat versucht dich anzurufen, ruf ihn bitte zurück.‘ Dann hat Jürgen gesagt: ‚Ich bin gerade in der Pressekonferenz, sprich mit dem Andy.‘ Dann habe ich ihn angerufen. Er hat zuerst ganz staatstragend angefangen: ‚Wir haben heute eine Entscheidung getroffen, es fiel uns nicht leicht.‘ Da habe ich gedacht: 'Scheiße, ich bin wieder die Nummer zwei.' Dann hat er gesagt: ‚Ich muss jetzt Oliver sagen, dass er die Nummer zwei ist und du spielst.‘"

"Das ist die größte Herausforderung"

Einerseits habe er sich über den Stammplatz gefreut, andererseits habe dieser auch den Druck vor dem United-Spiel erhöht: "Dann denkt man: Okay, jetzt bin ich heute die Nummer eins. Aber bin ich es auch noch im Juni, wenn es anfängt? Ich muss zwei Tage später gegen Manchester United spielen, da muss ich mich reinhauen, gut spielen, ohne Angst, dass ich mich verletze. Das ist die größte Herausforderung", so Lehmann, der später vom ersten deutschen Gruppenspiel bis zum Halbfinal-Aus gegen Italien auf dem Platz stand.

Florian Bajus  
12.01.2022