Exklusiv bei fussball.news

Fjörtoft zum Sancho-Poker: "Aus englischer Sicht hat Zorc die erste Karte gespielt"

Jadon Sancho ist eine überragende Figur der Bundesliga.
Jadon Sancho ist eine überragende Figur der Bundesliga. Foto: Getty Images

Borussia Dortmund hat in der Causa Jadon Sancho ein Ausrufezeichen gesetzt und zum Auftakt des Trainingslagers in Bad Ragaz einen Verbleib des Engländers angekündigt. Bei Manchester United sieht man den Poker um den Flügelspieler nun aber erst richtig starten. Jan Aage Fjörtoft nimmt bei fussball.news eine Einordnung vor.

Es berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Am Montag warteten die Journalisten in Bad Ragaz in der Schweiz gespannt auf Michael Zorc. Der Sportdirektor von Borussia Dortmund hatte Neuigkeiten in der Causa Jadon Sancho zu verkünden: Er soll mindestens noch eine Saison bleiben - und zudem wurde schon vor einem Jahr still und heimlich der Vertrag bis 2023 verlängert. Bei Manchester United reagierten die Verantwortlichen durchaus verwundert über diese Endgültigkeit.

Fjörtoft kann die BVB-Strategie nachvollziehen

Jan Aage Fjörtoft zeigte bei fussball.news einerseits Verständnis für die Vorgehensweise der Borussia: "Ich glaube an die Strategie des BVB. Sie sagen, was sie tatsächlich glauben und durchführen wollen." Der Norweger, der sich im englischen Fußball exzellent auskennt, verwies allerdings auf die jüngere Vergangenheit: "Das Problem für Michael Zorc und Borussia Dortmund ist: Manchester United kennt die Geschichte, sie haben damals schon bei Pierre-Emerick Aubameyang und Ousmane Dembele mehr oder weniger dasselbe gesagt und am Ende sind die Spieler doch weggegangen." Aubameyang streikte sich für 63,75 Millionen Euro zu Arsenal, Dembele für rund 138 Millionen Euro zum FC Barcelona.

Aber: Manchester United hat Strahlkraft

Fjörtoft warf dem BVB keine "Unehrlichkeit" vor, verwies aber auf die Strahlkraft der Red Devils: "Wir reden immer noch über Manchester United und Manchester United glaubt weiterhin an den Sancho-Transfer." Die Strategie der Dortmunder sei zwar klar, doch in England ist die Sichtweise eine andere: "Hier glauben der Klub, die Fans und Journalisten, dass jetzt weiter gepokert wird."

Hat Zorc nur "die erste Karte gespielt"?

Aus englischer Sicht habe Zorc "die erste Karte gespielt". United hat das Image, "dass Verhandlungen länger dauern können und die Spieler final trotzdem teuer sind." Harry Maguire (87 Millionen an Leicester City) und Bruno Fernandes (55 Millionen an Sporting Lissabon) sind zwei Beispiele dafür.

Manchester als "globale Marke" mit viel Geld

120 Millionen Euro, die bezahlt werden müssten, sind allerdings eine andere Dimension. Fjörtoft verwies aber auf die Größe des Klubs - auch inmitten der Coronavirus-Pandemie: "Manchester United ist eine globale Marke! Sie haben einen reichen Besitzer und dadurch andere finanzielle Mittel als deutsche Vereine."

Sancho-Transfer wäre sportlich ein "Riesengewinn"

Ein Transfer von Sancho sei sportlich zudem ein "Riesengewinn" für die Red Devils: "Er ist die heißeste Aktie auf dem diesjährigen Transfermarkt. Manchester spielt wieder Champions League und sie brauchen Spieler der Marke 'exciting'." Fjörtoft hat sich den 20-Jährigen, der in der Bundesliga jeweils 17 Treffer und Assists lieferte, genau angesehen: "Er ist ein Wahnsinns-Fußballspieler. Seine Entwicklung ist unglaublich." Was genau der Nationalspieler aber plane, kann auch Fjörtoft nicht beantworten. Der frühere Profi fand lobende Worte für die Kommunikation der Borussia: "Es sieht so aus, als hätte der BVB mit dem Team Sancho einen sehr guten Dialog."

Verliert Zorc noch "das Gesicht"?

Doch jetzt geht es um mehr! "One side loses his face - and the other side loses a player", formulierte Fjörtoft die Dramaturgie bei dieser Personalie. Sprich: Bei einem Abgang würde Dortmund "das Gesicht" verlieren. Sollte die Borussia konsequent bleiben, hätte Manchester "einen Topspieler" nicht bekommen. Bis zum 5. Oktober, dem Deadline-Day, kann noch viel passieren.

Christopher Michel  
11.08.2020