Interimstrainer fordert Strukturwandel

Funkel kritisiert FC-Bosse: "Zu wenig Ahnung im sportlichen Tagesgeschäft"

Friedhelm Funkel hat den Vorstand des 1. FC Köln stark kritisiert. Foto: Imago.
Friedhelm Funkel hat den Vorstand des 1. FC Köln stark kritisiert. Foto: Imago.

Friedhelm Funkel hat seine Mission erfüllt und den 1. FC Köln zum Klassenerhalt geführt. Anschließend hat der Interimstrainer angeboten, dem Verein in beratender Funktion erhalten zu bleiben - nicht ohne Grund: Seiner Meinung nach verfügt die Chefetage über zu wenig Sachverstand im sportlichen Bereich.

Der Vorstand des 1. FC Köln hat den nächsten Kopf rollen lassen. Nach Armin Veh, Achim Beierlorzer und Markus Gisdol muss auch Horst Heldt die Segel streichen. Unisono mit dem Gemeinsamen Ausschuss wurde am Sonntag entschieden, dass der Geschäftsführer Sport ausgetauscht werden muss. Wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, wurden Heldt und dessen Partner in der Geschäftsführung, Alexander Wehrle, von dieser Nachricht überrascht, nachdem Heldt zuvor eine 90-minütige Analyse der Saison 2020/21 präsentiert habe. 

Funkel: Zu viele Menschen ohne sportliche Kompetenz

Einen Tag später berief der FC eine Pressekonferenz mit Präsident Werner Wolf, Vizepräsident Eckhard Sauren, Wehrle sowie Thomas Kessler und Jörg Jakobs, die gemeinsam mit Lukas Berg vorerst in Heldts Fußstapfen treten, eine Pressekonferenz ein. Im Rahmen dessen äußerte Wehrle deutliche Kritik am Heldt-Aus. Auch Friedhelm Funkel kann die Entlassung des Sportchefs nicht nachvollziehen. Gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger kritisierte er die Führungsetage für mangelnde sportliche Kompetenz: "Ich habe das Gefühl, dass beim FC zu viele Menschen, die nicht aus dem Fußball kommen und zu wenig Ahnung haben, im sportlichen Tagesgeschäft mitreden wollen. So lange sich das nicht ändert, wird sich auch beim FC nicht viel zum Positiven verändern."

"Es muss ein anderer Zeitgeist entstehen"

Die handelnden Personen müssten aufwachen, mahnte Funkel, "der FC hat jetzt zweimal auf dem letzten Drücker den Abstieg vermieden. Es muss ein anderer Zeitgeist entstehen." Der 67-Jährige betonte: "Ich bin 50 Jahre im Profifußball dabei, ich denke, mein Gefühl täuscht mich da nicht. Über den sportlichen Bereich sollten nur diejenigen entscheiden, die auch die sportlichen Kompetenzen haben."

Funkel hätte Heldt jemanden zur Seite gestellt

Er selbst hatte sich für einen Verbleib von Heldt stark gemacht und vorgeschlagen, ihm einen zweiten Mann, etwa einen Sportdirektor, zur Seite zu stellen. "Ich denke, dem FC würde neben Horst noch eine weitere Person gut tun, die ihm im sportlichen Bereich einige Dinge abnehmen und sich mit ihm auf Augenhöhe austauschen könnte", sagte Funkel. Da er eigenen Angaben zufolge aber keinen persönlichen Kontakt zum Vorstand hatte, dürfte dieser Vorschlag nicht bei Wolf & Co. angekommen sein. Wenn doch, dann fand er kein Gehör.

Florian Bajus  
01.06.2021