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Ex-DFB-Präsident für Öffnung gegenüber Investoren

Grindel: "Eine Gleichverteilung der TV-Gelder greift zu kurz"

TV-Gelder sind für Grindel kein geeignetes Instrument für mehr Spannung. Foto: SVEN HOPPE/POOL/AFP via Getty Images
TV-Gelder sind für Grindel kein geeignetes Instrument für mehr Spannung. Foto: SVEN HOPPE/POOL/AFP via Getty Images

Der Bundesliga mangelt es in der Spitze an Spannung. Zu dieser Erkenntnis dürften selbst Fans des FC Bayern kommen, der seit acht Jahren die Meisterschaft abonniert hat. Wie mehr Wettbewerb um den Titel entstehen kann, darüber ranken sich viele Diskussionen. Reinhard Grindel glaubt, eine Öffnung für Investoren ist letztlich unvermeidlich.

"Eine Gleichverteilung der TV-Gelder greift zu kurz. Dafür sind die finanziellen Unterschiede zu groß geworden", so der frühere DFB-Präsident gegenüber Bild am Sonntag. Schließlich gebe es schon an der Tabellenspitze eklatante Unterschiede. Der FC Bayern mache, grob gesagt, 750 Millionen Euro Umsatz, Borussia Dortmund 500 Millionen und RB Leipzig 300 Millionen. Bei den übrigen Bundesligisten seien es im Schnitt 130 Millionen Euro. Bayern nun um einige Millionen an Fernsehgeldern zu erleichtern würde aus Sicht von Grindel nur die Wettbewerbsfähigkeit des Rekordmeister auf der europäischen Bühne verschlechtern. "Aber in der Bundesliga würde es keinen entscheidenden Effekt erzielen."

50+1 gilt sowieso nicht für alle

Die aktuellen Herrschaftsverhältnisse in der Bundesliga werden durch die 50+1-Regel gewissermaßen zementiert. Grindel hält die nicht zwingend für zielführend. "Für die Vereine, die am ehesten dem FC Bayern und dem BVB gefährlich werden können, wirken die 50+1-Regeln ohnehin nicht: siehe RB Leipzig oder Bayer Leverkusen", argumentiert der ehemalige Bundestagsabgeordnete. Andere Vereine sollten aus seiner Sicht die Möglichkeit bekommen, über die Einbeziehung von Geldgebern "in diese Phalanx einzubrechen".

"Investitionszäune ein juristisches Risiko"

Dabei geht Grindel ohnehin davon aus, dass die Regel ein Ablaufdatum hat. "Es bleibt ein juristisches Risiko, in einem europäischen Binnenmarkt Investitionszäune um den Wirtschaftsstandort Bundesliga zu ziehen", sagt der 58-Jährige. Aus seiner Sicht sollte der deutsche Fußball Vorkehrungen treffen, ehe die EU-Kommission dereinst Tatsachen schafft. So könnte die Bundesliga auch Regeln schaffen, die ihren einzigartigen Charakter erhält. In jedem Fall brauche es Veränderungen, die nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Klubs in Europa beschneiden, "aber nicht zu mehr Spannung in der Meisterschaft führen".

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Lars Pollmann  
26.07.2020