Freiburg in der Krise

Freiburg zwischen Schiri-Wut und Verkaufsdepression

Der SC Freiburg steckt im Abstiegskampf.
Der SC Freiburg steckt im Abstiegskampf. Foto: Getty

Der SC Freiburg mit Trainer Christian Streich hatte zuletzt nichts mit dem Abstiegskampf zu tun. In dieser Saison dürfte sich das ändern.

Gegen den zuvor Tabellenletzten Mainz 05 kassierte der SC Freiburg am Sonntag eine 1:3-Niederlage. Ein alarmierendes Signal für die Breisgauer, die aber kurz nach der Partie eher die Wut auf die Schiedsrichter-Entscheidungen der vergangenen Wochen lenkten. Knackpunkt der Partie gegen Mainz war gleich die 1. beziehungsweise 2. Spielminute: Der Mainzer Barreiro hatte in den Lauf von Mateta gepasst, der im Eins-gegen-eins Freiburg-Keeper Florian Müller keine Chance ließ und das 1:0 für die Gäste erzielte. Doch dem Tor war ein umstrittener Zweikampf von Mateta gegen Baptiste Santamaria vorausgegangen, was man durchaus als Foul hätte werten können. Auch ein mögliches Handspiel von Mateta hätte vom Schiedsrichtergespann zudem geahndet werden können. Doch ein Pfiff blieb aus - auch der Videoschiedsrichter ließ die Szene unbeanstandet. 

"Jede Woche das Gleiche"

Es war der Ausgangspunkt für eine verkorkste erste Hälfte der Freiburger, mit 0:3 ging es in die Pause. "Wenn du da nicht Foul pfeifst", wütete Freiburg-Coach Christian Streich nach der Partie und lamentierte: "Aber es ist jede Woche das Gleiche. Letzte Woche in Leipzig dieser unfassbare Elfmeter. Im Moment ist Wahnsinn, was gepfiffen wird. In dieser Szene nicht Foul zu pfeifen und dass sich da auch nicht der Videoassistent meldet, wenn vier Sekunden später das Tor fällt. Wer so weggeschubst wird... Santamaria kann ohne Probleme köpfen, er kriegt voll den Stoß, so etwas wird immer gepfiffen, aber in so einer Szene wird nicht gepfiffen. Das ist unfassbar."

"Im Moment nicht gut genug"

Auch Sportvorstand Jochen Saier sah die Szene kritisch, wollte aber zumindest nicht komplett das 1:3 den Schiedsrichtern in die Schuhe schieben: "In Leipzig ist es kein Elfmeter, heute die zwei, drei Szenen, es ist in Summe zu viel, weil wir im Moment nicht gut genug sind, um solche Szenen zu kompensieren. Es liegt an uns, das sind null Komma null Ausflüchte. Wir müssen zusammen da durch, uns die Dinge hart erarbeiten. Geschenkt bekommt man nix. Heute war es schon bitter und wenn du es in Summe selbst nicht gut spielst auch tödlich."

Warum Freiburg in dieser Saison wohl um den Klassenerhalt zittern muss, dürfte auf der Hand liegen: Es ist der individuelle Qualitätsverlust der Mannschaft, der vor der Saison geschehen ist. Defensivakteur Robin Koch wechselte zu Leeds United in die Premier League, Luca Waldschmidt trifft nun für Benfica Lissabon in Portugal und Torwart Alexander Schwolow hält die Bälle für Hertha BSC fest. Drei Führungsspieler, die Freiburg in dieser Saison fehlen. Der Abstiegskampf hat für den SC spätestens nach der 1:3-Pleite gegen Mainz begonnen.

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Daniel Michel  
23.11.2020