2. Bundesliga

Roundup: Lilien halten sich 96 vom Leib, SVS siegt in Rostock

Darmstadt hatte am Freitag Hannover zu Gast. Foto: Getty Images
Darmstadt hatte am Freitag Hannover zu Gast. Foto: Getty Images

In den Freitagsspielen des 15. Spieltags der 2. Bundesliga standen zwei tabellarische Nachbarschaftsduelle an. Der SV Darmstadt holte nach langer Überzahl gegen Hannover 96 einen Heimsieg (1:0), während Hansa Rostock gegen den SV Sandhausen verlor (0:1).

Am Böllenfalltor wollte Spitzenreiter Darmstadt die Gäste aus Niedersachsen mit einem Heimsieg weiter auf Distanz halten. Für 96 winkte hingegen der zwischenzeitliche Sprung auf den Relegationsplatz. Die Lilien erwischten einen guten Start in die Partie und hätten durch einen Kopfball von Oscar Vilhelmsson durchaus früh in Führung gegen können (11.). Hannover schaute sich das Spiel erstmal aus einer abwartenden Haltung an, dann bot sich Havard Nielsen aus dem Nichts eine Top-Chance aufs 1:0, die Marcel Schuhen mit einem Reflex in Handballtorwart-Manier verhindern konnte (19.). Fünf Zeigerumdrehungen später lag die Kugel im Netz der Gäste, ein herrlicher Schlenzer von Tobias Kempe hätte die Führung verdient gehabt. Allerdings hatte Phillipp Tietz in der Vorbereitung des Treffers im strafbaren Abseits gestanden, sodass das Tor nicht zählen konnte (24.). 

Das 1:0 hatte anschließend Jannik Müller auf dem Fuß, in seinen Schuss aus kürzester Distanz nach einer Ecke warf sich Phil Neumann. Allerdings bediente sich der Verteidiger dabei des Ellenbogens, sodass es nach Videostudium Strafstoß für die Hausherren gab. Zudem sah Neumann wegen der Verhinderung eines Tores die Rote Karte und dezimierte Hannover auf zehn Mann. Ron-Robert Zieler behielt im Elfmeter-Duell gegen Kempe die Oberhand und bewahrte das 0:0 mit einer Top-Parade gegen den gar nicht mal so schlecht geschossenen Versuch des Darmstädter Standardspezialisten (31.). In Unterzahl igelte sich der Gast naturgemäß hinten ein, um sich in der Pause sammeln zu können. Dem Tabellenführer fiel bis dahin trotz der numerischen Überlegenheit nicht mehr viel ein, wie eine Führung gelingen könnte. Ein abgefälschter Distanzschuss von Marvin Mehlem stellte Zieler in der Nachspielzeit auf eine letzte Probe, der der Weltmeister aber allemal gewachsen war (45.+2).

Angesichts des Elfmeters wäre ein 1:0 für Darmstadt zur Halbzeit durchaus in Ordnung gegangen, Hannover aber verdiente sich mit einer kompakten Mannschaftsleistung den Teilerfolg nach 45 Minuten. Im zweiten Durchgang oblag der Ballvortrag naturgemäß weiter den Lilien, die über Vilhelmsson früh eine weitere Chance auf den Führungstreffer liegen ließen (47.). Hannover stellte sich in der Defensive aber weiter recht clever an, lief die unweigerlich entstehenden Lücken mit viel Aufwand zu und ließ sich so kaum anmerken, dass ein Mann weniger auf dem Platz stand. So musste es beinahe ein ruhender Ball sein, der die Lilien endlich in Front bringen würde: Im Nachgang einer Ecke packte Mehlem aus dem Rückraum einen Volley-Hammer aus, den Zieler spät sah, aber auch unter günstigeren Umständen kaum hätte parieren könnten (62.). 

