Verlängerung "keine Priorität"

Favre überraschend emotional: "Viele haben mir gesagt, das war verrückt"

Favre sieht seine Vertragssituation nicht als Priorität. Foto: Frederic Scheidemann/Bongarts/Getty Images
Favre sieht seine Vertragssituation nicht als Priorität. Foto: Frederic Scheidemann/Bongarts/Getty Images

Borussia Dortmund bereitet sich dieser Tage in Bad Ragaz auf die neue Saison vor. Lucien Favre geht mit einem auslaufenden Vertrag in die Spielzeit, das ist für den BVB eher ungewöhnlich. Der Schweizer schien dabei schon im Laufe der vergangenen Runde kurz vor der Demission.

Im Herbst stimmten Leistungen und Ergebnisse des BVB nicht, es fehlte wohl nicht viel, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Favre zog den Kopf aus der sprichwörtlichen Schlinge, legte mit den Schwarzgelben eine weitgehend überzeugende Rückrunde unter schwersten Bedingungen hin. Im Rückblick auf die schwere Phase im Herbst wird der Übungsleiter gegenüber der ARD-Sportschau überraschend emotional. "Viele haben mir gesagt, das war verrückt. In Frankreich oder der Schweiz. Das war verrückt, wie die Presse in Deutschland über mich gesprochen hat", so Favre. "Das war ein Skandal, haben sie gesagt."

"Das ist keine Analyse"

Der sonst so besonnene Fußballlehrer echauffiert sich darüber, dass in Deutschland stets auf den Trainer geschossen wird, wenn die Mannschaft einen Misserfolg erlebt. "Niemand, oder nicht viele, analysieren unsere Mannschaft und unsere Fähigkeiten im Vergleich mit den anderen. Wir verlieren, also ist der Trainer schuld. Das ist keine Analyse", so der 62-Jährige. Im Gegenteil hält Favre es für ausnehmend unprofessionell, derart über Fußball zu berichten. Es nagte durchaus auch persönlich an ihm und seinem Umfeld. "Für Leute, die mich sehr gut kennen, war es manchmal schwer." 

Verlängerung "keine Priorität"

Inzwischen sieht Favre dies aber als Vergangenheit, sein Fokus gilt den neuen Aufgaben. Dass die unklare Vertragssituation dabei als eine Art Damoklesschwert über ihm hängt, wäre deutlich zu viel gesagt. "Es geht mit einem Jahr, das genügt. Ich sehe keinen Grund, darüber jetzt zu sprechen. Es ist keine Priorität", betont Favre. Eine Verlängerung vor dem Start der Vorbereitung war für den BVB kein Thema, anders noch als im Vorjahr. Seinerzeit verhinderte der Klub dadurch Spekulationen. Jedoch sind die Kommunikationskanäle auch heuer stets offen. Das Verhältnis von Favre zu Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc gilt weiter als belastbar. Allerdings wird der Chefcoach Argumente sammeln müssen, um auch im Sommer 2021 wieder in der schweizerischen Heimat mit dem BVB im Trainingslager auf dem Platz zu stehen.

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Lars Pollmann  
15.08.2020