Rassismus als ständiger Begleiter

Gebre Selassie: "Man lernt, dass man nicht so empfindlich sein darf"

Gebre Selassie spielt seit 2012 im Werder-Dress. Foto: Oliver Hardt/Getty Images
Gebre Selassie spielt seit 2012 im Werder-Dress. Foto: Oliver Hardt/Getty Images

In den vergangenen Jahren gab es eine bedauerliche Häufung von rassistischen Vorfällen im europäischen Fußball. Auch in Deutschland blieben derartige Vorkommnisse nicht aus. Theodor Gebre Selassie muss seit jeher mit dem Thema umgehen.

"Es zieht sich durch mein gesamtes Leben", sagt der Außenverteidiger von Werder Bremen gegenüber dem Portal Spox. "Ich war schon als kleines Kind in der Schule oder bei meinen Vereinen der einzige Dunkelhäutige." Der Sohn eines Äthiopiers und einer Tschechoslowakin wurde in Tschechien geboren und durchlief seine fußballerische Ausbildung bei dortigen Klubs. "Ich musste mir über die Jahre einige schlimme Sachen anhören. Man lernt jedoch, dass man nicht so empfindlich sein darf – leider", so Gebre Selassie.

"Es ist leider, wie es ist"

Dieser Gewöhnungseffekt muss eine jede Gesellschaft äußerst nachdenklich stimmen. Menschen sollten sich nicht mit Hetze umgehen lernen müssen, sondern diese gar nicht erst erleben. Dabei handelt es sich freilich eher um einen frommen Wunsch denn ein erreichbares Ziel. Auch Gebre Selassie gibt sich keinen Illusionen hin. "Es ist leider, wie es ist, solche Menschen wird es bedauerlicherweise immer geben", sagt der Routinier über Rassisten.

Karriere-Ausklang in den USA "längst hinfällig"

Das Werder-Urgestein, seit 2012 im Klub, bezieht das Thema auch bei seinen persönlichen Planungen ein. Ein Karriere-Ausklang in den USA etwa ist schon länger vom Tisch. "Wenn man sieht, was dort seit ein paar Jahren politisch abgeht, ist das längst hinfällig." Wohin die Reise nach dem Vertragsende in Bremen 2021 geht, ist auch deshalb noch offen. Bei Werder fühlt sich Gebre Selassie als Mensch im Übrigen bestens aufgehoben. "Mich macht es wirklich stolz, in einem Verein zu spielen, der öffentlich klipp und klar Haltung zeigt." 

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Lars Pollmann  
13.10.2020