Nach dem Gegentreffer antwortete Hannover mit ordentlichen Chancen von Nielsen (64.) und Hendrik Weydandt (66.), die andeuteten, dass sich die Gäste trotz Rückstand und Unterzahl noch etwas von der Partie versprachen. Darmstadt drückte seinerseits auf das wohl entscheidende 2:0, Zieler verhinderte dabei ein zweites Traumtor, diesmal von Müller (71.). Zudem verpasste Tietz nach schlimmem Fehlpass des gerade erst eingewechselten Jannik Dehm freistehend die Entscheidung (77.). Auch Braydon Manu ließ bereits in der Nachspielzeit aus (90.+1). Die Fehlschüsse rächten sich nicht, mutmaßlich fehlte den Niedersachsen nach der langen Unterzahl die Energie für ein größeres Aufbäumen.

Der SV Darmstadt garantiert sich durch den Heimsieg die Tabellenführung auch nach dem 15. Spieltag, Hannover 96 könnte indes auf Platz sechs abrutschen.

Sandhausen schlägt Rostock

An der Ostsee wollte sich Hansa Rostock mit dem ersatzgeschwächten SV Sandhausen einen direkten Konkurrenten im Rennen um den Klassenerhalt vom Leib halten. Es entwickelte sich schnell eine lebhafte Partie, in der die Gastgeber durch einen Kopfball von John Verhoek zwar die erste Chance hatten (5.), dann aber die Auswärtsmannschaft das Geschehen für eine ganze Weile bestimmte. Die ganz großen Hochkaräter erspielte sich der SVS in dieser Phase allerdings nicht, am gefährlichsten war ein Flachschuss von Alexander Esswein, der knapp neben das Tor zischte (9.). Hansa kam erst gegen Ende der ersten Hälfte mal dauerhaft nach vorn, dann aber gleich mit viel Wucht. Bei einer Dreifachchance traf Lukas Hinterseer den Pfosten, rettete Ersatzkeeper Nikolai Rehnen gegen den Österreicher im Nachschuss und blockte ein Abwehrbein auch den Versuch von Svante Ingelsson rechtzeitig vor der Linie (35.). Wenig später feuerte Kai Pröger einen Strahl auf den Kasten von Rehnen, der das Geschoss mit dem Oberkörper abwehren konnte (41.).

In diese Drangphase hinein stach Sandhausen per Konter zu, dabei war es die Kinsombi-Show, die den Gästen das 1:0 einbrachte: Die Brüder David und Christian hebelten die Hansa-Abwehr mit einem dreifachen Doppelpass aus, letztlich bugsierte Christian Kinsombi das Kunstleder aus kurzer Distanz mit etwas Glück über die Linie (45.). Angesichts des Spielverlaufs bis zur 35. Minute ging die Führung der Gäste zur Pause in Ordnung, allerdings war Hansa dem Treffer in der Endphase der ersten Hälfte deutlich näher gewesen.

Nach dem Seitenwechsel sammelten beide Seiten zunächst Halbchancen, bei denen mit etwas mehr Präzision größere Gefahr denkbar gewesen wäre. Sandhausen igelte sich keineswegs ein, sondern sorgte immer wieder für Entlastung, während bei Hansa noch nicht die Rede von der vielzitierten Brechstange sein konnte. Mit weiterem Verlauf des zweiten Durchgangs erhöhte Rostock zwar den optischen Druck, fand aber keinerlei Lücken in der dichten Verteidigung der Gäste. Bis in die Schlussphase hinein lebte die Führung von Sandhausen so nicht sonderlich gefährlich. Stattdessen kam der SV sogar selbst einem zweiten Tor nahe, als Phillip Ochs aus der Distanz einfach mal draufhielt und Markus Kolke beinahe überraschte. In der Szene wäre noch mehr drin gewesen, hätte Ochs den völlig blanken Esswein mitgenommen (79.). Auch ein Schlenzer von David Kinsombi war deutlich gefährlicher als alles, was die Hansa-Kogge bis dahin in der zweiten Hälfte zustande gebracht hatte (85.). Tief in der Nachspielzeit forderte sie noch einen Handelfmeter, den es aber zurecht nicht gab (90.+4), kurz darauf knallte Bashkim Ajdini die Kugel noch an die Latte der Gastgeber (90.+5).

Hansa Rostock ging so wegen zu großer Harmlosigkeit in der zweiten Hälfte ohne Punkte vom Platz und hat als Tabellenzwölfter den SV Sandhausen jetzt nur noch einen Rang und einen Punkt hinter sich. 

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Lars Pollmann  
04.11.2022