Eintrachts Toptalent

Glasner und das Blanco-Dilemma: "Nicht zufriedenstellend für ihn"

Eintracht-Trainer Oliver Glasner (l.) mit Toptalent Fabio Blanco. Foto: Imago

Die Verpflichtung von Fabio Blanco galt bei Eintracht Frankfurt als großer Transfercoup. Rund vier Monate später hält sich der 17-jährige Spanier immer wieder mit Einzeltraining fit, stand noch kein einziges Mal im Profikader und stellt Trainer Oliver Glasner vor ein großes Dilemma. 

Aus dem Deutsche Bank Park in Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Benjamin Heinrich 

Spanische Topklubs wie Real Madrid und der FC Barcelona sollen in diesem Jahr angeblich die Fühler nach Fabio Blanco ausgestreckt haben, der in den Jugendmannschaften des FC Valencia auf sich aufmerksam gemacht hatte. Den Zuschlag allerdings bekam überraschend Eintracht Frankfurt. Vor allem auch deshalb, weil Kaderplaner Ben Manga dem Offensivspieler eine Perspektive aufzeigen konnte für die Profimannschaft. Doch von der bekommt Blanco, der einen Zweijahresvertrag unterschrieben hat samt Option auf eine Verlängerung, aktuell nur wenig zu sehen. In den Trainingseinheiten muss sich der dribbelstarke Spieler immer wieder in Einzeleinheiten fit halten, weil in den Trainingsspielen nur selten Platz für ihn ist. 

Wechsel zur Eintracht "sehr, sehr großer Schritt"

Trainer Oliver Glasner erklärte auf Nachfrage von fussball.news das Dilemma mit dem Toptalent: "Der Junge hat noch kein einziges Erwachsenenspiel absolviert, bis er zu uns gekommen ist. Dann geht es in die deutsche Bundesliga, eine der Top-Fünf-Ligen in Europa. Zu einem Klub, der international spielt. Das ist schon ein sehr, sehr großer Schritt." Hinzu komme auch, dass Blanco als Teenager in ein anderes, noch fremdes Land gewechselt ist: "Ein ganz anderes Umfeld, eine ganz andere Mentalität und du verstehst von der Sprache nichts. Es ist schon ein Riesen-Riesen-Step." Für Glasner selbst, das betonte er, wäre ein Wechsel nach Spanien beispielsweise schon ein sehr großer Schritt, für einen so jungen Menschen sei dieser noch deutlich größer und nicht zu unterschätzen. 

Blanco braucht Spielpraxis - nur wo?

Laut Glasner ist für Blanco vor allem eines wichtig: "Meine Erfahrung ist, das Wichtigste, was ein 17-Jähriger braucht, sind Spiele, Spiele, Spiele, Spiele." Bei den Profis derzeit noch ein Ding der Unmöglichkeit, weshalb das Talent aktuell Spielpraxis in der U19 der Hessen sammelt. Dem Österreicher fällt es durchaus schwer, Blanco wieder in den Juniorenbereich abzugeben, "weil der Spieler mir einfach wichtig ist." Doch ohne eine vereinseigene U23-Mannschaft ist dieser Weg aktuell alternativlos. „Für ihn persönlich ist das aber nicht ganz zufriedenstellend, weil da könnte er auch sagen, für die U19 hätte ich auch bei Valencia bleiben können. Das ist eine verzwickte Situation“, erklärte Glasner.

Im Training immer wieder außen vor

Hinzu kommt aber auch die Ausgangslage im Training der Profis, an dem Blanco regelmäßig teilnimmt. Immer wieder muss der spanische U-Nationalspieler in Spielsituationen zuschauen: "Manchmal ist es schwierig, zumindest wenn einem der Mensch wichtig ist. Wenn wir Elf gegen Elf spielen, hast du 20 Feldspieler, die du einsetzen kannst, hast aber 22, die dir zur Verfügung stehen. Dann musst du den einen oder anderen anderweitig beschäftigen, in Anführungszeichen. Das mach ich nicht gerne. Dann macht Fabio manchmal ungewollt sein Einzeltraining. Er zieht das aber sehr gut durch." Spaß machen kann das aber zweifelsohne nicht. An Muskelmasse hat Blanco in den vergangenen Monaten aber durchaus zugelegt, Glasner attestiert ihm "Talent und sehr viel Ehrgeiz". 

Doch dem 47-Jährigen sind die Hände gebunden. Der Spielplan der U19 kollidiert stark mit der Trainingssteuerung der Profis. In Phasen, wo Blanco intensive Trainingseinheiten bräuchte, bereitet sich die Mannschaft bereits auf die Europa League vor. Deshalb gab es auch durchaus schon die Überlegung den Youngster auch für die Trainingseinheiten zu den A-Junioren abzustellen: „Da muss man sich aber auch in den Kopf von so einem Jungen versetzen. Er kommt aus Spanien mit großem Enthusiasmus und Erwartungen. Und dann wäre es aber besser zur U19 zu gehen? Da ist eine gewisse Enttäuschung nachvollziehbar. In dieser Gefühlswelt befindet er sich gerade. Das Schwierige für uns ist, wie wir das handlen." 

Geht der Blanco-Plan noch auf?

Bislang gehe Blanco "sehr, sehr gut" mit der Situation um, wie Glasner betonte. Doch wie lange? Der Eintracht-Coach verwies auf das Beispiel Joshua Zirkzee, der beim FC Bayern München als junger Spieler auch nur schwer Anschluss fand und nun zum zweiten Mal verliehen wurde. Der Niederländer kam als 16-Jähriger von Feyenoord Rotterdam zum deutschen Rekordmeister. Die Verpflichtung Blancos erlangte bei der Eintracht allerdings deutlich größere mediale Aufmerksamkeit, Zirkzee seinerseits feierte erst mit 18 sein Debüt für die Profis. Blanco hingegen sollte schon in dieser Saison bei den Profis herangeführt werden und Einsatzminuten sammeln. Das Trainerteam ist bemüht, Lösungen zu finden. Scheitert dieser Plan aber, laufen die Frankfurter Gefahr das Toptalent zu verlieren. Womöglich sogar schon im Winter. Deutlich schlimmer wäre in diesem Kontext aber auch die internationale Reputation bei Toptalenten. Auch das ist Teil des Blanco-Dilemmas. 

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Benjamin Heinrich  
24.09.2021